Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige (VII)

Teil 7: Die Reliquien werden wissenschaftlich analysiert

Foto: Pixelio.de
Foto: Pixelio.de
Während ich mit umfangreichen ersten Recherchen zu diesem Thema beschäftigt war, ging eine Schlagzeile durch die Weltpresse: „Kölner Dreikönigenstoff wurde analysiert“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 54/82 vom 16.03.1982). Dadurch kamen erstaunliche Indizien an die Öffentlichkeit, die aber auch nur weitere ungelöste Fragen zur Geschichte aufwarfen und die gleichfalls neue Zweifel an der schulwissenschaftlichen Wahrheit aufkommen ließen.

Die Gebeine der angeblichen Heiligen Drei Könige befinden sich heute hinter dem Hochaltar des Kölner Domes, in dem so genannten Dreikönigsschrein, der noch im 18. Jahrhundert als „Kasten der dreyen heiligen Weisen Königen“ bezeichnet wurde. Die wissenschaftliche Untersuchung des Inhaltes hat ergeben, dass es sich tatsächlich um die Gebeine dreier männlicher Personen handelt, die verschiedenen Generationen, also unterschiedlichen Lebensaltern, angehörten. So wird ihr vermutliches Alter mit 10 – 12 Jahren, 25 – 39 Jahren und bei der letzten Person mit um die 50 Jahre angenommen.

Weiter heißt es in dem Untersuchungsbericht, dass die Gebeine in kostbare Gewänder gehüllt waren, denen bis 1978 niemand so rechte Aufmerksamkeit zukommen ließ. Doch dann fand Pater Linck aus der elsässischen Gemeinde Rappoltsweiler (Ribeauvillé) in der Sakristei seiner Kirche Stoffreste, die als „Dreikönigenreliquien“ ausgewiesen waren. Er brachte den Mut auf und ließ diese Stofffetzen erstmals untersuchen und teilte das Ergebnis der Experten für alte Stoffe den Kölner Domherren mit, die nun wiederum ihrerseits aktiv wurden und Experten einschalteten, um die Originalstoffreste zu untersuchen. Das Ergebnis war verblüffend: Bei den kleinen Fetzen aus dem Elsass handelte es sich tatsächlich um Fragmente jener Gewänder, mit denen die Gebeine im Kölner Dreikönigsschrein eingehüllt sind. Sie gehörten einmal zusammen! Wie die winzigen Bruchstücke in den Elsass gelangten, darüber konnte man allerdings nichts in Erfahrung bringen. Dies bleibt wohl für alle Zeiten ein Geheimnis.

Bei dem Stoff handelt es sich um eine spätantike, seidene „Blöckchendamaste“, die wahrscheinlich im 2. bis 4. (nachchristlichen) Jahrhundert im Vorderen Orient gewebt wurde. Farbchemiker der Bayer-Werke in Leverkusen ermittelten in langwierigen Untersuchungen, dass die dunkelviolette Borte des Stoffes zweifelsfrei mit antikem Purpur eingefärbt wurde. Die Herstellung dieses kostbaren Farbstoffes war im Altertum nicht nur sehr schwierig, sondern auch äußerst mühevoll. Zur Herstellung von nur 1,4 Gramm des Farbstoffes wurden früher rund 12.000 Purpurschnecken benötigt! Und so gelangten nur sehr hohe Würdenträger in den Genuss, solche Gewänder, die damit eingefärbt waren, zu tragen.

Was nun den Dreikönigenstoff noch interessanter macht, ist die Tatsache, dass er als bisher einziger bekannt gewordener „Blöckchendamast“ in seinem purpurnen Wollstreifen eine Goldwirkerei aufweist, wie sie angeblich nur in kaiserlichen Werkstätten hergestellt wurde. Das königliche Institut Patrimoine Artistique in Brüssel gab bekannt, dass es sich bei dem Gold um eine Zusammensetzung handelt, wie sie zurzeit Christi verwandt wurde.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt gesehen ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Gebeine erst im 12. Jahrhundert, als Erzbischof Rainald von Dassel sie von Mailand nach Köln brachte, in diese Gewänder gehüllt wurden. Damals waren ganz andersartige und modernere Stoffe gebräuchlich. Hieraus wurde dann die Schlussfolgerung gezogen, dass auch die Gebeine, die in diese Stoffe gehüllt sind, aus jener Zeit stammen.

Das Fazit aus diesen Untersuchungen besteht darin, dass die Gebeine tatsächlich ein enorm hohes Alter haben könnten. Allerdings konnte auch durch diese Untersuchungen nicht der endgültige Beweis dafür erbracht werden, dass es sich bei den Gebeinen wirklich um die der von Matthäus in der Bibel beschriebenen „Weisen aus dem Morgenland“ handelt. Dagegen könnte unter anderem sprechen, dass die Stoffe in die Zeit des 2. bis 4. nachchristlichen Jahrhunderts datiert wurden. Andererseits könnten sie ja auch erst später in diese Gewänder gehüllt worden sein. Und so bleibt nach wie vor für die Öffentlichkeit die Frage nach der Echtheit der Reliquien eine reine Glaubenssache. Selbst der Direktor des Kölner Diözesan-Museums und Kustos der Domschatzkammer, Walter Schulten, wandte bereits zu Anfang der 80er Jahre ein: „Um die Frage nach der historischen Echtheit der Reliquien klar beantworten zu können, müsste unser Wissen noch viel größer sein!“

Lesen Sie in (der letzten) Folge 8: Wie Albertus Magnus die Baupläne des Kölner Doms bekam.

Foto: Beispiel einer Reliquiensammlung aus der Kapelle St. Pankraz in Kirchisen bei Mühldorf. Fotoquelle: © stemaber, Pixelio.de. Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Kölner Dom | Heilige Drei Könige | Mittelalter | Gotik | gotischer Baustil | Reliquien | Dreikönigsschrein | Köln
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

445
am 19.05.2010 14:39:50 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Gut geschrieben!
Bei solchen chemischen Untersuchungen finde ich es immer interessant, wenn dabei Spuren Mennige oder Zinnober gefunden werden, beides ebenfalls "rote" und "hemmende" Stoffe mit speziellen Eigenschaften. Zinnober wird ja oft bei Mumifizierungen gefunden.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.04 Sekunden
38,115,498 eindeutige Besuche