Politik: Europa

EMOTIONALE ODYSSEE

Ein totgeschwiegener Ex-Rebell
20.07.2009 17:49:17 eingesandt von martina für OnlineZeitung 24.de

Privatfoto
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Hört man den Häftling Juan Carlos Bresofsky-Chmelir zu, so kommt man schon nach einigen Minuten in Erstaunen und man kann es nicht glauben, das er einstweilen seit den 20.Juni 1978, also seit über 31 Jahre durchgehend in Haft ist. Er ist sehr Selbstbewusst und sprüht Lebensenergie. Er ist offen und zugänglich,freundlich und höflich und sein Geist ist Wachsam und Scharfsinnig. Seine Sprache und Ausdrucksweise ist redegewandt und kultiviert und seine Bildung ist überdurchschnittlich gut. Bei ihm ist keinerlei Hass, Wut oder Verbitterung erkennbar. Und sein Alter von über 60 Jahre sieht man ihn gar nicht an.

Angesichts seiner fatalen Entwicklung in Österreich eigentlich eine psychiatrische und psychologische Sensation, zumal man nicht in leisesten erkennt, das dieser Mann bereits Jahrzehnte hinter Gittern ist, was auf Seite 24 des ansonsten äußerst sehr umstrittenen Gerichtsgutachten vom Sachverständigen Prof. Dr. Reinhard Haller vom 4.12.2007 beim LG Steyr zu GZ 18 BE 70/07 g eindrucksvoll dokumentiert wird.

Ebenso kommt man nicht aus dem Erstaunen, das seine Frau Silvia über die langen Jahre hindurch eisern zu ihm hielt und das sie heute noch unermüdlich um seine Entlassung kämpft. Die starke Liebe der beiden zueinander, die Jahrzehnte Trennung nichts anhaben konnte, ist schon für sich eine sensationelle Story.

Wer ist dieser Mann, der Österreich des Öfteren in Atem hielt und von diversen Medien als Staatsfeind tituliert wurde http://www.online...rticle/681 und der nunmehr von der Justiz und von den österreichischen Medien totgeschwiegen wird http://www.online...rticle/922 http://www.online...rticle/855 und der jetzt gegen Österreich schwerwiegende Anschuldigungen der niedrige Rache erhebt und hierzu Stichhaltigen Fakten und Indizien vorlegen kann!

Auf meine Frage hin, wie er es geschafft hat über Jahrzehnte hindurch physisch, psychisch und mental so gut zu überleben und nach wie vor bei gesunder Energie zu sein, erwiderte er:

„Ja, ich muss Ihnen recht geben. Angesichts meines dramatischen und komplizierten Lebensverlaufes in Österreich mit Jahrzehnte langer Haft mit elementaren Entbehrungen und Haftverschärfungen durch teilweise jahrelange Aufenthalte in Isolationszellen in Hochsicherheitsabteilungen, bin ich selbst erstaunt, welche enorme geistige und psychische Entwicklung und Fortschritte ich nichtsdestotrotz gemacht habe Meine Strategie zu überleben war jedenfalls Geist zu bilden und daraus Kraft zu schöpfen, was mir durch Psychotechniken exzellent gelungen ist. Ich habe sozusagen einen Energie- und Jugendbrunnen entdeckt, der mir Kraft und Jugend spendet, um es spaßig auszudrücken“.

„Welche Psychotechniken meinen Sie und wo nehmen Sie die Energie wirklich her, so ein schweres Leben und noch dazu vorwiegend im Gefängnis unter schwersten Bedienungen derart gut zu überleben?“.

