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Dummdeutsch für Fortgeschrittene

Warum es so viel Spaß macht, Nachhilfe zu geben... - Beitrag über die Narretei der Rechten

Auch kommunikativ: das ideale Paar...
Auch kommunikativ: das ideale Paar...
In meiner psychologischen Konstitution manifestiert sich eine absolute Dominanz positiver Effekte für eine existente Individualität Deiner Person.“ – Kann man das sagen? Ja, natürlich, man kann es außerdem auch noch schreiben, quod erat demonstrandum. Ich könnte das sogar meiner Liebsten sagen, und sie würde es in der Tat verstehen, denn sie hat Latein gelernt, kann außerdem noch ein Dutzend anderer Sprachen. Sie ist überhaupt die beste... – aber das gehört nicht hierher.

Hätte ich statt des oben zitierten Satzmonsters gesagt, „ich liebe Dich“, so wäre das nicht nur wahr gewesen, sondern auch – jedenfalls kommunikationspsychologisch – besser angekommen. Rein technisch-mathematisch gesehen sind die Aussagen zwar kongruent – das Wort „deckungsgleich“ verkneife ich mir hier lieber mal, um hier niemanden zu schlüpfrigen Assoziationen zu verleiten

– aber eben eben nicht identisch. Auf den Satz „ich liebe Dich“ reagiert meine Liebste meist mit einem glutvollen Blick und... – auch das gehört auch nicht hierher. Identisch sind übrigens das Völkerrechtssubjekt „Bundesrepublik Deutschland“ und das Völkerrechtssubjekt „Deutsches Reich“, das nie aufgehört hat zu existieren, auch nicht am 8. Mai 1945, wie das Bundesverfassungsgericht bereits 1973 festgestellt hat, aber dazu später.

Wer übrigens wissen will, wo er eine schöne Sammlung nach dem Motto „Warum soll ich's einfach sagen, wenn es auch kompliziert geht?“ findet, der schaut einfach mal – in Umsetzung der Weisheit „Ein der optischen Wahrnehmung unfähiges, gefiedertes, aber des Fliegens nicht mächtiges Haustier gelangt in den Besitz nicht näher definierter Sämereien“ – auf die Internet-Seite „Dummdeutsch“ und fragt sich anschließend unter Umständen: „wäre es nicht adäquat, den Usus heterogener Termini zu minimieren?

Worum es aber eigentlich geht: man kann alles sagen. Das ist die Botschaft. – Man kann es in verschiedenen Ausdrucksweisen sagen, man kann es mal so und mal anders sagen. Denn Sprache ist Handlung, und entscheidend ist nur, was der Adressat versteht. Darauf läßt sich eigentlich dieser ganze aufgeblasene Kommunikationskram reduzieren. Übrigens hat der hochverehrte Hanns Dieter Hüsch diesen Gedanken bereits vor 40 Jahren – um genau zu sein, es war 1967! – in dem wunderbaren Lied "Deutsche Zunge" (Hörprobe) festgehalten, damals war Hüsch noch nicht philosophisch, sondern radikalsozialistisch, und es ging um die DDR, aber nun gut, Schwamm drüber:

H. D. Hüsch ©W. Wittkowsky
H. D. Hüsch ©W. Wittkowsky
(...) Ich kann es gegen die Decke sagen, ich kann es gegen die Wand sagen, zum Fenster 'raus sagen (...) ich kann es auf hochdeutsch sagen, in Liedform sagen, in Gedichtform sagen, direkt sagen, indirekt sagen, verschlüsselt sagen, künstlerisch wertvoll sagen, lispelnd sagen, offen sagen, idiotisch sagen, nebenbei sagen, meinem Nachbarn sagen, der kann es seinem Nachbarn sagen (...)

Hanns Dieter Hüsch, Deutsche Zunge, in „Typisch Hüsch“ und in „Carmina Urana“

Falls der geneigte Leser nun denkt, „diese dubiose Polemik tangiert mich maximal peripher“, frei übersetzt also „Dein Geschwätz interessiert mich nicht“, so ist das kein Problem. Wir kommen ja gleich zum Punkt.

