Stimmzettel Bundestagswahl 2005
Alle Jahre wieder dieselbe Diskussion: haben wir eine Demokratie? Haben wir eine Verfassung? Sollen wir wählen? Müssen wir wählen? Dürfen wir wählen? Oder dürfen wir gerade nicht?
Es ist noch nicht so lange her, daß in Deutschland ein allgemeines Wahlrecht eingeführt wurde. Bismarck schenkte 1867 dem Norddeutschen Bund (einen Staat "Deutschland" gab es seinerzeit ja noch nicht) das allgemeine Wahlrecht... - allerdings nur für Männer und nur mit der Absicht, die Liberalen zu schwächen. Eine Rechnung, die nicht ganz aufging, sehr zur Freude der dadurch erst groß gewordenen Sozialdemokratie. Erst 1919 wurde dann das Dreiklassenwahlrecht abgeschafft und das Frauenwahlrecht eingeführt, was den Haß der Konservativen gegen die Weimarer Verfassung natürlich beflügelte.
Zur parlamentarischen Demokratie in Deutschland kann man stehen wie man will; daß das System Fehler hat und daß diese Fehler insbesondere von den Parteien ausgenutzt werden, haben seriöse Kritiker wie Hans Herbert von Arnim ausreichend dargelegt. Unseriöse rechtsradikale Spinner und die, die hier nur ihr paranoides Süppchen kochen wollen, sollte man erst gar nicht so ernst nehmen. Für diejenigen schließlich, die diesen Staat mit Gewalt ändern wollen, haben wir ja dann den Verfassungsschutz; dessen Berichte kann man sich übrigens kostenlos ins Haus liefern lassen - meinen erhielt ich letzte Woche per Post.
Es geht - vor der Frage "welche Partei und welche Person wähle ich?" - zunächst um die Frage: Soll man an einer Wahl überhaupt teilnehmen? Und hierzu gibt es ganz interessante Ansichten. Vom überzeugten Gewerkschafter, der seit Generationen immer nur die SPD als wählbar angesehen hat über die Rentnerin, die gemäß der Anweisung ihres Oberhirten aus Rom selbstverständlich eine "C"-Partei favorisiert bis hin zur Feministin, die sich am besten bei den GRÜNEN aufgehoben sieht, nicht zu vergessen die Maoisten, Anarchisten, Syndikalisten und andere Chaotiker... - alle haben ihre eigenen Gründe, dieses oder jenes Programm für "richtig" zu halten und haben ihre eigene Strategie, ihre Überzeugung in die Tat umzusetzen. Also ist es ausgesprochen interessant, sich mit den Menschen darüber zu unterhalten. Ganz Ausgefuchste jonglieren natürlich mit Erst- und Zweitstimme wie bei einer Pokerrunde und finden auch gar nichts dabei, z.B. bei einer Kommunalwahl ganz links zu wählen, bei der Europawahl eher konservativ, und bei der Bundestagswahl einer Kleinpartei die Stimme zu geben (oder umgekehrt, das soll keine Empfehlung, sondern nur ein Beispiel sein).
Bundeswahlleiter
Pressemitteilung
WIESBADEN - Bis zum Ablauf der Einreichungsfrist am Montag, dem 29. Juni 2009, 24.00 Uhr, haben 49 Parteien und politische Vereinigungen dem Bundeswahlleiter angezeigt, dass sie sich an der Bundestagswahl 2009 beteiligen wollen. Wie der Bundeswahlleiter weiter mitteilt, ist dies für die meisten Parteien und politischen Vereinigungen Voraussetzung für die Teilnahme an der Bundestagswahl. Nur Parteien, die im Deutschen Bundestag oder in einem Landtag seit deren letzter Wahl aufgrund eigener Wahlvorschläge ununterbrochen mit mindestens fünf Abgeordneten vertreten sind, können ihre Wahlvorschläge direkt einreichen. Alle übrigen Parteien und politischen Vereinigungen müssen zuvor dem Bundeswahlleiter ihre Beteiligung schriftlich anzeigen. Anschließend muss sie der Bundeswahlausschuss in seiner ersten Sitzung zur Bundestagswahl am 17. Juli 2009 als Parteien anerkennen.
Im Einzelnen haben folgende Parteien und politischen Vereinigungen ihre Beteiligungsanzeige beim Bundeswahlleiter eingereicht (Reihenfolge nach Eingang):
- BPD Bürger Partei Deutschland
- FAMILIE Familien-Partei Deutschlands
- DIE VIOLETTEN Die Violetten; für spirituelle Politik
- CM CHRISTLICHE MITTE Für ein Deutschland nach GOTTES Geboten
- PBC Partei Bibeltreuer Christen
- APPD Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands
- BP Bayernpartei
- PIRATEN Piratenpartei Deutschland
- HUMANWIRTSCHAFT HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI
- PASS Partei der Arbeitswilligen und Sozial Schwachen Antidiskriminierungsverband
- HEIDE Heimat Deutschland
- Die PARTEI Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative
- ödp Ökologisch-Demokratische Partei
- PSG Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale
- DIE GRAUEN DIE GRAUEN Generationspartei
- ÜPD ÜberPartei Deutschlands
- Volksabstimmung Ab jetzt Bündnis für Deutschland, für Demokratie durch Volksabstimmung
- DKP Deutsche Kommunistische Partei
- Pi Partei-Interim
- RENTNER Rentner-Partei-Deutschland
- DIE FREIEN Deutschlands FREIE WÄHLER
- Die Tierschutzpartei Mensch Umwelt Tierschutz
- RRP Rentnerinnen und Rentner Partei
- REP DIE REPUBLIKANER
- DD DEMOKRATIE-DD-DEUTSCHLAND
- ADM Allianz der Mitte
- AVR Auch wir sind das Volk: Die Rentner
- BüSo Bürgerrechtsbewegung Solidarität
- D-BÜ Demokratische Bürgerbewegung!
