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Sonstiges: Kultur & Religion

Ein bedauerliches sprachliches Mißverständnis: "Jehova" gibt es nicht (2)

Jehova, wer ist Jehova?

Jeder Leser weiß, was mit diesem Begriff gemeint ist. Oder glaubt es zu wissen. Doch in Wahrheit handelt es sich hier um ein gigantisches sprachliches Mißverständnis, dem schon der Dr. Martinus Luther aufsaß. Wobei man ihm zugute halten muß, daß er nicht die Möglichkeiten des Internets hatte und der christlich-jüdische Dialog seinerzeit etwas eingeschränkt war; ansonsten hätte er ja nur einen Rabbiner befragen müssen.

Tetragramm (jod-heh-waw-heh)
Tetragramm (jod-heh-waw-heh)
Zurück zu den Quellen!

Dieser Ruf der Renaissance hilft hier weiter. Bekanntlich wird der hebräische Gottesname JHWH geschrieben; dieses sogenannte Tetragramm wird als Eigenname Gottes also stets als "Vierfachzeichen" aus den hebräischen Konsonanten Jod, He, Waw, He gebildet. Das Namenswort erscheint in der hebräischen Bibel (im "Tanach") übrigens 6.823 mal.

Dieser Name Gottes gilt als heilig und wird aus Ehrfurcht und in Erfüllung des 2. Gebotes "Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen!" nicht ausgesprochen. Dies ist das erste, was man wissen muß. Daher schreiben fromme Juden auf Deutsch auch nicht "Gott", sondern G'TT (im englischen analog statt "God" dann natürlich G-D o.ä.), wobei statt dessen gesprochen bzw. gelesen wird ("der NAME" oder "der HEILIGE" und ähnlich Umschreibungen. Die Christen kennen ähnliches, wenn Luther z.B. immer HErr schreibt, wenn er "Gott" meint.

Torah-Rolle mit JHWH
Torah-Rolle mit JHWH
Das nächste:

Im Hebräischen gibt es also, wie eben am Beispiel ausgeführt, das sogenannte "ketib" (das Geschriebene) und das "qere" (das zu Lesende, das Auszusprechende). In Verbindung mit dem ersten Gedanken ergibt sich folgende Situation: steht im Text der Name JHWH, so wird stattdessen gelesen/gesprochen: "adonaj" (eine Bildung zu "adon" = Herr, "adonij" = mein Herr); hebräisch "kara" meint lesen, aber auch rufen. Das kommt daher, daß solche Texte in der Regel laut gelesen (also gerufen) wurden.

Der dritte Gedanke: Das Hebräische ist, wie das Arabische auch, eine reine Konsonantenschrift. Das bedeutet, daß die Vokale eines Wortes nicht geschrieben werden. Das Wort "bajit" ( = Haus, daher kommt im Süddeutschen die Beitz, die Kneipe) wird lediglich geschrieben b-j-t, die Vokale "weiß man" als des Hebräischen Kundiger und ergänzt sie entsprechend beim Lesen. So schreibt man also auch Y-r-w-sh-l-j-m für Yerushalajim, Jerusalem (das "w" steht hier lediglich als Hilfszeichen für das "u").

Psalm 1, 1-2 (punktiert)
Psalm 1, 1-2 (punktiert)
Viertens: Um auch dem weniger geübten Leser der Torah und des Tanach zu helfen und um eine Eindeutigkeit und Verbindlichkeit zu gewährleisten, wurde der Text durch die sogenannten Masoreten ergänzt: sie fügten zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert n.d.Z. eine Vokalisierung in die bis dahin unvokalisierten Texte ein. Dies sind die Punkte und kleinen Striche, die über, unter, oder zwischen den hebräischen Buchstaben stehen, daher spricht man dann von einem punktierten Text. - Durch diese Lesehilfe wurde der Urtext natürlich nicht verändert, denn an diesem darf ja "kein Jota" (bzw. Jod, also der kleinste Buchstabe!) verändert werden. Die Punkte werden lediglich dazwischen geschrieben. Um nun die Sonderstellung des JHWH zu betonen, fügte man hier als Punkte die Vokale von "adonaij" (mein Herr) ein, zu den Konsonanten des JHWH-Tetragramms.

Im nebenstehenden Beispiel aus Psalm 1 sieht man in der vorletzten Zeile das JHWH als vorletztes Wort (von rechts lesen!), mit den Vokalen "a" (wegen der Unbetontheit zu einem schewa abgelautet, also ein flüchtiges kurzes "e", dann das "o" und dann das "a" als letzten Vokal von "adonaj".

Das klingt komplizierter als es ist: die Konsonanten stammen also vom Wort JHWH, die Vokale vom zu lesenden Wort "adonaj" (also e-o-a), und würde man das zusammen lesen und aussprechen, dann käme so etwas ähnlich klingendes wie "Jehova" heraus.

Doch erinnern wir uns: der Gottesname darf ja nicht ausgesprochen werden, und die Vokale stammen von dem Wort (qere) das gelesen/gesprochen werden soll, für den unaussprechlichen heiligen Namen (ketib), der im Text steht. Die "Zeugen Jehovas" unterliegen hier also einem doppelten Mißverständnis: sie verwechseln das ketib und das qere, und sie mischen die Konsonanten vom einen Wort mit den Vokalen vom anderen Wort zu einem absurden Kunstbegriff. Dieser jedoch ist eine Chimäre.

Man mag das alles für unbedeutend oder haarspalterisch halten, doch da es sich hier um Wörter und Traditionen der jüdischen Religion und Kultur handelt, sind auch deren Maßstäbe anzulegen und sie sind neben den hebraistisch-philologischen die einzig gültigen.

