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Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige (VI)

Teil 6: Wie Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln brachte

Foto: Pixelio.de
Foto: Pixelio.de
Kaiser Barbarossa belagerte Mailand, aber die Stadt wollte sich nicht ergeben und ihr Bürgermeister leistete den heftigsten Widerstand. Die Bewohner der Stadt verehrten ihren Bürgermeister sehr und standen voll hinter ihm. Barbarossa wusste dies, denn ohne den Bürgermeister hätte er die Stadt schon längst eingenommen. Darum hasste er ihn aufs äußerste und schwor bei sich, den Bürgermeister zu töten, sobald dieser in seiner Hand wäre.

Aber die Belagerung der Stadt sollte noch ein Jahr andauern und erst 1162 waren die Mailänder nicht mehr in der Lage, dem immer wieder anstürmenden Heer des Kaisers Barbarossa ausreichend Widerstand entgegenzubringen. So ergaben sie sich schließlich, wenn auch widerwillig, auf Gedeih und Verderb.

Nun hatte aber Rainald von Dassel, in der Quelle dieser Geschichte fälschlicherweise als Graf bezeichnet, in Erfahrung bringen können, dass in einem der Mailänder Klöster, nämlich in der Kirche St. Eustorgius, auch die Gebeine der Heiligen Drei Könige verborgen wären. In seiner Eigenschaft als Erzbischof von Köln würde er sie gerne in einem Triumphzug mit nach Köln nehmen. So sann er darüber nach, wie er dies zu bewerkstelligen hätte.

Die Äbtissin des Klosters, in dem die Gebeine lagen, war die Schwester des Mailänder Bürgermeisters, der von Barbarossa so gehasst wurde. Sie erfuhr eines Tages von dem Wunsch des Kölner Erzbischofs und schlug ihm einen Handel vor: Die Gebeine der Heiligen Drei Könige gegen ihren Bruder, den Bürgermeister. Damit schien der Wunsch des Kölner Erzbischofs immer mehr in weite Ferne zu rücken. Doch dann kam ihm der rettende Einfall, eine geniale Idee und wahrlicher Geniestreich.

Rainald von Dassel ging zu Barbarossa und bat ihn, dass die Äbtissin soviel mit aus der Stadt nehmen dürfte, wie sie selbst auf ihrem Rücken tragen könne. Mit einiger Verwunderung gestattete der Kaiser diesen Wunsch. Am nächsten Morgen kam die Schwester des Bürgermeisters schwer bepackt und unter der Last, die sie auf ihrem Rücken trug, weit nach vorne gebeugt aus der Stadt. Sie trug auf ihrem Rücken nämlich nichts anderes als ihren eigenen Bruder, den Bürgermeister, der so mit dem Leben davonkam. Barbarossa war darüber gar nicht glücklich, hätte er den Bürgermeister doch lieber tot gesehen. Doch der Kaiser hielt sich an sein Versprechen, das er Rainald von Dassel gegeben hatte und ließ ihn ziehen.

Foto: Rike, Pixelio.de
Foto: Rike, Pixelio.de
Schnell ließ Rainald von Dassel die heiligen Gebeine aus dem Kloster holen, um sie über die Alpen nach Köln zu schaffen. Dies erwies sich als äußerst schwieriges Unterfangen und wäre beinahe noch gescheitert. Jedermann wollte wissen, was er denn da eigentlich transportiere. Doch auch dazu war dem Erzbischof ein genialer, rettender Einfall gekommen. So besorgte sich Rainald von Dassel drei schlichte und einfache Särge, in die er die Gebeine der Heiligen Drei Könige hineinlegen ließ. Dann ging der Marsch weiter. Jeder, der nun fragte, erhielt zur Antwort, dass es sich um die sterblichen Überreste von drei gefallenen Rittern handele, die sie nun zurück in die Heimat überführten. So gelangte die makabre Fracht schließlich unversehrt bis an den Rhein. Hier wurde sie auf ein Schiff verladen und auf dem Wasserweg bis nach Köln gebracht.

In der Rheinstadt wurden sie von dem jubelnden Volk empfangen. Alle Glocken der Stadt, auch die des alten Domes, wurden geläutet um das Ereignis zu verkünden. So zog die kleine Gruppe um Rainald von Dassel mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige siegreich in die Stadt Köln ein, die seitdem in ihrem Stadtwappen drei Kronen führt, die immer daran erinnern sollen.

Lesen Sie in Folge 7: Die Reliquien werden wissenschaftlich analysiert.

Foto 1: Dreikönigsschrein im Kölner Dom. Fotoquelle: © Templermeister, Pixelio.de. Foto 2: Fahne mit dem Kölner Stadtwappen. Fotoquelle: © Rike, Pixelio.de. Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

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Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Heilige Drei Könige | Mittelalter | Kölner Dom | Gotik | gotischer Baustil | Rainald von Dassel | Dreikönigsschrein
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Kommentare

thunderhand
am 15.07.2009 15:40:36 (88.72.254.xxx) Link Kommentar melden
Also irgendwann ist gut mit Dom- schreiben Sie ein Buch...
Alex Mais
am 19.06.2010 19:05:02 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Das habe ich ja schon längst. Die aktualisierte neue Version findet man hier: http://axelertelt...96811.html.

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