Mit „Leser“ sind übrigens auch weibliche Leser angesprochen, denn in den indogermanischen Sprachen, insbesondere im Deutschen, geht es um die Funktion, die das Nomen oder die Person hat. Nicht um ihr Geschlecht, das Geschlecht ist nur aus grammatikalischen Gründen von Bedeutung. Deswegen hieße es korrekt auch „Frau Bundeskanzler“, wenn von Angela Merkel die Rede ist, denn man sprach sie zuvor ja auch als „Frau Doktor Merkel“ an, nicht als „Frau Doktorin Merkel“. Das ganze Gerede von Bürger und Bürgerinnen, Wählern und Wählerinnen, Eltern und Elterinnen usw. usf. ist also einfach nur, um es mit Hüsch zu sagen, „dumme Quatsch“. Diese politisch korrekte Gender-Sprache ist eine hirnlose Mode für ungebildete Menschen, mehr nicht. Auch eine Form also, in der das Dummdeutsch zutage tritt. Wer es nicht glaubt, kann ja mal einen weiblichen Offizier (nicht: „Offizierin“!) der Bundeswehr fragen, ob er (nicht sie!) mit „Frau Leutnantin“ oder „Frau Hauptfrau“ angesprochen wird... – auch hier heißt es natürlich „Frau Leutnant“ und „Frau Hauptmann“. Und Rekruten bei der US-Army sprechen ihren weiblichen Ausbilder (nicht: „Ausbilderin“!) Natürlich an mit „Yes, Sir, Ma'am! Sir!“...

Warum das alles? Man könnte es der allgemeinen Sprachpflege zuordnen, doch es geht um mehr. Bekanntlich leben wir in einem Land, das am Verlust seiner Identität leidet. Die Deutschen wissen nicht, wer sie sind; sie wissen nicht einmal, ob sie eine Ethnie, Staatsbürger, ein Volk oder eine Nation sind. Sie kennen nicht einmal – und das nicht nur geographisch – ihre Grenzen. Und vor allem kennen und beherrschen sie nicht einmal ihre Sprache. Das fängt bei der Kultusministerkonferenz und ihrer dümmlichen Rechtschreibreform an und hört bei den diversen „Kommissarischen Reichsregierungen“ – kurz auch als „KRR-Deppen“ bezeichnet – noch lange nicht auf.

Diese „KRR-Deppen“ meinen nicht nur – wie viele Braune und Revisionisten – , daß unser Staat, die Bundesrepublik Deutschland, angeblich keine völkerrechtliche Legitimation hätte, sondern sie zerbrechen sich auch noch den Kopf, warum es „Personalausweis“ heißt; ihrer belanglosen Meinung nach müßte es nämlich „Personenausweis“ heißen, was natürlich Nonsens ist. – Auch sehr lustig: diese dümmlichen Zeitgenossen wissen nicht einmal, daß die Frage nach der Staatsangehörigkeit immer mit einem Adjektiv beantwortet wird, nicht dem Namen des Staates, auf den sie sich bezieht. Also ist meine Staatsangehörigkeit „deutsch“, und nicht „Deutschland“, wie diese „KRR-Deppen“ behaupten. Wie tief deren Selbstverwirrung reicht, zeigt sich an der folgenden Umfrage, die zwei verschiedene Fragestellungen als Titel hat, die eben gerade nicht dasselbe bedeuten:

Welchem Staat gehören Sie an?

Was ist Ihre Staatsangehörigkeit?

  • Deutsch
  • Deutschland
  • Bundesrepublik Deutschland
  • Bundesrepublik des vereinigten D.
  • Deutsches Reich
  • Mir doch egal ... (was ich denke)

Abstimmen (Ergebnis anzeigen)

Zwei völlig verschiedene Fragen! Wer es nicht glaubt, geht auf die Seite des Auswärtigen Amtes und sieht dort mal nach: Bezeichnungen der Staaten und Staatsangehörigkeiten.

Also, wer meint, seine Staatsangehörigkeit sei „Deutschland“, der kann kein Deutsch. Richtig ist dagegen: die Staatsangehörigkeit ist deutsch, und das Land, dessen Staatsangehörigkeit man besitzt, ist Deutschland.

