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Wie ich persönlich Trolle erkenne? Nichts einfacher als das!

Don't feed trolls... (Part two)
23.08.2009 07:57:59 eingesandt von I. Mayer(Account gelöscht) für OnlineZeitung 24.de

Warnschild "Achtung Trolle"
Warnschild "Achtung Trolle"
Angeregt durch die Lektüre des Artikels über "Paradoxe Intervention" habe ich meinen angefangenen Entwurf für diesen Beitrag über Trolle neu bearbeitet. Denn die beiden Themen gehören eigentlich zusammen. Besonders hat mir dieser Gedanke hierbei gefallen:

"Gib ihm das, worauf er so geil ist. Aber gib ihm soviel davon, daß er sich daran verschluckt."

Wie man leicht erkennt, ist der Troll durch seine beständige Ausübung einer strukturellen Gewalt gekennzeichnet und dadurch zu erkennen: er will andere Menschen zwingen, sich mit ihm auseinanderzusetzen; der Troll ist ein "Stalker". Er legt ihnen seine Themen auf den Weg (meist ist es übrigens nur eins), sodaß sie andauernd drüber stolpern oder wenigstens drüberklettern oder drumherumlaufen müssen; der Troll ist ein "Mobber". Der Troll bringt sein Thema immer wieder an, obwohl es schon behandelt wurde, er fügt es zu jeder Diskussion hinzu, zu der es nicht paßt; der Troll ist ein "Spammer".

Trolle werden von vielen Menschen als lästig empfunden, und genau das macht ihnen Spaß. Es kitzelt ihr Machtgefühl. Wer sie als lästig empfindet, der zappelt schon an ihrer Angel. Wer sich dagegen über sie lustig macht, wer sie als lustig empfindet, der dreht ihnen eine Nase. Und dann werden sie böse. Was natürlich noch lustiger ist.

Andererseits muß man wissen (spielen wir zum Spaß ruhig einmal ein bißchen "Terrorversteher"): eigentlich ist der Troll nur auf der Suche nach Freunden. Er ist nämlich völlig vereinsamt, was bei seiner exzessiven Nutzung des Internet kein Wunder ist. Wer nur noch sein virtual life lebt, dem geht das real life verloren. Und weil er keine Freunde hat, und weil er destruktiv-aggressiv ist, verwendet er die Verhaltensweise des "trotzigen Kindes", um wenigstens negative Zuwendung zu bekommen - besser als gar keine, aus seiner (unreifen) Sicht.

Hier finden wir bereits drei Elemente, an denen man Trolle erkennt:

  1. Der Troll ist nicht belesen, hat keine breite Bildung und keine vielfältigen Interessen; er ist ein Fachidiot, ja nicht einmal das - der Fachidiot hat ja wenigstens noch vertieftes Wissen auf (nur) einem Gebiet, der Troll hingegen braucht lediglich die stupide Kraft, die er aus seiner eingebildeten Mission gewinnt. - Deswegen verweist er oft oder bezieht sich besonders gern auf ehemalige oder Pseudowissenschaftler (Matthes Haug, Ryke Geerd Hamer, "Neue Germanische Medizin"), auf Alibijuden (Uri Avnery, Noam Chomsky, Felicia Langer) oder auf verurteilte "Märtyrer" (Ernst Zündel, Frederick Töben, Horst Mahler).
  2. Da er keine Allgemeinbildung hat (und seiner Meinung nach ja auch nicht braucht), erkennt man den Troll recht schnell an der Beschränktheit seiner Themen: er hat nur eins, in ganz seltenen Fällen auch zwei oder drei. Das kann ein esoterisches Thema sein ("Atlantis" oder "Kemet" o.ä.), ein wirtschaftliches ("unternehmerische Existenz durch Finanzamt zerstört"), ein religiöses ("V2-Sekte" bzw. "KzM"), ein politisches ("OMF-BRD") oder ein gesellschaftliches ("Sexualschema"). Besonders beliebt ist derzeit der fake, es gäbe die Bundesrepublik Deutschland gar nicht oder auch, das Grundgesetz sei "ungültig" bzw. sei gar keine Verfassung. - Die Renner sind neuerdings offensichtlich "PRHL", "Juan Carlos Bresofsky-Chmelir" sowie das inflationäre spammen mit dem Begriff "Zitiergebot".
  3. Das nächste Erkennungsmerkmal eines Trolls ist der Umstand, daß er es nicht akzeptiert und auch nicht respektiert, wenn sich jemand aus einer anfänglichen Diskussion zurückzieht. Er will ihn zwingen, sich weiter mit dem vom Troll vorgegebenen Thema zu befassen, und vor allem will er ihn zwingen, seine "rolligen" Prämissen ebenso wie seine "drolligen" Schlußfolgerungen zu übernehmen. Dafür gibt der Troll diese als "rational" oder "objektiv" aus, notfalls argumentiert er dann auch über "Meinungsfreiheit" oder eine ominöse Gruppe, die bestimmte "Erkenntnisse" habe. - Hier zeigt sich übrigens eine gewisse Nähe zwischen Trollen und Verschwörungstheoretikern.

