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Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige (II)

Teil 2: Albertus Magnus als Urheber des Planes zum Kölner Dom

Foto: © Silvana, Pixelio.de
Foto: © Silvana, Pixelio.de
Dass der Heilige Albertus Magnus aus dem Dominikanerorden der Lieferant der Baupläne des Kölner Doms ist, wurde in Folge 1 bereits zweifelsfrei festgestellt. In dieser Folge wird die Frage untersucht, wie er an diese Pläne kam. Darum ranken sich die Legenden, die unter anderem auch in schöner Gedichtform festgehalten wurden.

Unter dem Titel „Albertus Magnus als Urheber des Planes zum Kölner Dom“ verfasste ein Autor, von dem mir leider nur die Initialen J. W. bekannt sind, ein Gedicht, das alle Hinweise zu den vorstehend genannten Fragen berücksichtigt und die Antwort zusammenhängend in Versform gibt. Ich werde dieses Gedicht hier erst einmal vollständig wiedergeben und dann in den nächsten Folgen Vers für Vers erläutern und neu interpretieren.

  • Von Dassel kam zum heim’schen Strand
  • Fern aus Italiens Gauen,
  • Ihn leitete des Engels Hand,
  • Den Mann voll Gottvertrauen.
  • Er führte mit sich unversehrt
  • Der Heiligen Gebeine,
  • Die einst im Stall den Herrn verehrt
  • Mit Hirten im Vereine.

  • Das Volk fiel gläubig in den Staub,
  • Als man an’s Land geschritten,
  • Und streute frisches Waldeslaub,
  • Nach alter frommer Sitte.
  • Selbst zu den fernsten Landen hin
  • Bracht man die Freudenkunde,
  • Und alles zog mit frommen Sinn
  • Nach Köln aus weiter Runde.

  • Schier schien zu klein die große Stadt,
  • Die Pilger all‘ zu fassen,
  • Die Menge wogte früh und spat
  • Durch Straßen und durch Gassen. –
  • Erzbischof Konrad that den Schwur:
  • Ein Gotteshaus zu bauen,
  • So hoch und hehr, wie solches nur
  • In Deutschland wär‘ zu schauen.

  • Er hieß Albertus Magnus dann,
  • Den Plan zum Tempel schaffen;
  • Und flugs begann der Gottesmann
  • Mit seines Geistes Waffen.
  • Doch bange Zweifel drückten sehr
  • Den Meister, ob’s gelänge;
  • Ihm schien ohn‘ Grenzen, wie das Meer,
  • Der kühnen Pläne Menge.

  • Er saß in seiner Zelle Bann,
  • Umgaukelt von Gebilden:
  • Wann finde ich die Lösung? – Wann?
  • Fort Geister, fort ihr wilden,
  • Hier lieg‘ ich auf dem Angesicht
  • Des Herrn und bitte, flehe,
  • Ach käme doch ein göttlich Licht,
  • Damit ich heller sähe.

  • Kaum ist verklungen sein Gebet,
  • Da hört er leise Tritte,
  • Ein Kindlein vor dem Denker steht
  • In seiner Zelle Mitte;
  • Es führt vier Männer silberweiß
  • Mit Zirkel, Maß und Waage,
  • Und heißet sie beginnen leis. –
  • So geht die fromme Sage.

  • Sieh‘, an der kleinen Zelle Wand,
  • Da zeichneten sie Bogen
  • Und Thürme mit geschickter Hand,
  • Nach Kreis und Maß gezogen.
  • Bald prangte stolz der hohe Bau
  • In tausend lichten Zügen,
  • Hell glänzend in der Dämm’rung Grau
  • Thut sich das Ganze fügen.

  • Albertus staunte ob der Pracht,
  • Der Bauplan schien gefunden;
  • Doch bald versank das Bild in Nacht,
  • Der Zauber war verschwunden.
  • Und draußen sprach des Kindleins Mund:
  • „Albertus, auf! Erwache!
  • Mit Thürmen stolz, mit Bogen rund
  • Den Plan zum Tempel mache!“

  • Mit regem Eifer und mit Fleiß
  • Schafft er am großen Werke,
  • Er wirkte auf des Herrn Geheiß,
  • Der Herr verlieh ihm Stärke.
  • Er schuf den Plan, den er geschaut
  • In mitternächt’ger Stille,
  • Und nach dem Plane ward gebaut,
  • So war’s des Herren Wille.

J. W. (aus: „Albertus Magnus in Geschichte und Sage“; J. B. Bachem-Verlag, Köln 1880)

Es gibt noch ein weiteres Gedicht, wonach es die Gottesmutter selbst war, die in jener Nacht Albertus Magnus in seiner Zelle besuchte und auf die gleiche Weise, wie im vorstehenden Gedicht beschrieben, die Baupläne an der Wand der Klosterzelle erscheinen ließ.

In einer anderen, allerdings diesmal nicht in Gedichtform verfassten Legende, ist hingegen wieder die Rede von vier Männern in weißen Talaren. Sie sind in verschiedenen Lebensaltern und werden von der „Heiligen Jungfrau“ (also wieder die Gottesmutter) selbst angeführt. Nach ihren Angaben zeichneten die vier Männer unter einer Lichtflut die Baupläne an die Wand. Allerdings war es nach dieser Legendenfassung nicht die Wand von Albertus Magnus kleiner Klosterzelle, sondern die des Speiseraums im Kloster. In diesem war, der Legende zufolge, Albert eines Abends nach dem Essen, tief in seine Gedanken versunken, alleine sitzen geblieben und hatte nicht bemerkt, wie es um ihn herum dunkel geworden war. Plötzlich erschienen die geheimnisvollen Besucher in strahlendem Licht im Raum – genauso, wie so oft „Geister und seltsame Gäste“ in seiner Klosterzelle ein- und ausgegangen sein sollen. Das Ganze erinnert auch etwas an das bis heute sehr mysteriöse und rätselhafte Phänomen der so genannten „Bedroom Visitors“, das gerade in unserer Zeit sehr weit verbreitet ist – auch in Deutschland. Als ein Mitbruder mit einem kleinen Licht den Speisesaal betrat, um Albert zu suchen, verschwand der Spuk wieder in Nichts.

Alle drei Versionen, von denen das Gedicht des J. W. sicherlich die schönste Fassung ist, sagen im Grunde ein und dasselbe aus. Aus der Fassung mit der „Gottesmutter“ geht nicht hervor, wie viele Begleiter sie hatte. Es ist jedoch die Rede von mindestens einem „dienenden Engel“. In den beiden anderen Fassungen, die zu diesem Ereignis berichten, sind es jeweils insgesamt fünf Personen, von denen vier Männer sind, die als Architekten unter der Regie der fünften Person auftreten. Diese fünfte Person, einmal als „Kindlein“ und einmal als „Heilige Jungfrau“ bezeichnet, ist identisch mit der „Gottesmutter“ in der zweiten Version. Vermutlich sind die beiden Gedichtversionen später, nach der dritten hier genannten Version, entstanden...

Lesen Sie in Folge 3: Rainald von Dassel, Friedrich I. Barbarossa und die Italienfeldzüge

Foto: „Mit Thürmen stolz, mit Bogen rund den Plan zum Tempel mache!“ Fotoquelle: © Silvana, Pixelio.de.Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

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Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Kölner Dom | gotischer Baustil | Mittelalter | Heilige Drei Könige
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