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Sonstiges: Kultur & Religion

Die "Zeugen Jehovas" aus religionswissenschaftlicher Sicht (5)

Warum man das Wort "Sekte" besser meiden sollte

Religiöse Symbole
Religiöse Symbole
Bevor die "Zeugen Jehovas" religionswissenschaftlich verortet werden, sollte man sich über den gerade für jene religiöse Gemeinschaft häufig benutzten Begriff "Sekte" einige Gedanken machen.

Der Begriff "Sekte" war in der historischen Entwicklung betrachtet zunächst - wie übrigens auch der Begriff "Häretiker" - nicht inhaltlich abwertend gemeint, sondern benannte innerhalb einer Religion ursprünglich lediglich eine Gruppe mit spezieller Auslegung, mit abweichenden Ritualen oder anders gewichteten Glaubensgrundsätzen.

Geschichte

In der Antike wurden als "Sekte" zunächst diejenigen bezeichnet, die den Anschauungen eines bestimmten Philosophen folgten. Die ersten Christen wurden als "Sekte der Nazarener", eine Richtung des Judentums bezeichnet.

Paulus verwendete das Wort hairesis, Streben, spätantik: philosophische Schule, Sekte, bzw. altgr. Verfehlung) in seinen Briefen für Spaltungen innerhalb der Gemeinde (z. B. 1 Ko 11,19). Diese Spaltungen wurden von ihm negativ bewertet, ohne dass er dabei einer bestimmten Richtung unter ihnen den Vorzug gab.

Doch im Zuge gruppeninterner Auseinandersetzungen um die Macht fließen bekanntlich bei solchen neutralen Begriffen recht schnell Wertungen ein, vor allem also - schon aus psychodynamischen Motiven heraus - Abwertungen. Insbesondere die katholische Kirche, die ja nicht nur das "Große Schisma" erlebte, sondern mit Johannes Calvin, Jan Hus, Martin Luther, Ulrich Zwingli oder Heinrich VIII. und dessen Anglikanischer Kirche weitere Abspaltungen hinnehmen mußte, ist bis in unsere Zeit geneigt, alle diese anderen christlichen Konfessionen als "Sekte" zu verunglimpfen. Insofern ein historisch belastetes Wort, die "Sekte", dessen negative Konnotation wir der Kirche in Rom zu verdanken haben. Bis heute durchgehend versteht sich der Katholizismus ja bemerkenswerterweise als die einzige wahre und die "alleinseligmachende" christliche Kirche, weswegen es Außenstehende besonders amüsiert, daß ihr diese Sichtweise ausgerechnet von einer Handvoll Abtrünniger selbst bestritten wird...

Christentum Entwicklung
Christentum Entwicklung
Generell läßt sich also sagen, daß durch die geschichtlichen Entwicklungen alle diese Wörter nicht nur wertend statt beschreibend sind, sondern im wesentlichen immer relativ sind, nämlich Ausdruck einer Beziehung, und daß damit in der Regel aus der Sicht einer Kirche (und einer durch sie beanspruchten Deutungs- und Auslegungshoheit) Abweichler bewertet werden... - ein Kampfbegriff also, den man besser vermeidet. Ähnliches gilt also für den Begriff "Sekte", der von lat. "sequi" (folgen) stammt. Von "Ketzer" zu sprechen verbietet sich religionswissenschaftlich ohnehin.

Wenn man also derlei Begriffe trotz aller Probleme nicht vermeiden will, sollte man sich klarmachen: so wie der Protestantismus als katholische "Sekte" entstand, so war auch das Christentum eigentlich eine jüdische Sekte. Immerhin war Jesus ein frommer Jude, ein Rabbi sogar, und erst der jüdische "Häretiker" Paulus hat theologisch eine eigenständige Religion um den "Auferstandenen" entwickelt.

Sekten-Katalog 1647
Sekten-Katalog 1647
  • Exkurs:

Nun zu den "Bibelforschern" bzw. "Zeugen Jehovas".

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die "Zeugen Jehovahs" Christen sind. Sie sind es ihrem Selbstverständnis nach und sie sind es objektiv.

