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Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige (IV)

Teil 4: Das Rätsel um die Heiligen Drei Könige

Foto: Pixelio.de
Foto: Pixelio.de
Die erste Strophe des Gedichtes von J. W. dürfte jetzt (nach Folge 3) jedem klar verständlich sein. Sie beruht auf geschichtlich gesicherten Fakten und wir wissen jetzt, wer aus Italien kam und was er warum mitbrachte: die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Den meisten dürften die Heiligen Drei Könige ein Begriff sein und sie wissen, um welche Personen es sich dabei handeln soll. Wenn man darüber aber genauer nachliest und nachdenkt, kommt man schnell zu vielen Fragen, die bis heute ungeklärt sind. Es gibt offenbar keinerlei Indizien darüber, um wessen Gebeine es sich wirklich handelt! Um dies darzulegen müssen wir die Geschichte von Anfang an, Punkt für Punkt, im Detail durchgehen.

Nach Auffassung der katholischen Geistlichkeit handelt es sich bei den Heiligen Drei Königen um jene im Neuen Testament der Bibel beschriebenen „Weisen aus dem Morgenland“. Nun ist aber die Bibel, und gerade auch das Neue Testament, eine willkürlich zusammen gewürfelte Mischung aus den verschiedensten Quellen und Überlieferungen. Dabei ist es oft mühsam, die biblische Geschichte vollständig zusammen zu bekommen und zu rekonstruieren, zumal die einzelnen Evangelien nicht immer alle über alles berichten.

In dem Gedicht von J. W. heißt es: „...Er führte mit sich unversehrt der Heiligen Gebeine, die einst im Stall den Herrn verehrt mit Hirten im Vereine.“ So berichtet uns das Evangelium des Lukas beispielsweise über diese Hirten aus dem Gedicht, während Matthäus zwar als einziger über die „Weisen aus dem Morgenland“, die ja die Heiligen Drei Könige sein sollen, berichtet, aber gar nichts von den Hirten schreibt. Von Letzteren lesen wir bei Lukas 2, 1-21: „Jesu Geburt“

  1. Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
  2. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.
  3. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
  4. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war,
  5. auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.
  6. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
  7. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
  8. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
  9. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
  10. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
  11. denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
  12. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“
  13. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
  14. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“
  15. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: „Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“
  16. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu ein Kind in der Krippe liegen.
  17. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
  18. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.
  19. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
  20. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
  21. Und da acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, da ward sein Name genannt Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward.“

Genau wie in dem Gedicht von J. W. von Engeln die Rede ist, die Rainald von Dassel sicher von Italien nach Deutschland geleiteten, berichtet auch Lukas von einem Engel, der die Ankunft von Jesus den Hirten angekündigt hat. Außerdem ist da noch die Rede von der „Menge der himmlischen Heerscharen“.

Wir haben es hierbei doch zweifelsfrei mit überirdischen (weil nicht irdischen, also kann man getrost auch von außerirdischen sprechen) Mächten zu tun. Und diese leiteten die Geschicke der Menschheit offenbar von Anfang an und waren bei allen wichtigen Ereignissen zu allen Zeiten zugegen.

Kommen wir zurück zu Jesus Geburt und, noch viel wichtiger für diese Untersuchung, die Heiligen Drei Könige. Das Buch der Bücher, die Bibel, erwähnt an keiner Stelle „drei Könige“! Es handelt sich nach der Überlieferung lediglich um „die Weisen aus dem Morgenland“. Matthäus ist der einzige Bibelchronist, der von ihnen berichtet (Matthäus 2, 1-12). Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen in „Die Weisen aus dem Morgenland“:

  1. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
  2. „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen ihn anzubeten.“
  3. Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem
  4. und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo der Christus sollte geboren werden.
  5. Und sie sagten zu ihm: „Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):
  6. Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.“
  7. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erkundete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,
  8. und wies sie nach Bethlehem und sprach: „Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass ich auch komme und es anbete.“
  9. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie (gemeint sind hier wieder die „Weisen aus dem Morgenland“; Anm. d. Verf.) hin. Und siehe, der Stern den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis dass er kam und stand oben über, wo das Kindlein war.
  10. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut
  11. und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
  12. Und Gott befahl ihnen im Traum, dass sie nicht sollten wieder zu Herodes gehen, und sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land.

Interessant in dieser Schilderung ist auch der „Stern“. Hierzu haben sowohl UFO-Forscher als auch Prä-Astronautik-Forscher mehrfach darüber spekuliert, ob es sich um ein UFO im Sinne eines außerirdischen Raumschiffes gehandelt haben könnte. In Anbetracht der Theorie von Hans-Werner Sachmann in seinem Buch „Die Epoche der Engel“ und die damit verbundene Identifizierung der Engel als außerirdische Besucher liegt diese Schlussfolgerung durchaus im Bereich des Möglichen. Zumal nach Lukas ja auch bei der Geburt von Jesus mindestens ein solcher Engel zugegen war.