"Bergtroll" / Wiki (public domain)
"Bergtroll" / Wiki (public domain)
Weitere Erkennungsmerkmale liegen eher auf technischer Ebene und haben mit den sogannnten tags (Schlüsselwörter)zu tun, mit denen Suchmaschinen ihre Einträge gewichten und sortieren. Wenn man einen üblichen Suchbegriff eingibt und die Suchmaschine die Ergebnisse darstellt, so findet man in aller Regel mehrheitlich seriöse Seiten von real existierenden Firmen oder Institutionen, gibt man einen drolligen Begriff eines rolligen Trolls ein, so erhält man fast ausschließlich Einträge aus obskuren Foren, aus ominösen "Presseportalen", aus selbstreferentiellen Querverweisen (manche Trolle haben eigens für diesen Zweck Dutzende von Web-Präsenzen eingerichtet, auf die sie voller Stolz immer wieder hinweisen, die sie gar öffentlich auflisten, wie bei KzM z.B. und von denen aus sie sich selbst bzw. gegenseitig "bookmarken" und "pushen").

Man kann das leicht anschaulich demonstriert bekommen, indem man einmal

  1. den Begriff "omf-brd" oder "Bresofsky-Chmelir"oder auch "Winfried Sobottka" und dann zum Kontrast
  2. den Begriff "Zitiergebot" oder auch "Grundgesetz"
in eine Suchmaschine eingibt. Im ersten Fall bekommt man gefakte Suchmaschinen-Ergebnisse ohne ernstzunehmende Quellen, im zweiten Fall kamen die Spammer und Trolle nicht gegen die seriösen Quellen an, dafür reicht ihre Kraft nicht.

Kurz und gut: die Quellen, die man in Suchmaschinen angeboten bekommt, sollte man hinsichtlich Qualität und Quantität prüfen. Denn Trolle schreiben "simultan parallel", das bedeutet, sie nutzen jede kostenlose Plattform, um ihren Müll zu verbreiten, wodurch sie im Rang der Suchmaschine steigen, innerhalb weniger Stunden. Kommen bei bestimmten Begriffen keine seriösen Quellen und ernsthafte, objektive Referenzen, dann ist man dem Troll bereits auf der Spur.

Und in einer echten Diskussion zeigt sich recht schnell: ein Diskussionspartner, der ehrlich an einem persönlichen Austausch zu einem sachlichen Thema interessiert ist, respektiert andere Standpunkte und auch Grenzen; irgendwann ist eine Diskussion am Ende, weil alles gesagt ist. Der Troll dagegen beginnt jedesmal von neuem, so wie er auch denselben Artikel über "Bresofsky-Chmelir" oder das wegen angeblicher Verletzung des "Zitiergebots" angeblich ungültige Gesetz immer wieder neu veröffentlicht.

Die Beispiele sind benannt. Letztlich ist es auch in der Verantwortung der Forenbetreiber usw., im Sinn eines akiven Qualitätsmanagements die ermüdenden ewiggleichen Wiederholungen der Trolle zu entfernen (Kommentare) oder erst gar nicht zu veröffentlichen (Beiträge). Bei SPIEGEL, FOCUS oder STERN hat man das längst erkannt, deswegen findet man dort solche Beiträge auch kaum. Und da Trolle "ubiquitär" sind, also überall anzutreffen, so wie bekanntlich auch Schimmelpilzsporen, kann man abschließend durchaus eine Analogie aus dem Bereich Hygiene wählen: obwohl wir wissen, daß Bakterien, Sporen, Viren und Milben nicht auszurotten sind, auch nicht Staub und Dreck, putzen wir dennoch. Wir putzen den Dreck weg, obwohl wir wissen, daß er wiederkommt. Bei Trollen ist die Prognose sogar noch optimistischer: würde man richtig putzen, würden sie sich die Flächen und Räume suchen, wo man sie länger hinnimmt oder einfach duldet. Man muß sich einfach nur entscheiden, und ich habe mich entschieden: ich weiß, wie ich Trolle erkenne, und ich weiß, wie ich sie mir vom Leib halte.

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