Merkmale hierfür sind:

  • die Anerkennung der Bibel als Basis-Text (teilweise abweichende Übersetzung)
  • nach eigenem Verständnis Fortführung der apostolischen Tradition der urchristlichen Gemeinde
  • Taufe (Erwachsenentaufe, Ganzkörpertaufe)
  • Glaube an die baldige Wiederkehr Christi, an einen letzten Kampf Christi gegen Satan (Harmageddon), an ein letztes Weltgericht und an die Errichtung eines 1000jährigen Gottesreiches (Chiliasmus)
  • Feier eines der zentralen christlichen Feste ("Abendmahl") als "Gedächtnisfeier", zeitgleich mit dem jüdischen Pessach-Fest

Als ganz wesentlich Unterschiede zu den anderen christlichen Konfessionen, insbesondere in Bezug auf die katholische und evangelische Hauptströmung, lassen sich die beiden folgenden Punkte nennen:

  1. Die Ablehnung der Vorstellung, es gäbe eine "Hölle", und
  2. die Ablehnung der Trinität, also der Dreieinigkeit bzw. Dreifaltigkeit von "Gottvater", "Sohn" (= Christus) und "Heiligem Geist".
  3. Als wesentliche Differenz zum Katholizismus sind natürlich die Ablehnung der "Marienverehrung" und die fehlende "Heiligenverehrung" anzumerken.

Da das Dogma einer "Trinität" wohl zu den schwierigsten Themen der christlichen Theologie gehört, soll dieses hier inhaltlich nicht weiter vertieft werden. Wichtig ist diese Abgrenzung für die "Zeugen Jehovas" deshalb, weil die Trinität ansonsten in fast allen christlichen Konfessionen zentral, wenn nicht sogar konstitutiv ist.

Fazit:

Die "Zeugen Jehovahs" sind Christen, und zwar eine religiöse Sondergemeinschaft, zugehörig zur Gruppe der "Nichttrinitarier".

~ Fortsetzung folgt ~
Teil 5 von 10

  • Bisher sind zum Thema erschienen:

  • Da aufgrund der ersten Folgen dieser Reihe bereits einige persönliche Nachfragen an den Autor gerichtet wurden, scheint es zur Vermeidung von Mißverständnissen sinnvoll, auf folgende Umstände hinzuweisen:
  • der Autor ist kein Mitglied der "Zeugen Jehovas"
  • er steht zu den "Zeugen Jehovas" in keinerlei familiärer, privater oder geschäftlicher Beziehung
  • die Reihe gibt eine persönliche Sicht wieder, die auf den religionswissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnissen des Autors beruhen
  • der Autor ist scharfer Kritiker der aktuellen gesellschaftlichen Positionierungen und internen Verhaltensweisen der "Zeugen Jehovas", dies übrigens auf der Basis seiner wissenschaftlichen Qualifikation als
  • Philosoph und Religionswissenschaftler mit den thematischen Schwerpunkten Christentum, Islam und Buddhismus sowie dem systematischen Schwerpunkt "interreligiöser Dialog"
  • der Autor ist Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland
  • Bildnachweis:

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Schlüsselwörter: Zeugen Jehovas | Sekte | religiöse Gemeinschaft | Religionswissenschaft | Christentum | Abspaltungen | Ökumene | Bibel
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Kommentare

Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 10:54:24 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die "Zeugen Jehovahs" Christen sind. Sie sind es ihrem Selbstverständnis nach und sie sind es objektiv.


Das ist keine wissenschaftliche Aussage. Sie außerdem noch falsch. Zeugen Jehovas dienen nicht Christus, sondern einem Jehova. Jesus haben sie zu einem Ober-Zeugen-Jehovas reduziert. Wie wollen sie Christen sein, wenn Jesus nur einer von ihnen selbst ist?

Christsein ist und bleibt mit der Anbetung Jesu Christi verbunden.

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 14:52:02 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Wenn also unter dem Deckmantel der Wissenschaft jeder X-Beliebige ein Christ sein soll und wissenschaftlich als Christ bestätigt wird, nur weil er behauptet Christ zu sein, obwohl der das Gegenteil lehrt und glaubt, dann ist in meinen Augen nicht nur die Lehre Jesu dem llseits gewohnten Missbrauch unterworfen, sondern die Wissenschaft selbst lässt sich missbrauchen, indem sie vollmundig Behauptungen nur wiederholt, die gar keinen Prüfungsmerkmalen unterworfen sind. Das würde nichts anderes bedeuten, als eine auf Blindheit beruhende Qualitätssteigerung der Wissenschaft. Genial. Auf die Art können die Zeugen Jehovas bestimmt irgendwann beweisen, dass außer ihnen keiner Christ ist. Denn die Lehre zu prüfen, ist ja verboten. Man muss nur ganz viele Wissenschaftler stellen, die alle das selbe sagen.

