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Internet: Rund ums InternetPlonk!

Trolle nicht füttern
Je nach Perspektive des Betrachters und je nach Situation trifft mal das eine zu, mal das andere. Denn die Menschen, die das Internet nutzen und sich in Foren austauschen oder über Texte anderer diskutieren, haben ja auch jeweils völlig unterschiedliche Ansprüche und Ziele, was den einen noch belustigt, stört den anderen bereits, das gilt auch für die Wahrnehmung von Trollen durch andere.
Das Problem, hierüber zu befinden, liegt zunächst darin, daß der Begriff oft nur ein "Kampfbegriff" ist, mit dem man dem jeweils anderen ans Schienbein treten möchte; man erlebt es immer wieder, daß Kontrahenten sich gern gegenseitig mit dem Etikett "Du bist ein Troll" belegen, worauf die naheliegende Antwort kommt "Nein, Du bist ein Troll!!!" - eine "Argumentations"-Struktur, die man von kleinen Kindern kennt und aus der wir als erste Erkenntnis ableiten können: verlaß Dich nicht auf die Aussagen und Meinungen anderer, bilde Dir selbst seine Meinung! Und für den Fall, daß man selbst als "Troll" bezeichnet wird, ist es daher sicher sinnvoll, weder "Gegenbeweise" noch "Rechtfertigungen" zu liefern, sondern das einfach stillschweigend zu übergehen; man kann dazu nicht wirklich Hilfreiches sagen als Partei. Das war die zweite Erkenntnis: Steig aus dem Spiel aus, wenn Du nicht spielen willst. Oder spiel Fußball, wenn Dich jemand gegen Deinen Willen zum Tennis nötigen will.
Die Zuschreibungen anderer untereinander und vor allem gegeneinander sind also keine Hilfe, zumal der Begriff "Troll" im Internet nicht ganz einfach zuzuordnen ist; wo genau ist denn die Grenze zwischen jemandem, der ein bestimmtes Thema mit viel Energie (die sogenannten "Herzblut"-Themen) bearbeitet und immer wieder gern darüber kommuniziert - und jemandem der sozusagen kultur-imperialistisch die rhetorische und geistige "Herrschaft" über ein Forum oder eine Diskussionsplattform an sich reißen will? Der zu jedem anderen Thema in Diskussionen "sein Thema" immer wieder einbringt, auch unpassenderweise, so wie ein Hund an jedem Pfosten, an jedem Baum und an jedem Laternenpfahl sein Beinchen hebt, um sein Revier zu markieren, auch wenn die Blase keinen Tropfen Inhalt mehr hat. Markieren Trolle also durch Pfostenpinkeln ihr Revier?
Ja und nein. Manche sind vielleicht krank oder seelisch gestört, wie so oft kann man daher auch hier fragen: ist es Bosheit oder Dummheit oder Krankheit? Mehrfachnennungen sind natürlich möglich. Halten wir einfach mal fest:
- Es ist schwer, anderen Mitdiskutanten objektiv das "trollen" nachzuweisen und
- es sinnlos, über Indizien für subjektiv als solches empfundene Troll-Verhalten in einer Meta-Diskussion zu kommunizieren.
Keine Sorge, man kann hier "gut" und "böse" durchaus voneinander unterscheiden. Doch vorweg muß gesagt werden, daß der Artikel von Wikipedia z.B. das Problem nur ungenügend erfaßt:
Ziel eines Trolls ist es, Diskussionen auszulösen, nur um zu diskutieren, Menschen mit anderer Meinung zu diskreditieren oder eine Diskussion zu sabotieren, indem er eine unangenehme Atmosphäre schafft. Dabei muss der Troll nicht wirklich am Thema interessiert sein, sondern möchte Reaktionen provozieren, beispielsweise wütende Antworten, auch bekannt unter der englischen Bezeichnung Flames. Hierbei werden gerne die Diskussionsmethoden der Rabulistik und der Eristik angewandt.
Während einige bei derartigen Beiträgen vor allem den Wunsch zur Störung sehen, sehen manche Trolle sich selbst als Warnende, die auf gekonnt subtile bis provokante Art auf Missstände hinweisen und etwa ein Forum vor der Übermacht einer einseitigen Meinung bewahren.