Selbstverständlich ist diese religionswissenschaftliche Kritik keine persönliche Kritik an denen, die dieser Religion de "Zeugen Jehovas" angehören. - Übrigens: wer das alles vertieft wissen möchte, findet unter den genannten Stichworten eine Fülle von Informationen im Internet.

Text der "Hatiqvah"
Text der "Hatiqvah"
Hier als weiteres punktiertes Beispiel die "Hatiqvah" ( = "Die Hoffnung"), die israelische Nationalhymne. Im Video sieht man denselben Text als unpunktierter Laufschrift.

YouTube Video

Hebrew

"Hatikvah"

Kol od balevav p'nimah Nefesh Yehudi homiyah Ulfa'atey mizrach kadimah Ayin l'tzion tzofiyah Od lo avdah tikvatenu Hatikvah bat shnot alpayim L'hiyot am chofshi b'artzenu Eretz Tzion v'Yerushalayim

English "The Hope" As long as deep in the heart, The soul of a Jew yearns, And forward to the East To Zion, an eye looks Our hope will not be lost, The hope of two thousand years, To be a free nation in our land, The land of Zion and Jerusalem.

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Die verwendeten Bilder sind public domain bzw. CC-lizensiert/Wikipedia

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Schlüsselwörter: Zeugen Jehovas | Wachtturm | Wachtturmgesellschaft | Bibelforscher | Chiliasmus | Religion | Hebräisch | Juden | interreligiöser Dialog | Tetragramm | ketib und qere | k'tib | q'ere | JHWH | adonaj | HaSCHEM | Masoreten | Punktierung | Konsonantenschrift | Luther
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Kommentare

am 23.07.2009 15:39:01 (80.141.37.xxx) Link Kommentar melden
Danke für die ausführlichen Informationen.
Wie erkläre ich mir, wenn ich lese: Den Namen dieser Göttin nahm der semitische Gott Jehova (von Jehva = Eva) in Besitz. - leider weiß ich die Quelle nicht mehr -?
Wie könnte JHV oder HWH, denn noch übersetzt werden?
Danke für die Antwort! Liebe Grüße!
Stefan Walter
am 03.08.2009 20:33:46 (84.180.101.xxx) Link Kommentar melden
Gemäß Joel 2:32 (oder 3:5 je nach Übersetzung) ist der Gebrauch des Gottesnamens lebenswichtig. Paulus bekräftigt dies indem er diesen Vers in Römer 10:13 wiederholt.
Außerdem wissen wir sehr wohl wie nachfolgende Namen ausgesprochen werden.

Der Name Jesus (gr.: Iēsoús) entspricht dem hebräischen Namen Jeschua (die ungekürzte Form: Jehoschua), der „Jehova ist Rettung“ bedeutet.

Johạnnes [lat.-deutsche Entsprechung zu Jehohanan, was „Jehova hat Gunst erwiesen“, „Jehova ist gnädig (gütig) gewesen“ bedeutet].

Jesạja bedeutet Rettung von Jehova
Stefan Walter
am 03.08.2009 20:47:01 (84.180.101.xxx) Link Kommentar melden
Bei den drei Namen handelt es sich um Jesus, Johannes und Jesaja (es könnten nocht viele weitere angeführt werden um die richtige Aussprache des Gottesnamen zu verdeutlichen). Griechische Schriftzeichen können scheinbar nicht abgebildet werden, daher die Fehler im letzten Text.
gissy
am 07.09.2009 08:09:53 (89.97.124.xxx) Link Kommentar melden
Wie soll man ein persönliches Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer aller Dinge aufbauen, wenn man seinen Namen nicht gebraucht und ihn nur mit Titel wie: Herr, Gott, Allmächtiger, Schöpfer ecc....? Der Gebrauch eines Titels ist unpersönlich und kann niemals ein tiefes Freundschaftsverhältnis zu jemanden aufbauen. Die Folge ist, daß eine gewisse Distanz zur Person bleiben wird und man nicht alles über seine Persönlichkeit weiß. Genau dies ist der Punkt, warum die Menschheit sich vom wahren Gott Jehova entfremdet hat und ein oberflächliches Verhältnis zu ihm pflegt. Die alten Patriarchen und auch Jesu, Gottes Sohn, pflegten den Namen Jehova, oder wie auch immer JHWH ausgesprochen wurde, auszusprechen. Eine gute Bibelübersetzung wird an Stelle wo Herr für den Namen Gottes steht, den Namen Jehova setzen, der im Urtext über 7000 Mal in der Bibel zu finden ist.
Rüdiger Hentschel
am 16.09.2009 15:53:22 (217.84.137.xxx) Link Kommentar melden
Die alten Patriarchen und auch Jesu, Gottes Sohn, pflegten den Namen Jehova, oder wie auch immer JHWH ausgesprochen wurde, auszusprechen. Eine gute Bibelübersetzung wird an Stelle wo Herr für den Namen Gottes steht, den Namen Jehova setzen, der im Urtext über 7000 Mal in der Bibel zu finden ist.


Den Namen Jehova konnten keine Patriarchen und auch Jesus nicht aussprechen, denn sie kannten ihn damals noch gar nicht. Der Religionswissenschaftler hat doch ganz klar geschrieben, dass die Vokalisierung, die zu dem Wort "Jehova" führte, erst "zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert n.d.Z." zum ersten Mal durchgeführt wurde:

durch die sogenannten Masoreten ergänzt: sie fügten zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert n.d.Z. eine Vokalisierung in die bis dahin unvokalisierten Texte ein.


Wie kann man eine solche klare wissenschaftliche Aussage ignorieren und behaupten, der Name "Jehova" stünde in den Urschriften?

Erschwerend kommt hinzu, dass der Religionswissenschaftler dazu geflissentlich schweigt, als wäre nichts gewesen.

Rüdiger Hentschel

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