„Erwarten Sie nicht von mir, dass ich ihnen meine geistigen- und Überlebenstechniken verrate. Noch bin ich in Haft und muss nun um die letzten Jahre meines Lebens kämpfen. Fragen Sie mir erst, soweit ich entlassen bin. Dann werde ich Ihnen antworten. Jetzt sicher nicht. Jedenfalls hat jeder Mensch das Anrecht auf persönliche Veränderung aus eigener Initiative und Kraft und dieses Anrecht habe ich in Anspruch genommen. Sehr wichtig war natürlich, das kann ich Ihnen durchaus verraten, das ich mich vom Konfliktpotential im Gefängnis der Missbrauch von Alkohol, Drogen und sonstigen Rauschgift ferngehalten habe und das ich mich anstatt dessen mit viel Fach- und Geistesliteratur beschäftigt habe sowie meine sozialen Kontakte zur Außenwelt hin, insbesondere zu meiner Frau aufrechtzuerhalten und zu pflegen. Darüberhinaus, wie Sie aus meiner mehrere öffentlich spektakuläre Protestaktionen mitten aus dem Gefängnis heraus sehen, war ich während der Haft durchaus sehr aktiv mit ansehnlichem justizpolitischem Erfolge. Ich habe erkannt und gelernt, dass ein einziger Mensch Berge versetzen kann, wenn es nur will. Mir ist es durchaus und wiederholt gelungen und das macht mich heute noch sehr stolz und glücklich, zumal ich meinen Leben damit einen positiven gegeben habe. Komprimiert gesagt, klingt das Ganze mitunter einfach, war es aber nicht. Sie können mir ruhig glauben, dass ich eine emotionale Odyssee voller Torturen hinter mir habe. Wenn Sie nämlich meine abrupte Verpflanzung im halbwüchsigen Alter aus Uruguay kommend nach Österreich hinzu berücksichtigen sowie die Tatsache, das ich Wochen darauf unverschuldet von der Familie getrennt wurde und in einen sadistischen Heim für Fremdenkinder gelandet bin, wo ich neben physischer und psychischer Misshandlungen und Folter antisemitisch und rassistisch behandelt und tiefgreifend traumatisiert wurde. Mein Großvater väterlicherseits entstammt nämlich einer adeligen und gutsituierten jüdische Familie, die in der späten 1930er Jahre von den Nazis weitgehendest enteignet wurde und aus Österreich fliehen musste. Daher bin ich in Uruguay geboren, wohin es meinen Vater verschlug. Möglicherweise beruht daher meine große Abneigung gegen Nazis. Mein schweres Leben in Österreich Revue passieren zu lassen und geistig und psychisch aufzuarbeiten, war jedenfalls eine immense Anstrengung. Mir ist es Gott sei Dank gelungen und das hat mich innerlich von traumatischen Altlasten befreit, was wiederum zufolge hatte, das verkapselten Kapazitäten frei wurden. Daher fühle ich mich heute trotz so unendlich langer Haft geistig und seelisch bestens. Körperlich überschätzen Sie mich etwas. 2006 hatte ich wegen akuten Bandscheibenvorfalls eine Notoperation. Ich kann und darf heute auf ärztlicher Anordnung kaum was über zehn Kilo heben und mein Bewegungsradius ist als Folge ziemlich eingeschränkt und nach wie vor schmerzvoll, doch versuche es mir nicht anmerken zu lassen“.

„Sie beschuldigen Österreich ganz schön. Erlebten Sie in Österreich derart schlimmes! Und, verzeihen Sie mir die Frage, die sich mir aufdrängt. Sind Sie tatsächlich ein Staatsfeind, wie manche Medien berichteten?“.

„Ich beschuldige nicht ganz Österreich, sondern bestimmte staatliche Institutionen. Nebenbei bemerkt spreche ich gerade von den 1960er bis Anfang der 1990er Jahre und nicht von der Gegenwart. Außerdem verstehe ich meine Argumentationen nicht als Entschuldigungen und Rechtfertigungen, sondern ausschließlich als Erklärungen. Verzeihen Sie, aber ich muss lachen, wenn man von mir als Staatsfeind spricht. Das ist mir zu absurd. Ich bin mit Sicherheit kein Staatsfeind. Ich habe zwar spektakulär und erfolgreich mit Protestaktionen zugeschlagen, aber sicher nicht als Staatsfeind, sondern ausschließlich um auf schwersten Missständen und Menschenrechtsverletz= ungen aufmerksam zu machen. Was ich in Österreich ab 1962 als halbwüchsiger in Heimen und in Jugendgefängnisse erlebte, wo ich unverschuldet gelandet war und schwersten traumatisiert wurde, war ziemlich grausam und absolut menschenverachtend. Erinnern Sie sich auf die Zustände in irländischen Heimen, darüber unlängst in den Medien berichtet wurde! Nun, ich kann Ihnen versichern, das in die österreichischen staatlichen Heimen noch schlimmer war, aber es wurde nie aufgearbeitet. Die traumatischen Folgen der negativen Erlebnisse versperrten mir zudem den Weg zur Gesellschaft, so dass ich noch im halbwüchsigen Alter und als ausgestoßener am Strassenmilieu ums überleben kämpfen musste“.

„Nun, Sie haben ihr Leben überdacht und hinterfragt, quasi positiv aufgearbeitet. Ihre Frau wartet auf Sie, die eine Wohnung hat. Auch die finanzielle Seite zur Lebensunterhalt scheint gesichert zu sein. Warum werden Sie trotz so langer Haft nicht entlassen. Und wie verkraftet ihre Frau so eine unendlich lange Wartezeit?“.