Umgang - Verhalten als Foren-Teilnehmer
Manchmal wird den Trollen auch ein z. B. durch ASCII-Art ausgedrückter Fisch hingeworfen (z. B. ein roter Hering) oder ihnen werden virtuelle Kekse gereicht; man unterstreicht damit die Wertlosigkeit, die der Leser dem Beitrag zumisst.
<°)))o><
Der letzte Punkt kann auch als innerer Widerspruch verstanden werden, denn wenn ich Trolle nicht füttern soll, bekommen sie von mir sicher keinen Fisch zugeworfen, nicht? Außerdem sind im Wikipedia-Text leider einige Tautologien enthalten: was soll es denn zum Beispiel bedeuten, daß Trolle "eine unangenehme Atmosphäre schaffen"? Ab wann ist denn eine Atmosphäre unangenehm? Für manche Diskussionsteilnehmer gelegentlich bereits dann, wenn jemand eine andere Meinung als sie selber vertritt. Damit kommt man also nicht weiter. Auch "das Diskutieren um des Diskutierens willen" ist kein echtes Erkennungszeichen. Denn nur weil jemand mit hartnäckiger Deutlichkeit in einer Diskussion seinen Standpunkt verteidigt, ist er noch lange kein "Troll". Es kommt eben immer drauf an. Doch worauf genau kommt es eigentlich an?
Es kommt einzig und allein darauf an, wie ich etwas für mich empfinde, und daraus ziehe ich die Konsequenzen, die mir genehm sind, denn ich bin ja niemandem Rechenschaft schuldig in diesem Punkt. Wenn es keine objektiven Maßstäbe und keine sinnvolle öffentliche Diskussion über Trolle geben kann, dann bleiben die subjektiven Maßstäbe: ich entscheide es kraft souveräner Willkür nach meinen Maßstäben, nach meinem Empfinden, das dauert wenige Minuten und wenige Texte oder Themen derjenigen, um zu entscheiden, was und wen ich gar nicht mehr lese zukünftig. Denn das Leben ist zu kurz, um schlechte Texte zu lesen! Es ist zu kostbar, um sich ständig mit dem Müll von Trollen zu befassen...
Ich bin als Diskutant weder gezwungen, jede Frage zu beantworten, noch muß ich mich dazu verleiten lassen, jeden Seitenhieb zu kommentieren; ich muß weder mit jemandem kommunizieren, den ich für mich als Troll einordne, noch muß ich darauf eingehen, wenn mir jemand entsprechende Vorwürfe macht. Denn ich kann es doch so machen, wie Abraham es mit Lot gemacht hat, bevor persönlicher Streit zwischen den beiden entstehen konnte:
Da sprach Abraham zu Lot: "Lass doch kein Streit sein zwischen mir und Dir und zwischen meinen Hirten und Deinen Hirten! Wir sind doch Brüder! Steht Dir nicht das ganze Land offen? Trenne Dich doch von mir! Willst Du nach links, dann gehe ich nach rechts; und willst Du nach rechts, gehe ich nach links." Genesis Kap. 13
Man kann sich also einfach aus dem Weg gehen oder jemanden übersehen oder einfach mal die Straßenseite wechseln. Niemand ist zu irgendetwas gezwungen. Was man dann aber ironisch kommentieren möchte, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt...
Meine Zehn-Anti-Troll-Gebote zusammengefaßt:
- Gebrauche stets Deinen Kopf und nimm Deine eigenen Maßstäbe!
- Wenn Du nicht mit jemandem reden kannst, dann rede über ihn! Falls es Dir wichtig ist...
- Du sollst nicht auf andere hören!
- Du sollst Dich nicht rechtfertigen!
- Du sollst Dich nicht provozieren lassen!
- Du sollst Dich nicht rhetorisch kanalisieren lassen!
- Du sollst nicht das Thema "Troll" öffentlich diskutieren!
- Du sollst nicht argumentieren zum Thema "Troll", weder um Dich reinzuwaschen noch um andere zu beschmutzen!
- Du sollst nicht Deine Zeit und Deine Energie verschwenden; Du sollst nicht sinnlos kommunizieren, sondern auf (D)ein Ziel hin...
- Du sollst nicht mit Trollen diskutieren, don't feed trolls!
