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Sonstiges: Kultur & Religion

Die Grundzüge der Religion der "Zeugen Jehovas" (3)

Selbstbild gegen Fremdbild? Besser sind nüchterne objektive Erkenntnisse!

Nähert man sich einer anderen Religion, so hat man mehrere Quellen, um das Fremde, das Unbekannte zunächst einmal kennenzulernen. Diese Quellen müssen gewichtet und interpretiert werden. Hilfreich ist speziell beim Thema Religion eine nüchterne, vorurteilsfreie Herangehensweise. Denn dem Neugierigen geht es bei dieser Be-Gegnung weniger um die Frage, wie er das finden soll, was er da betrachtet, sondern primär um die Frage, was das eigentlich ist, was er da betrachtet.

(c) Reg. Informationsdienst der "Zeugen Jehov
(c) Reg. Informationsdienst der "Zeugen Jehov
Eine Quelle, die immer vorhanden ist, die aber eben auch nur sehr vorsichtig genutzt werden sollte, sind die Selbstaussagen einer religiösen Gemeinschaft über sich selbst. Immerhin läßt sich mit dieser Quelle das Selbstbild der religiösen Gruppe recht schnell erfassen. Die zweite Quelle sind Aussagen anderer (also der "Gegner", der "Konkurrenten", der "Aussteiger") über die Gruppe; auch diese sind vom eigenen Standpunkt geprägt, sie sind also als subjektive Zeugnisse ebenfalls mit Vorsicht zu behandeln. Das dritte sind wissenschaftliche Fakten, objektive Merkmale, dokumentierte Handlungen oder Ereignisse und dergleichen mehr; doch auch hier wird man zu prüfen haben, inwieweit die beiden ersten Quellen die "wissenschaftliche Erkenntnis" beeinflußt haben.

Um es konkret zu machen, untersuchen wir einmal die Frage, ob "Jevohas Zeugen" zur christlichen Religion gehören.

  1. Selbstbild der "Zeugen Jehovas": "Wir sind Christen" (verschärft sogar zu: "wir sind die einzig wahren Christen")
  2. Fremdbild der anderen: aus Sicht der röm.-katholischen wie auch der evangelischen (Amts)Kirche: "das ist doch eine Sekte!"; übrigens halten derzeit 54% der US-Bürger die "Zeugen Jehovas" nicht für Christen!
  3. Religionswissenschaftlicher Befund: die "Zeugen Jehovas" glauben an "Jesus" als den "Christus", somit sind sie auch - ungeachtet interner Flügelkämpfe - als Christen zu betrachten.

Solch eine nüchterne Betrachtung, die hier nur als Beispiel für eine Herangehensweise dienen soll, wird übrigens auch dadurch begründet, daß es dieses Schützengraben-Denken innerhalb jeder Religion gibt: für den Papst gibt es keine evangelische "Kirche" (er nennt es nur "Gemeinschaft"), Schiiten und Sunniten machen sich gegenseitig die Nachfolge Mohammeds streitig, selbst unter Juden gibt es das Phänomen, daß der eine ("orthodoxe") dem anderen ("liberalen") erklärt, er sei ja gar kein "richtiger" Jude; ebenso grenzt sich der Jainismus stark vom Hinduismus ab.

Ohne eifernde Emotion, also getreu dem Leitsatz "sine ira et studio", wird die Erkenntnis leichter!

Hier also ganz objektiv die Grundzüge der Religion der "Zeugen Jehovas" in einer rein religionswissenschaftlichen Darstellung (die Kritiker und Gegner kommen an anderer Stelle zu Wort, das Selbstbild findet man unter den unten angegebenen Hinweisen).

Die "Zeugen Jehovas" sind

  • eine Sondergemeinschaft von Christen, die sich historisch entwickelt hat (ab ca. 1870) aus der (evangelischen) Gemeinschaft der "Presbyterianer"
  • als Gründer gilt Charles Taze Russell
  • eines seiner Motive war die Bibellese im Freundeskreis, weil er der kirchlichen Lehre von der "Hölle" kritisch gegenüberstand
  • speziell kennzeichnend ist die Auffassung, das Ende der Welt stehe kurz bevor ("Harmaggedon")

Bestimmend für den Glauben der "Zeugen Jehovas" sind folgende theologische Grundannahmen:

  • angebetet wird allein "Jehovah" als "allmächtiger und ewiger Gott"; die Trinitätslehre (Vater, Sohn und Heiliger Geist) wird strikt abgelehnt
  • "Jesus Christus" gilt als das ersterschaffene Geschöpf "Jehovas", ist jedoch nicht selbst Gott, sondern eine Art Mittler, Fürsprecher
  • das Kreuz als Symbol wird abgelehnt
  • die Erwachsenentaufe wird praktiziert, Kindestaufe wird abgelehnt
  • ausgeprägte Missionstätigkeit
  • Feste wie Ostern oder Weihnachten (und auch Geburtstage!) gelten als "heidnisch" und werden nicht gefeiert
  • die Ökumene wird abgelehnt, da die anderen christlichen Kirchen eine falsche Lehre verbreiten
  • es gibt keine unsterbliche Seele, sondern die Unsterblichkeit bekommen die "Erwählten" im kommenden "Himmlischen Reich" als Geschenk bzw. Verdienst
  • Jesus wurde zur Erlösung für alle Menschen von Gott (seinem "Vater") geopfert (vgl. Abraham, Isaak)
  • damit ist Jesus der Erlöser (Heiland, christos, Messias), der Christus
  • die Wiederkunft Christi erfolgt zunächst "unsichtbar", um seine Jünger (z.B. die "Zeugen Jehovas") zu sammeln
  • durch die Wiederkunft Christi wird das "Tausendjährige Reich" errichtet (Chiliasmus)
  • es gibt zwei Gruppen von Christen. (1) die 144.000 (vgl. Apokalypse des Johannes), die in den "Himmel" kommen und dort mit Jesus die himmlische Regierung bilden, und (2) diejenigen, die im neuerrichteten Paradies auf der (erneuerten) Erde(!) "ewig" leben
  • die Evolutionstheorie wird abgelehnt, da die Erde eine "Schöpfung" ist (vgl. Alte-Erde-Kreationisten)

Zusammenfassung der religiösen Positionierung: die "Zeugen Jehovas" sind eine christliche Sondergemeinschaft, die stark auf das "Jenseits" orientiert ist, einen ausgeprägten Auserwähltheitsgedanken zum Inhalt hat und eine starke Abgrenzung zum "Staat" und zur "Welt" fordert. - Der Begriff "Sekte" verbietet sich übrigens von allein, da er einen Kampfbegriff einer religiösen Gruppe gegenüber einer anderen darstellt.

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Wer einmal die "Zeugen Jehovahs" singen hören möchte, hier ein paar Werbefilmchen:

YouTube Video

YouTube Video

Quellen (Selbstbeschreibungen):

  • http://www.watchtower.org/x/index.html
  • http://www.jehovaszeugen.de/1/default.htm
  • http://www.jehovas-zeugen.at/

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Schlüsselwörter: Zeugen Jehovas | Wachtturm | Religion | Christentum | Chiliasmus | Harmaggedon | Trinitätslehre | Kreuz | Erwachsenentaufe
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Kommentare

am 26.07.2009 21:36:44 (80.141.90.xxx) Link Kommentar melden
Danke für die weitere kurze Zusammenfassung - ich wußte nicht, daß die Gemeinschaft sich erst 1870 gründete, relativ neu... -!
Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 11:50:06 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Religionswissenschaftlicher Befund: die "Zeugen Jehovas" glauben an "Jesus" als den "Christus", somit sind sie auch - ungeachtet interner Flügelkämpfe - als Christen zu betrachten.


Falsch. Religionswissenschaftlich korrekt wäre folgende Aussage:

Religionswissenschaftlicher Befund: die "Zeugen Jehovas" behaupten, an "Jesus" als den "Christus"zu glauben, somit sind sie ohne weitere Prüfung dieses behaupteten Glaubens nicht als Christen zu betrachten. Christen sind ihrer Definition nach Jünger Jesu, die Jesus tatsächlich anbeten. Die Anbetung Jesu ist aber bei den "Zeugen Jehovas" verboten.

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 14:37:35 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Wenn es nur darum geht, Christen als solche zu benennen, nur weil sie sich Christen schimpfen, dann hast du in vollem Umfang recht. Nur - was hast du davon, nur das nachzuplappern, was die jeweiligen "Christen" über sich verbreiten? Dann hast du doch nicht wirklich zur Aufklärung der Problematik beigetragen, sondern nur die Thesen der betreffenden Klientel ungeprüft verstärkt. Ist das Wissenschaft?

Rüdiger Hentschel
Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 17:23:20 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Bravo. Das sind doch mal Fakten. Eine Frage hab ich aber:

Was ist mit denen, die zwar behaupten, dass sie die Bibel als Grundlage haben, behaupten, dass sie an Jesus als den Christus (mashiach, Gesalbter, Heiland) glauben, behaupten, sich als Christen zu verstehen? Müssen solche Behauptungen nicht an den Lehren Christi und am Wort Gottes überprüft werden?

Ich habe zum Beispiel solche heftigen Diskrepanzen zwischen der Bibel und der Wachtturmlehre entdeckt, dass ich mich darüber wundere, dass die These, die Bibel sei Grundlage der Wachtturmlehre, überhaupt erfolgreich in der Welt platziert werden konnte.

http://www.antich...weis.xhtml

Rüdiger Hentschel

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