  • Frage: Die „KRRler“ behaupten, die Staatsangehörigkeit eines Deutschen müßte korrekt mit „Deutsches Reich“ bezeichnet werden, nicht mit „deutsch“, da es einen „Staat deutsch“ nicht gebe. Das ist doch Unsinn, oder?
  • Antwort: Für einen normaldenkenden Menschen ist dies in der Tat Unsinn. Die „KRRler“ nehmen es jedoch absolut ernst, ebenso wie das Zählen der Schwingen des Staatswappens (siehe hier). Diese Behauptung ist übrigens keine Erfindung der „KRRler“. Der von ihnen so hochgeschätzte Prof. Dr. Bracht hat bereits in einem Artikel im Jahre 1986 die Bezeichnung „deutsch“ im Reisepaß kritisiert, weil wir schließlich alle „Bürger des Deutschen Reiches“ seien. (...)

Zu soviel bracht'scher Dummheit muß man eigentlich nichts mehr sagen; der Mann war ja zu Lebzeiten ein Rechtsextremer, deswegen wurde er ja auch aus der CDU ausgeschlossen. Ein Hochstapler war er ebenfalls, allerdings kein Völkerrechtler, schon gar kein renommierter; er war nichts weiter als Professor für Öffentliches Recht und Wirtschaftsrecht an den Fachhochschulen Lemgo und Bielefeld. Von Völkerrecht keine Spur.

Wer sich ansonsten noch mit anderen Formen des Dummdeutschen befassen möchte, der wird bei den folgenden Autoren reichlich Lektüre und weitere Anregung finden:

Wie gesagt: man kann alles sagen. Das war die Botschaft. – Man kann es in verschiedenen Ausdrucksweisen sagen, man kann es mal so und mal anders sagen. Das bezieht sich also auf die Form, auf die Ausdrucksweise. Inhaltlich kann man natürlich nicht alles sagen, es sei denn, man will sich zum Gespött machen, wenn man Unsinn als Sinnhaltigkeit und Dummheit als Klugheit verkaufen möchte. Doch ganz egal, was man sagt: es sollte in einem einigermaßen guten Deutsch formuliert sein.

Leider scheint sich die Arbeits-Hypothese zu bewahrheiten, je reaktionärer revisionistische Geschichtsfälscher sind, desto schlechter sind ihre Deutschkenntnisse. Je brauner und faschistischer (Neo)-Nazis sind, desto schlimmer ist es bestellt um ihre Fähigkeiten, sich in ihrer deutschen Muttersprache auszudrücken. – Was eigentlich nicht verwundert: denn Revisionismus und Nationalsozialismus sind Ausdrucksformen von Dummheit, so wie auch – nebenbei angemerkt – der ihnen geistesverwandte Antisemitismus.

Aus gegebenem Anlaß: „Das Lied vom runden Tisch“, Hanns Dieter Hüsch, 1977

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • From the English Wikipedia: Europa and the Bull by Gustave Moreau, watercolour, c. 1869, public domain. Europa und der Stier
  • Hanns Dieter Hüsch, Mitte der 1980er-Jahre. Foto: Wilfried Wittkowsky = User Wittkowsky on de.wikipedia. Released under the GNU Free Documentation License

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Schlüsselwörter: Sprache | Sprachkultur | Sprachlogik | Sprachgefühl | Eckhard Henscheid | Bastian Sick | Chaim Levinson | Svende Merian | Cora Stephan | Nationalsozialismus | Reichsschrifttumskammer | KRR-Deppen
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Kommentare

266
am 29.05.2010 11:05:52 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Das Wort "Personalausweis" ist selbstverständlich völlig korrekt, wie der Blick in ein gutes Wörterbuch zeigt. Mit "Personal" im Sinne von "Dienstboten" oder "Angestellten" hat der Begriff gar nichts zu tun. Es heißt ja schließlich auch "Personalpronomen". Es stammt aus dem lateinischen "personalis" = zur Person gehörig, die Person betreffend, während das "Personal" im anderen Sinne (Mitarbeiter usw.) von lat. "persona" herrührt, nämlich "Diener".

Der andere Punkt: Gibt es denn tatsächlich Menschen, die auf die Frage "Was ist Ihre Staatsangehörigkeit" mit "Deutschland" antworten? Völlig absurd.
357
am 29.05.2010 12:17:49 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Diese Seite mit den herrlichen Variationen für "Dummdeutsch" habe ich mir gleich als Favorit gespeichert, das ist ja wirklich eine schöne Sammlung von Beispielen.

"Oberhalb der Kulminationspunkte forstwirtschaftlicher Bestände tendieren die Dezibelwerte gegen den Nullpunkt." Wink

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