Nächste Woche folgt: *)
Don't feed trolls... (Part two)
*) An einer etwaigen Diskussion kann ich mich derzeit nicht beteiligen, da ich für eine Woche verreise, ohne Internet!
Bildquelle: "Don't feed trolls!" ©Wikipedia/CCL/Attribution ShareAlike 2.0
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Kommentare

Du hältst Deinen Kommentar für einen "Diskussionsbeitrag"? - Ich nicht.
Aber möglicherweise hast Du Dich angesprochen oder entlarvt gefühlt? Das würde natürlich einiges erklären...
Sieh mal. Sowohl "Martina" als auch der falsche pater als auch Du, Ihr seid für mich(!) Trolle. Und daher spiele ich mit Euch. Ich schreibe es aber niemandem vor, wenn er Ecuh ganz energiegeladen ganz toll finden will, dann kann ich damit leben. Meine Maßstäbe bleiben meine Maßstäbe, so habe ich I. Mayer verstanden.
"Welch ein Unsinn! Hier wird der "Turmbau zu Babel" gepredigt!"
Ich verstehe nicht, was Sie damit sagen möchten. Vorab von mir nur soviel dazu: ich bin kein Prediger.
Ich schrieb unter "Punkt 1. Gebrauche stets Deinen Kopf und nimm Deine eigenen Maßstäbe!", worauf Herr W.S. meinte einwenden zu müssen:
Nun, dieser Einwand ist natürlich etwas sinnfrei; denn erstens habe ich mich nicht gegen allgemeingültige Maßstäbe gewandt (Inzestverbot, Gewaltmonopol des Staates, um nur einige wenige zu nennen), und zweitens habe ich hier ausschließlich in Bezug auf die Erkennung von "Trollen" das Hohe Lied der Subjektivität gesungen: jeder möge das nämlich für sich selbst entscheiden.
Wer mich z.B. als "Troll" klassifiziert, dem bin ich nicht bös, soll er doch. Ich habe mich nur gegen eine quasiobjektive Verbindlichkeit gewandt, mehr nicht. Aber wenn wir schon dabei sind, für mich ist Herr Sobottka der klassische "Troll". Wer das anders sehen will, darf das.
Unter 2. schrieb ich "Wenn Du nicht mit jemandem reden kannst, dann rede über ihn! Falls es Dir wichtig ist..."
Zunächst einmal war da eine Einschränkung: "wenn es Dir wichtig ist". Betonung, je nach Geschmack, auf "wenn" oder auf "Dir" oder auf "wichtig". Der Mensch ist autonom, er trifft eigene Entscheidungen. Zu manchen Ereignissen oder zu manchen Personen schweigt man u.U. auch einfach, das steht im Belieben jedes Einzelnen. Aber wenn man mit jemandem nicht reden kann (dazu gleich) und(!) es einem wichtig ist, aus welchem Grund auch immer, etwas nicht einfach stehen zu lassen, dann ist es doch eine Möglichkeit, das Thema weiter zu treiben, indem man die Position oder Aussage des anderen als Thema behandelt. Damit kann man Trolle ärgern, und das ist doch manchmal auch ganz nett passend hierzu fand ich diesen Gedanken).
Ist das diffamieren? Wohl kaum. Man nimmt das Thema des Trolls ernst, vielleicht ernster als er selber, aber man akzeptiert ihn nicht als Gesprächspartner. Mit manchen Menschen lehne ich jedes Gespräch ab, wo ist da ein Problem? Und mit wem ich spreche bzw. mit wem nicht, entscheide ganz allein ich, für mich.
Die heftige Reaktion des Kommentators jedoch läßt vermuten, daß er sich hier getroffen fühlte. Meine Aussage war jedoch ganz allgemein gehalten. Man entzieht dem Troll die Substanz, indem man ihm sein Thema weg- und es ernst nimmt. Ohne ihn einzubinden.