In der aus dem 15. Jahrhundert stammenden belorussischen Version der vermutlich in der Mitte des 3. Jahrhunderts in Latein verfassten alten Schrift „Narración de los tres reyes magos“ ist zu lesen, wie der „Stern von Bethlehem“ einen Tag lang über dem Berg Wans stand, ohne dass sich die Luft bewegte. Demnach hatte der „Stern“ auch „Flügel wie ein Adler und viele große Strahlen, die ihn kreisförmig bewegten, als er auf dem Berg Wans niederging“. Gleiches berichtet auch die Schrift „Apóerifos“ (Bd. 2): „Je näher sie (die Heiligen Drei Könige) Bethlehem kamen, um so stärker wurde der Glanz des Sterns. Dieser hatte die Form eines Adlers, er flog durch die Lüfte und bewegte seine Flügel.“ An gleicher Stelle ist auch über einen merkwürdigen Zeitverlust zu lesen, den die Heiligen Drei Könige während ihrer Reise, die 13 Tage dauerte, erlitten haben sollen. Während der ganzen Zeit nahmen sie keine Nahrung zu sich und verspürten auch keinerlei Verlangen danach. Am Ziel angekommen, kam es ihnen so vor, als habe die Reise nur einen Tag gedauert. Parallelen zu solchen Zeitverschiebungen finden sich in vielen alten Legenden und vor allem auch in der neuzeitlichen UFO-Forschung. – Auch dies ein Indiz für die Theorie eines außerirdischen Raumschiffes?

Nach Auffassung der Wissenschaftler und offiziellen Lehrmeinung war der „Stern von Bethlehem“ nichts anderes als eine äußerst seltene Planetenkonstellation in einer Reihe, die dann als heller Stern am Himmel erschien. Eine solche Konstellation hat es damals offenbar tatsächlich gegeben, wie Astronomen bestätigen – allerdings mit einer Abweichung von wenigen Jahren. Doch was macht das schon, wenn man schlicht und einfach die Abweichung damit erklärt, dass offenbar das Geburtsdatum von Jesus (und damit dann konsequenter Weise auch unsere Zeitrechnung!) nicht stimmt. So einfach ist das also(?). Anstatt einzugestehen, dass die Theorie mit der Planetenkonstellation nicht stimmt, wird kurzerhand das Geburtsjahr von Jesus verlegt. Eine sicherlich sehr wissenschaftliche Methode...

Wie wir aus dem oben zitierten Matthäus-Evangelium erkennen, ist dort die Rede von „Weisen aus dem Morgenland“, ohne dass überhaupt deren Zahl genannt wird. Also bestand die Anzahl mindestens aus zwei, vielleicht aber auch aus mehr als drei solcher Weisen. In mittelalterlichen Quellen werden dann aus den „Weisen“ die „Magier aus dem Morgenland“. Im Spanischen heißen die Heiligen Drei Könige noch heute „Los Reyes Magos“. Das Wort „Mago“ bedeutet im Deutschen „Magier“. Der deutschstämmige, spanische Journalist Andreas Faber-Kaiser vermutet aus dieser Ableitung heraus, dass die „Magier aus dem Morgenland“ zum Stamm der Magier gehörten. Das war ursprünglich ein medischer Volksstamm, in dessen Verband sich die Priesterwürde vererbte. Doch außer der Bezeichnung selbst sind keinerlei Hinweise zu finden, die darauf hindeuten. Lange nach dem tatsächlichen Ereignis, nämlich erst im 6. nachchristlichen Jahrhundert, wurde ihre Zahl dann willkürlich auf „drei“ festgelegt. Außerdem entstand dabei damals die Bezeichnung „Drei Könige“. Aber auch hierbei gilt: An keiner Stelle der Bibel steht, dass es sich um Könige gehandelt hat! Die „Drei Könige“ wurden später heilig gesprochen, so dass aus ihnen schlussendlich die Heiligen Drei Könige entstanden…

Lesen Sie in Folge 5: Noch mehr Ungereimtheiten um die Heiligen Drei Könige.

Foto: Krippendarstellung mit den Heiligen Drei Königen, Krippenmarkt Kevelaer. Fotoquelle: © Gerda Bruske, Pixelio.de. Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

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Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Heilige Drei Könige | Weisen aus dem Morgenland | Bibel | Stern von Bethlehem | Gotik | gotischer Baustil | Mittelalter | Kölner Dom
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