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Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige (III)

Teil 3: Rainald von Dassel, Friedrich I. Barbarossa und die Italienfeldzüge

Foto: Pixelio.de
Foto: Pixelio.de
In Folge 2 habe ich die Legenden um den Erhalt der Baupläne zum Kölner Dom vorgestellt und dabei ausführlich auf die schönste Version, das Gedicht von J. W., zurückgegriffen. Hier nun der erste Teil der genauen Analyse des Gedichtes:

In der ersten Strophe heißt es, dass eine Person mit dem Namen von Dassel aus Italien zurück in heimatliche Gefilde kam. Es gilt also erst einmal festzustellen, wer dieser von Dassel war, was für „Heilige Gebeine“ er mit sich führte und was die eigentlichen Hintergründe zu diesem geschichtlich realen Ereignis waren.

Nun, bei von Dassel handelte es sich um niemand anderen, als um den damaligen Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, der zugleich auch noch der Kanzler des Königs und Kaisers Friedrich I. Barbarossa war. Geboren wurde er vermutlich noch vor dem Jahr 1130 in dem Ort Dassel, der in der Nähe von Northeim bei Göttingen liegt. Daher auch sein Namenzusatz von Dassel. Der Name Rainald ist eine Abwandlung von Reinhold und bedeutet soviel wie „Richter und Herrscher“ oder auch „der im Rat Zuverlässige“. 1156 wurde er zum Reichskanzler von Friedrich I. Barbarossa ernannt und war dann auch dessen engster Freund und vertrauter Verbündeter. Im Jahre 1159 wurde er Erzbischof von Köln (und nicht, wie in einigen Schulbüchern fälschlicherweise angegeben: „Erzbischof von Mainz“)!

Friedrich I., wegen seines roten Bartes von den Italienern Barbarossa (= Rotbart) genannt, wurde um das Jahr 1121 geboren und regierte von 1152 bis zu seinem Tode auf dem 3. Kreuzzug im Jahre 1190. Insgesamt führte er fünf Feldzüge nach Italien durch, während des ersten, der in den Jahren 1154 bis 1155 stattfand, wurde er zum Kaiser gekrönt. Der Name Friedrich stammt aus dem Altdeutschen und bedeutet soviel wie „der Friedreiche“.

Im Zusammenhang mit Rainald von Dassel und dem Gedicht von J. W. ist der zweite Italienfeldzug von Bedeutung, denn dieser war es, von dem Rainald von Dassel aus Italien zurückkam. Der Feldzug fand in den Jahren von 1158 bis 1162 statt.

Wir schreiben das Jahr 1162: Nachdem Mailand zwei Jahre lang vom Heer Barbarossas belagert worden war, ergab sich die Stadt auf Gedeih und Verderb. Die wertvollen religiösen Reliquien der Mailänder Kirchen verteilte Barbarossa an seine Bischöfe. Darunter befanden sich auch die Gebeine der biblischen Heiligen Drei Könige. Diese bekam Rainald von Dassel zugesprochen. Als Erzbischof von Köln brachte er sie in einer festlichen Prozession am 23.07.1164 natürlich nach Köln, wo sie vom Rhein in den Alten Dom überführt wurden. Dort werden sie übrigens noch heute. In einem Schrein des Kölner Doms, aufbewahrt. Der Bau dieses Schreins wurde vermutlich noch unter Rainald von Dassels Nachfolger, Erzbischof Philipp von Heinsberg († 1191) begonnen. Der Goldschmied Nikolaus von Verdun war an seiner Herstellung, die bis um das Jahr 1225 dauerte, offenbar maßgeblich beteiligt. Nach einer Quelle aus dem 15. Jahrhundert sollte er ursprünglich in der Vierung des vollendeten Doms aufgestellt werden. 1322 stellte man ihn anlässlich der Chorweihe in der Dreikönigenkapelle auf und seit 1948 befindet er sich an seinem heutigen Platz. Die in Aachen gekrönten deutschen Könige pflegten vor dem Dreikönigsschrein Weihegaben niederzulegen.

Barbarossa gab schließlich den Befehl zur völligen Zerstörung Mailands und ließ die Einwohner an vier verschiedenen Orten, rund um die alte Stadt Mailand, neu ansiedeln. Nach der Zerstörung der Stadt unterwarfen sich die meisten anderen lombardischen Städte in Mittelitalien.

1163 machte Barbarossa seinen dritten Zug. Diesmal allerdings ohne Heer. Drei Jahre später, 1166, unternahm er seinen vierten Italienfeldzug mit dem Ziel die Stadt Rom zu unterwerfen. Diese Aktion dauerte bis zum Jahre 1168. Er hatte Rom fast besiegt und in seiner Hand, als eine schreckliche Seuche ausbrach, der Tausende von seinen Streitern zum Opfer fielen. Auch Kanzler Rainald von Dassel war diesmal wieder mit von der Partie. Ebenso wie die Tausende seiner Weggefährten sollte auch er die Heimat nie wieder sehen. Von Dassel starb im Jahre 1167 an der ausgebrochenen Seuche in Italien und wurde später in der Marienkapelle des Kölner Doms beigesetzt. So blieb Barbarossa nichts anderes übrig, als mit den Resten seines dezimierten Heeres den Rückzug anzutreten. Schließlich erreichte er als geschlagener Kaiser wieder deutschen Reichsboden.

Um das Jahr 1188/89 hatte Saladin, der große Sultan von Ägypten, die Stadt Jerusalem im Sturm erobert und eingenommen. Die Nachricht darüber erreichte Barbarossa 1189 in Regensburg. Ohne Zögern stellte er ein Ritterheer auf und brach noch im selben Jahr von Regensburg aus zum 3. Kreuzzug auf. In dessen Verlauf waren schon viele schwere Schlachten mit dem türkischen Reiterheer erfolgreich überstanden, als Barbarossa im Jahre 1190 sein Schicksal traf.

Nach langem Marsch erhitzt, ging er in den Fluss Saleph, an dem sie gerade lagerten, um zu baden und sich abzukühlen. Alle, die Kenntnis von diesem Vorhaben hatten, warnten Barbarossa davor und rieten ihm dringend davon ab. Doch der Kaiser schlug alle Warnungen in den Wind. Kaum war er in den Fluss gegangen, als er plötzlich unterging und ertrank. Jeder Rettungsversuch blieb erfolglos. An der Stelle, an der er im Fluss ertrank, bildete das Wasser eine Furt, so dass man eigentlich bequem hätte durchwaten können. Das macht die Umstände seines Todes unverständlich und rätselhaft. Die Gebeine von Friedrich I. Barbarossa wurden, so ist in Geschichtsbüchern zu lesen, in einer Gruft bei der alten Stadt Tyros beigesetzt. Von dort sind sie dann später spurlos verschwunden. Aus diesem Umstand heraus entwickelte sich eine recht interessante Legende, die Kyffhäusersage.

Lesen Sie in Folge 4: Das Rätsel um die Heiligen Drei Könige.

Foto: Barbarossa-Statue vor der Kaiserpfalz Goslar. Fotoquelle: © Falk Hartenstein, Pixelio.de. Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

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Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Kölner Dom | Gotik | gotischer Baustil | Mittelalter | Heilige Drei Könige | Rainald von Dassel | Friedrich I | Barbarossa | Italienfeldzüge
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