Gibt es das, daß man an einen Punkt kommt, an dem man erkennt, man kann nicht reden mit jemandem? Aber natürlich, sonst gäbe es keine Ehescheidungen. Aber auch ohne Eheprobleme kennt das jeder, der nicht die Augen vor den grundsätzlichen Problemen der Kommunikation verschließt: manchmal gibt es kein Gespräch mehr, auch das wird ganz subjektiv entschieden. Abbruch der Kommunikation ist da eine Lösung, und sicher nicht die schlechteste, andere greifen dann nämlich zu Gewalt (Mobbing, Terror), da ist der Abbruch der Kommunikation sicher besser. Auch hier sind Trolle empfindlich, sie brauchen den anderen ja unbedingt; entzieht er sich, müssen sie mit sich selber kommunizieren (was sie ja auch oft und gern tun, Stichwort "multiple Persönlichkeit"). Hier gibt es übrigens Strukturähnlichkeiten zu Mobbern, die auch ausschließlich durch Kommunikationsverweigerung gestoppt werden können.
Unter Punkt 3 meiner Regeln zum Umgang mit Trollen schrieb ich: "Du sollst nicht auf andere hören!"
Der mittlerweile bekannte Kommentator gibt nicht nur im Internet, sondern auch hier in solchen Kommentaren sehr viel von sich preis; wenn jemand selbst Autist ist, sollte er vorsichtig sein, dies bei anderen zu diagnostizieren. Wenn man einmal sehen möchte, wie dieser Anarchist arbeitet und womit er sich beschäftigt, gibt einfach den Namen des Betreibers dieser Onlinezeitung in eine Suchmaschine ein und klickt auf Bildersuche - erstaunlicherweise findet man dann den Anarchisten als erstes Bild.
Der Anarchist meint also
Was meinte also meine persönliche Regel "Du sollst nicht auf andere hören!" konkret? Es war das Lob des Subjektiven, der Aufruf zum Mut zur persönlichen Entscheidung. Man sollte sich nicht vor fremde Karren spannen lassen. Wenn ich jemanden als Troll klassifiziere, dann darf ich mich mit anderen zusammentun, die das auch so sehen. Aber ich brauche keine Nachhilfe, wen ich als Troll anzusehen habe und wen nicht. Das war gemeint.
Manche Trolle haben übrigens Geschwüre, manche Geschwüre wirken jedoch drollig.



Den eigenen Kopf sollte man immer gebrauchen, aber was heißt eigene Maßstäbe? Wenn zweie andere Maßstäbe haben (der eine findet es unerhört, Kinder zu quälen, der andere findet das klasse), dann kann man nicht diskutieren. Man kann nur diskutieren, wenn grundlegende Maßstäbe von allen anerkannt werden.
2. Wenn Du nicht mit jemandem reden kannst, dann rede über ihn! Falls es Dir wichtig ist...
Das soll wohl heißen: Wenn Du den Sachargumenten nicht gewachsen bist, dann fange an, den anderen zu diffamieren. Oder was soll sonst gemeint sein?
3. Du sollst nicht auf andere hören!
Offenbar wünscht der Autor sich eine Welt von Authisten. Natürlich sollte niemand unbegründete Ansichten von anderen übernehmen, aber wer sich selbst im Falle bester Argumente von anderen nichts sagen lässt, muss doch persönlich gestört sein!
4. Du sollst Dich nicht rechtfertigen!
Damit entfällt jede soziale Kontrolle und jede Irrtumskorrektur.
5. Du sollst Dich nicht provozieren lassen!
Die Provokation ist dann ein notwendiges Mittel, wenn jeman auf berechtigte Fragen nicht eingeht und treffende Argumente ignoriert.
6. Du sollst Dich nicht rhetorisch kanalisieren lassen!
Was soll das denn heißen? Die Vorgabe eines Totschlagsargumentes gegen alles? Motto: "Ich lasse mich von Dir doch nicht rhetorisch kanalisieren!"
7. Du sollst nicht das Thema "Troll" öffentlich diskutieren!
8. Du sollst nicht argumentieren zum Thema "Troll", weder um Dich reinzuwaschen noch um andere zu beschmutzen!
9. Du sollst nicht Deine Zeit und Deine Energie verschwenden; Du sollst nicht sinnlos kommunizieren, sondern auf (D)ein Ziel hin...
Wenn man den Punkten 1 bis 7 folgt, wird jede Diskusion sinnlos...
10. Du sollst nicht mit Trollen diskutieren, don't feed trolls!
Ein echter Gummiparagraph, da doch vorher erklärt wird, dass der Begriff "Troll" sich nicht fassen lasse...
Nach einem solchen Artikel sollte man der Diskussion über den Inhalt wirklich besser aus dem Wege gehen.... ("bin für eine Woche verreist"