„Meine Frau ist eine wunderbare und sehr starke Frau. Sie kennt die Sensibilität und Schwierigkeit um meine Person und ich habe sie auch auf das schlimmste vorbereitet. Als Eingeweihter des Vollzugsystems in Österreich ist es für mich ihre Frage zu beantworten eigentlich leicht. Als Außenstehender werden Sie es mitunter nicht leicht glauben oder verstehen, denn da müssten Sie das System unbedingt näher unter die Lupe nehmen, aber es ist in der Tat pure Rache und zum Teil auch Zorn und Hass gegen meine Person. Mit meinen frühere aufsehenerregenden Protestaktionen habe ich das Gefängnispersonal und die Abteilung für Vollzug im Bundesministerium für Justiz nicht nur schwer in Misskredit gebracht, sondern sie verloren dadurch auch sehr viele Privilegien und auch an Glaubwürdigkeit. Meine Aktivitäten waren damals Wochenlang Tagesthemen in den Medien und führten auch zu Debatten und Novellierungen der Gesetze im österreichischen Nationalparlament. Die Gefängnisaufseher und die Vollzugsbehörden vergessen und verkraften es bis heute nicht, zumal randniederen Beamten aus seinerzeit heute bis ins Justizministerium in Wien in Führungspositionen sind. Bedenken Sie auch, dass die es auch nicht derpacken, dass ich die lange Haft so gut überstanden habe. Das macht sie Zornig, Hass und in gewisser Weise auch Eifersüchtig auf meine Stärke. Da treten bei Aufseher und Direktionsbeamten niedrige Instinkte auf, wie sich ein normal fühlender und denkender Mensch unmöglich vorstellen kann. Die sind es gewohnt und darauf spezialisiert, das Häftlinge schon nach einigen Jahre Haft zusammenbrechen und psychisch und geistig zum Wrack verfallen. Ich bilde da sozusagen eine Ausnahme und die derpacken es nicht. Die Entführung einer Ehegattin eines hohen Politbeamten August 1989, die ich dann zwei Tage später mit einer schriftlichen Selbstanzeige und politische Manifestation gegen die Vollzugsbehörden zur Polizei schickte sowie das darauf folgende Feme-Politprozess, spielt natürlich bei dem Rachegedanken ebenso eine große Rolle. Dabei nützt es wenig, dass sie, die Ehegattin des hohen Politbeamten, unlängst an das Gericht ein Schreiben verfasste und sie sich für meine Entlassung einsetzt“.

„Die Frau, die Sie entführt haben, setzt sich nun für Sie ein?“.

„Ja, tatsächlich. Ich lasse Ihnen eine Kopie des Schreibens zukommen“ (Anmerkung: Tatsächlich bekam ich eine Kopie des Schreibens, indem Schreiben sich die geschädigte Person für die Entlassung des Häftlings einsetzt).

„Und wie lange werden Sie noch hinter Gittern verbleiben müssen und wie werden Sie damit fertig, dass man Sie hinter Gittern mitunter sogar sterben lassen will?“.

„Ich habe keine Ahnung, wie lange es noch dauert. Jedenfalls werde ich den Eindruck und das Gefühl nicht los, dass die Justizwache für mich bereits ein Sarg aufbewahrt und das es nur darauf wartet, dass ich endlich krepiere. Wenn ich die Späßchen einzelner Aufseher ernst nehme – zum Beispiel „Du wirst erst als Greis oder mit den Rollstuhl entlassen“, dann sieht es wirklich nicht gut aus. Denn aus Erfahrung weis ich, das solche Späßchen der Aufseher viel Wunschdenken verraten. Auch die zynischen Liebsgrüße aus Montevideo vom Gefängnisleiter der Justizanstalt Garsten gehört zur Terror http://www.online...rticle/971 http://www.online...ticle/1186 , das ich zusätzlich geistig und psychisch verkraften muss. Der Gedanke allein, mitunter im Gefängnis bis zum Tode dahinzuvegetieren zu müssen, ist schrecklich genug. Die zusätzlichen zynischen Stichelein macht meine Situation natürlich nicht leichter. Ich bin allerdings geistig und psychisch stark genug mein Schicksal ins Auge zu schauen und damit fertig zu werden. Wenn die österreichische Gesellschaft es zulässt, dass die Justiz aus Voreingenommenheit und Befangenheit wegen meiner früheren Aktivitäten niedrige Rache an mir ausübt, so ist es ihre Entscheidung und Verantwortung. Ich würde natürlich lieber die letzten Jahre meines Lebens friedlich und häuslich mit meiner geliebten Frau verbringen - Keine Frage. Natürlich kann man keinen direkten Vergleich machen, da ich zwar justizpolitische Protestaktionen setzte, jedoch keine politischen Morde begangen habe. In Deutschland aber hat man zum Beispiel bei Brigitte Monhaupt und Christian Klar rechtsstaatlichen Prinzipien und humane Aspekte angewandt und diese bedingt entlassen. Österreich wendet speziell in meinen Fall Rache an, auch wenn es zu kaschieren versucht“. Die Fortsetzung meiner Haft hat für mich persönlich mit Verhältnismäßigkeit jedenfalls nichts mehr zu tun, wohl aber mit Terror und Rachejustiz.

„Ich wünsche Ihnen alles gute und werde ihren Fall weiterhin im Auge behalten, weil, wie Sie selbst äußerten, mehr als Unverhältnismäßigkeit vorliegt und Sie hierzu konkrete Indizien und Fakten vorlegen können“.

Siehe auch http://www.xinxii..._id=315425

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