
Mal ein ganz harmloses Beispiel: jeder weiß, was eine Steigerung ist: dumm, dümmer, am dümmsten. Das ist nicht schwer. die Grundform ("Simplex") ist "dumm", die Steigerung ("Komparativ") dann logischerweise "dümmer", und die höchste Steigerung ("Superlativ"), danach kommt nichts mehr, ist dann "am dümmsten". Dümmer geht's sozusagen nimmer! Sollte jeder wissen, denkt man. Doch weit gefehlt! Denn es gibt ja zusammengesetzte Wörter wie "naheliegend" oder "meistgespielter" Musiktitel... - und jetzt geht's erst richtig los. Vor ein paar Tagen hörte ich einen TV-Journalisten in einer Sendung sagen, ein bestimmter Künstler sei
Ooops! Was ist das? Ein Super-Superlativ? Gespielt, gespielter, am gespieltesten? So wie "naheliegend", "naheliegender", "am naheliegendsten"? Quatsch. Mehr liegen als liegen geht nicht, es heißt natürlich naheliegend, näherliegend, nächstliegend. Und man kann "verspielter" sein, nicht aber "gespielter"... Jener "Journalist" wollte also sagen, derjenige sei ein besonders oft oder der am häufigsten gespielte Schlagersänger...
Kommen wir aber zum Wesentlichen. Neben all diesem Dummdeutsch versucht man uns Wörter beizubringen wie "freigesetzt" für arbeitslos, "Humankapital" für abhängig beschäftigte Menschen oder andere solcher mentalen Flatulenzen... Hier beginnt aber bereits die Frage der politischen Korrektheit. Darf man das N-Wort sagen? Nein, natürlich nicht. Das hieß politisch korrekt in den 70ern und 80ern "Farbiger" (verpönt war "Schwarzer"), nun ist es umgekehrt: als rassistisch verpönt gilt "Farbiger", nun heißt es politisch korrekt bzw. gutmenschlich statt dessen "Schwarzer". Vermutlich auch dann, wenn der "Schwarze" eher braun, mokkafarben oder milchkaffefarben ist? Ein schwieriges Thema, fürwahr! Die Berufsvertretungen von "Prostituierten" nennen sich zwar selber "Huren", aber sowohl "Nutte" als auch "Hure" gelten als Schimpfwort, wie gut, daß unsere holländischen Nachbarn (Autoverhuur = Autovermietung) das nicht wissen...
Auch in Deutschland kennt man sich ja mit Tabuwörtern aus, früher war "Ossi" erlaubt, Otto Waalkes sei Dank. Dann aber kam der Fall der Mauer, und die ehemaligen "Brüdern und Schwestern in der Zone" wandelten sich zu "Ossis", die sich sprachlich dann an den "Wessis" rächten. Die Ossis(1) (Niedersachsen) und die Ossis(2) (FNL) mußte man natürlich streng unterscheiden von den "Ötzis" (Österreichern) und von den "Aussis" (Australiern); alles sehr interessant, doch es bringt uns nicht weiter in der Frage, was ist erlaubt, was nicht? Und vor allem: wer legt das fest?
Den Ausdruck "Kameltreiber" z.B. sollte man nicht verwenden, obwohl das einen ehrbaren Ausbildungsberuf meint, auch das Wort "Paki" wird eher als negativ konnotiert, weswegen sich ein Mitglied des britischen Königshauses ja einmal entschuldigen mußte. Dagegen ist das Wort Jude im Deutschen kein Schimpfwort (jedenfalls nicht aus jüdischer Sicht!), wenngleich sich in Polen und Rußland besonders gern Parlamentarier, die keine Juden sind, gegenseitig als "Juden" beschimpfen, es ist schon kompliziert.
Bleiben wir im Mittleren Osten! Darf ich einen Perser (der "farsi" spricht) "Perser" nennen? Oder ist es beleidigend, weil es mit "Perverser" verwechselt werden könnte? Und darf ich "Konstantinopel" sagen? Oder noch lieber "Byzanz"? Gefällt mir einfach besser als "Istambul", daher bleibe ich ja auch bei "Bombay", auch wenn es neuerdings politisch korrekt "Mumbay" heißt. Bei Ceylon bleibe ich übrigens auch, schon wegen des Tees; mit "Sri Lanka" kann ich einfach nichts verbinden.
Soweit, so gut. Nun heißen bekanntlich die jüdischen Palästinenser "Israelis", obwohl es natürlich auch einige wenige christliche und mohammedanische Israelis gibt. Apropos, natürlich kann man Mohammedaner sagen, man sagt ja auch "Christen", beides bezeichnet die Anhänger von "Religionsstiftern". Wenn ich nun aber "Israelis" sagen kann, darf ich dann auch "Pallis" sagen? Oder ist das so "rassistisch" wie Ossi, Schweini oder Schumi?
Ehrlich, ich weiß es nicht. Morgen ist sowieso wieder alles anders. Ich mache das einfach so: ich sage, was ich denke. Und ich meine es so, wie ich es sage. Bei anderen mache ich es so: ich höre, was Du sagst. Und ich denke mir, was ich will.
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