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Politik: Welt

Immer noch kein Ende beim Tempelstreit Thailand-Kambodscha in Sicht

Thailand kämpft vergeblich bei der UNESCO um die Rückgängigmachung zum Kulturerbe

Foto: © Wilfried Briegel
Foto: © Wilfried Briegel
Im Streit zwischen Thailand und Kambodscha um den alten Khmer-Tempel Preah Vihear (siehe OnlineZeitung24 vom 25.07.2008 und vom 07.04.2009) ist ein Ende offenbar noch lange nicht in Sicht. Beide Staaten erheben Anspruch auf das Tempel-Gelände. Der Streit darum flammt seit 1962, als der internationale Gerichtshof in Den Haag die Anlage Kambodscha zuschrieb (vorher gehörte sie zu Thailand) immer wieder neu auf.

Bei den Gefechten zwischen thailändischen und Kambodschanischen Soldaten, die im April des Jahres beim Tempel stattfanden, gab es neben vier Toten Soldaten auch einen verwüsteten Markt. Nach kambodschanischen Angaben wurden dabei 246 Marktstände zerstört. Der Sachschaden soll sich auf 65 Millionen THB (2 Millionen USD) belaufen haben. Betroffen wären davon 319 kambodschanische Familien. Deshalb forderte Kambodscha Schadenersatz in Höhe von 2 Millionen US-Dollar von Thailand. Dies wurde wiederum vom thailändischen Außenminister Kasit Piromya strikt abgelehnt: „Da sich der Markt auf thailändischem Gebier befindet gibt es für eine Schadensersatzforderung keinerlei Rechtsgrundlage.“ – Zur Erinnerung: Thailand erkennt das Urteil des internationalen Gerichtshofs nicht an und betrachtet das Tempelgebiet nach wie vor als thailändisches Staatsgebiet.

Im Mai 2009 war eine Expertengruppe der UNESCO mit einem Hubschrauber bei Preah Vihear gelandet und hatte sich rund zwei Stunden in der Anlage aufgehalten. Daraufhin hatte das thailändische Außenministerium die UNESCO gewarnt und darüber informiert, dass nur der Haupttempel zum Weltkulturerbe gehöre. Die kleineren Tempelgebäude und das Gelände um den Haupttempel herum hingegen sei thailändisches Staatsgebiet. Deshalb müsse die UNESCO vor einem Besuch der Anlage die Erlaubnis des thailändischen Militärs einholen.

Im Juni machte Thailands Premierminister Abhisit die thailändische Einstellung noch einmal klar und warf der UNESCO vor, sie sei Schuld an den Grenzstreitigkeiten, weil sie den Tempel zum Weltkulturerbe erhoben habe. Deshalb werde man auch ab dem 22. Juni 2009 den Umweltminister Suwit Khunkitti nach Spanien entsenden, damit dieser diesbezüglich beim geplanten Zusammentreffen des entsprechenden UNESCO-Komitees, Ende des Monats, intervenieren könne, denn Thailand halte seinen Einspruch gegen die Listung des Tempels zum Weltkulturerbe aufrecht. Eine Anerkennung käme nicht in Frage.

Nach dem 20. Juni wurde dann gemeldet, dass Thailand seine Truppen in der Nähe des Tempels wieder in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt habe, weil man sich auf einen Angriff Kambodschas vorbereite. Armeechef Anupong Paochinda sagte dazu, dass man sich aber lediglich verteidigen und nicht zuerst schießen würde. Dazu war es offenbar gekommen, nachdem Abhisit wenige Tage zuvor diese Äußerungen gemacht hatte, woraufhin Kambodscha erklärt hatte, dass man sein Land gegen mögliche thailändische Eindringlinge verteidigen werde. Eine deutschsprachige Zeitung in Thailand äußerte den Verdacht, dass Premierminister Abhisit die Streitigkeiten um den Tempel nur wieder neu entfacht habe um von den innenpolitischen Problemen abzulenken.

Schließlich wurde Ende Juni auch noch bekannt, dass der Weltkulturerbe-Ausschuss der UNESCO in Sevilla Thailands Antrag auf Streichung des Tempels Preah Vihear aus der Liste des Kulturerbes abgelehnt hatte. Das hatte eine kambodschanische Zeitung berichtet und war dann von der englischsprachigen Bangkok Post aufgegriffen worden. Diese Abfuhr von Seiten der UNESCO an Thailand bedeute für das Land einen enormen Gesichtverlust und zeige wieder einmal das „schamlose Streben nach Missachtung kambodschanischer Souveränität“. Gleichzeitig wurde in thailändischen Medien berichtet, dass Vize-Premier Suthep nach Kambodscha reisen wolle um dem kambodschanischen Staatschef Hun Sen die Position Thailands “zu erklären“. Kambodscha betonte jedoch von diesem Besuchsvorhaben nichts zu wissen.

Am 7. Juli 2009 heizte sich die Atmosphäre im Tempelstreit noch einmal zusätzlich auf, als kambodschanische Medien ausführlich über die Feierlichkeiten zum einjährigen Jubiläum als Weltkulturerbe berichteten. Nun droht alles erneut zu eskalieren und am 10. Juli verlegte Kambodscha auch noch sechs Panzer zum umstrittenen Tempel, die die dortigen Truppen verstärken sollen. Im Gegenzug hatte Thailand bereits 20 große Bunker zur Verteidigung des Tempels gebaut. Von einer Abrüstung und Beruhigung der Lage beim Tempel, wie es noch vor wenigen Wochen hieß, ist absolut nichts erkennbar. Im Gegenteil: Das Säbelrasseln geht unvermindert weiter. Und so warnten bereits die Bezirkschefs in der betroffenen thailändischen Provinz Si Saket davor, sich zu nahe beim Tempel aufzuhalten. Notfallpläne um die Bevölkerung in Grenznähe im Kriegsfall zu evakuieren sollen bereits vorliegen.

Und so warnt das Auswärtige Amt aktuell vor Preah Vihear: „Von Reisen in die Grenzregion zu Kambodscha, insbesondere nach Preah Vihear und Umgebung und zu den anderen in diesem Bereich befindlichen Tempelanlagen, wird abgeraten. Der gesamte Bereich bleibt bis auf weiteres militärisches Sperrgebiet.“ (Entsprechende Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Thailand in der aktuellen Fassung gibt es täglich aktualisiert.)

Foto: Vergleichbarer Khmer-Tempel in Thailand. Fotoquelle: Wilfried Briegel, Archiv Siam-Journal.

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Schlüsselwörter: Preah Vihear | Thailand | Kambodscha | UNESCO | Weltkulturerbe | Tempelstreit | Grenzkonflikt
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