Rüdiger Hentschel
250
am 16.09.2009 17:30:50 (93.215.139.xxx) Link Kommentar melden
Funktioniert Wissnschaft nicht generell so, hier die Zahlenden und dort die Lehrenden? Ich werde da persönlich immer mißtrauischer, denn es ist gut zu wissen, wer ist/sind die/der Zahlende-r/Zahlenden, und die Rückschlüsse sollte Jede-r selber dann ziehen...!
Rene
am 16.09.2009 22:14:17 (85.181.160.xxx) Link Kommentar melden
Hervorragend recherchiert und objektiv beschrieben.Da macht lesen im Internet wieder Freude.

Danke!
ProstNeujahr
am 21.09.2009 13:48:55 (92.72.205.xxx) Link Kommentar melden
Das soll ein Wissenschaftlicher Artikel sein? Wieviel haben Ihnen denn die von Ihnen angepriesenen Sekten bezahlt für Ihre Pseudowissenschaftliche Propaganda?
In der Schule hätte ich für so einen Artikel ne 6 bekommen. Weil unkritisches übernommener Werbemüll.
Der Begriff Sekte ist klar definiert, und die Zeugen Jehovas (auch die Mormonen) erfüllen diese Kriterien.
D.h. nicht, dass es schlechte Menschen sind.
Zudem "übersehen" sie etliche wichtige Punkte. Z.B. Bluttransfusionen, die abgelehnt werden. Wieviel tausend Jehovaisten daran krepieren ist ihnen egal? Und was ist mit den Kindern die geopfert werden? Weder Mormonen noch die Zeugen sind Christen, weil sie Christus ablehnen. Nach ihren eigenen Lehren.
Jaja, die Bibel lesen sie, aber nach Ihrer Theorie wären dann auch Juden und Moslems Christen.

Ansonsten finde ich sie peinlich. Ein Rettungsschwimmer der über einen Taxifahrer herzieht...

garbageman
Rüdiger Hentschel
am 21.09.2009 15:49:26 (217.84.138.xxx) Link Kommentar melden
Is klaaa, chaim. Schinken ist ja auch kein Fleisch! Da sind ja gar keine Beine dran!

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 21.09.2009 16:01:27 (217.84.138.xxx) Link Kommentar melden
Im Bezug auf deine "religionswissenschaftlichen Erkenntnisse" war dieser Vergleich sehr gut. Seit vielen Kommentaren wehrst du dich nur noch auf der persönlichen Beleidigungsebene. Meinst du nicht, dass die Leser das merken und sich merken? Wieviel Blamage willst du denn noch auf deinen Namen laden? Oder ist das gar nicht dein Name? Dann kannste ja ungehemmt weitermachen.

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 21.09.2009 16:48:12 (217.84.138.xxx) Link Kommentar melden
Pech gehabt, Taxikutscher!

Hiermit entschuldige ich mich bei allen Taxifahrern für das Verhalten des selbstbeweihräuchernden "Reilgionswissenschaftlers chaim".

Mir geht es in keinster Weise um die Definition des Wortes "Sekte". Mir geht es lediglich darum, dass deine Art der Religionswissenschaft gleich einem angeblichen Weinkenner ist, der nicht die Weine vergleicht, sondern nur die Etiketten sammelt und nie einen Wein probiert hat.

Auf dieser Ebene kann sich jeder jeden Titel ans Hemd tackern und wild im Internet hausieren gehen.

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 21.09.2009 17:30:43 (217.84.138.xxx) Link Kommentar melden
Dann bist du also religiöser Flaschenvergleicher? Das ist doch langweilig. Wer "Vergleichende Religionswissenschaft" liest oder hört, der erwartet doch gerade inhaltlich qualitative Informationen. Das bekommt er bei dir aber nicht. Bei dir geht nur die große Etikettenkuckerei ab.

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 21.09.2009 17:38:18 (217.84.138.xxx) Link Kommentar melden
Die anderen Angebote habe ich analysiert. Trinken muß ich sie dazu nicht.


Dann ist deine Wissenschaftlerei nichts anderes als "Sinnieren". Du bist der Ratgeber, der nie Schwierigkeiten hatte. Du bist der Helfer, der gar nicht erkennt, wann einer Hilfe braucht. Du bist ein reiner Worte-Wiederholer. Eine Art Glutamat ohne Geschmacksrichtung.

Richtig?
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