- BDG Bündnis der Generationen
- ESBAP Europäische Soziale Bürger Arbeiter Partei
- FWD Freie Wähler Deutschland
- ZENTRUM Deutsche Zentrumspartei Älteste Partei Deutschlands gegründet 1870
- BPA BPA-Die Bürgerpartei für ALLE; Damit wir ALLE etwas bewegen! In Politik und Wirtschaft.
- GFP Global Future Party
- FW Freie Wähler Niedersachsen Bürgerinitiativen, Bürgerlisten und unabhängige Wählergemeinschaften
- DVD Demokratische Volkspartei Deutschland
- MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands
- SAG SOZIALE ALTERNATIVE FÜR GERECHTIGKEIT
- FBU FREIE BÜRGER UNION
- POP POGO-PARTEI
- TP Tempelhof-Partei Direkte Demokratie findet jetzt statt!
- PRSG Partei für Recht und Soziale Gerechtigkeit
- (keine Kurzbezeichnung) Freie Union
- FWG Die Freie FREIE WÄHLER GEMEINSCHAFT Unabhängige Gruppe Deutschland Partei Union Vereinigung
- RAUCHERPARTEI Raucherpartei Deutschland
- CDXL Center Demokraten; Wir sind das Volk Wir stehn im Mittelpunkt
- D.D.B.P. Deutsche Demokratische Bürger Partei
- ULPD Unabhängige Liberale Partei Deutschlands
Wer keine Wahl hat, hat die Qual (Quelle unbekannt
Diejenigen, die in der DDR aufgewachsen sind und dort Politik erlebt haben, wissen, was eine Wahl
pflicht bedeutet; natürlich hatte man keine Wahl bei diesen Wahlen, und viele meiner Freunde dort, die ich oft besucht habe, waren als Christen in einem ganz natürlichen Widerstand gegen den Stalinismus von Ulbricht, Honecker & Co, was bedeutete, daß sie die Wahl boykottierten (und ihre Kinder dafür zur Strafe nicht studieren durften... - Nein, von Pflicht zu reden ist sicher ein Irrweg; insofern machen sich diejenigen Parlamentarierer, die hier von Bußgeldern für Wahlverweigerer träumen, ausgesprochen lächerlich. Das wäre ja noch schöner, daß man per Bußgeld oder Zwangsgeld zu einem
Recht vergewaltigt würde; ein Recht ist ein Recht, wie der Begriff schon sagt.
Dieser Punkt scheint mir wichtig, denn als überzeugter Weltbürger und Europäer - in meiner Familie gibt es in den letzten vier Generationen immerhin 12 Staatsangehörigkeiten, davon 9 in Europa - lasse ich mich nicht zwingen, diesen von mir zwangsweise mitfinanzierten antidemokratischen Wahnsinn in Brüssel auch noch "abzusegnen"; nein, an einer "Europa-Wahl" habe ich noch nie teilgenommen, weil Europa in der Tat einerseits eine hochbezahlte Vorruhestandsregelung für drittklassige und in Deutschland abgehalfterte Politiker ist, und zum anderen eine Geldvernichtungsmaschine mit einer staatlichen Plan- und Zwangswirtschaft. Ein echter Europäer muß diesen Bürokratenwahn ablehnen, denn das wahre Europa ist kein Staat oder Staatenbund, sondern eine Idee, eine Kultur, ja sogar unsere Leitkultur (und wir werden sie noch brauchen, in unserer Abwehr der steinzeitlichen "Religion", die uns von innen verändern möchte in ihrem Missionswahn, und die nicht vor den Toren Wiens steht, sondern mittendrin ist).
Zurück zur Ausgangsfrage. "Wen oder was wähle ich?", das muß jeder mit sich selber ausmachen und vor sich selber verantworten. Aber ob man an einer Wahl in Deutschland teilnimmt, das hat neulich einer meiner Gesprächspartner ganz einfach auf den Punkt gebracht, indem er sagte: "Im Kampf für das allgemeine Wahlrecht haben Menschen ihr Leben gelassen, und es wäre eine Verhöhnung dieser Menschen, an einer Wahl nicht teilzunehmen. Wenn ich niemanden für wählbar halte, kann ich ja ungültig wählen."
Ich finde, besser kann man es nicht sagen. Und deswegen gehe ich natürlich zu allen Wahlen im "Super-Wahljahr 2009", mit Ausnahme der Europa-"Wahl" selbstverständlich.
- Bild 1: Christian Horvat, public domain)
- Bild 2: eigener scan einer Zeitschrift aus den 70er Jahren, Urheber unbekannt; evtl. Rechte-Inhaber mögen sich bitte melden
- Weitere lustige Bilder gibt es unter diesem link, wobei ich mich distanziere von den dort verbreiteteten politischen Inhalten