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Sonstiges: Kultur & Religion

Albertus Magnus, der Kölner Dom und die Heiligen Drei Könige

Teil 1: Der Kölner Dom und seine Geheimnisse

Foto: © Pixelio.de
Foto: © Pixelio.de
Im April 2009 jährte sich die Grundsteinlegung des Kölner Doms zum 761sten Male. Noch immer hat er seine Geheimnisse nicht vollständig preisgegeben. Einige der größten Rätsel sind folgende Fragen: Wie konnte ein solches Gebäude in der damaligen Zeit überhaupt geplant und gebaut werden? Woher kam das Baumaterial? – Immerhin sind zum Dombau mehr als 50 verschiedene Steinarten verwendet worden. Der Dom gilt zudem als relativ erdbebensicher und dürfte ein Beben der Stärke 6,0 auf der Richterskala ohne nennenswerte Schäden überstehen. Dies ergaben jüngste Forschungsergebnisse, die auch den Dombaumeister Dr. Arnold Wolff im Jahre 1997 beruhigten. Der derzeitige Dombaumeister ist zum ersten Mal in der Geschichte des Kölner Domes eine Dombaumeisterin, Frau Prof. Barbara Schock-Werner.

Zumindest das Rätsel um die Baupläne ist jetzt gelöst. Der Urheber der Baupläne war Albertus Magnus. Wie es dazu kam werde ich im Verlaufe dieser Serie noch ausführlich erläutern. Das Albertus Magnus die Baupläne, nach denen gebaut wurde, tatsächlich geliefert hat, ist heute eigentlich eine historisch anerkannte Tatsache. Unklar ist geblieben, wie er sie beschaffte bzw. woher er überhaupt die Fähigkeit hatte so etwas zu machen. Schließlich ist der Kölner Dom praktisch das erste Bauwerk der Gotik überhaupt. Damit aber ist Albertus Magnus der Erfinder der gesamten gotischen Baukunst.

Joachim Fernau schreibt dazu in seinem historischen Buch „Die Genies der Deutschen“: „Die gotischen Dome standen quasi über Nacht da! Während einer Generation wuchsen die ersten Zeugen aus dem Boden, phantastische, nie gesehene, verwirrende Wunderwerke eines ganz fremden Geistes. Und sie standen, ehe etwas anderes nachfolgte und ehe sich ihr Geist auf anderen Gebieten überhaupt erst einmal zu erkennen gab, lange Zeit allein.“

Diese Zeilen machen die Urplötzlichkeit des neuen Stiles, in dem der Kölner Dom erbaut wurde, sehr schön deutlich. Er war quasi über Nacht da. Das aber ist eigentlich eine Unmöglichkeit! Ein neuer Baustil für ein solch gigantisches Bauwerk benötigt in seiner Entstehung eine gewisse Zeit, eine bestimmte Entwicklungsphase. Das war bisher immer so gewesen. Liegt da doch die Schlussfolgerung nahe, dass die Pläne eigentlich schon fertig waren und in irgendeiner Schublade nur noch darauf warteten endlich auch zum Einsatz zu gelangen. Die Legende sagt, dass Albertus Magnus die Baupläne in einer einzigen Nacht erschuf. Dies aber hätte er ohne fremde Hilfe und der wahrscheinlich bereits fertigen Pläne niemals zustande bringen können. Außerdem war er kein Baumeister und nichts in seinem Leben deutet daraufhin, dass er irgendetwas mit Architektur oder Baukunst zu schaffen hatte – außer eben jenen geheimnisvollen Bauplänen des wahren Meisterwerkes, des Kölner Domes.

Fernau meint weiter dazu: „Aus allem geht hervor, dass die ersten, die revolutionierenden gotischen Werke Urleistungen von Baumeistern waren. Vielleicht eines einzigen Mannes, eventuell eines Auftraggebers. Im Gegensatz zur Romanik weist nichts auf eine andere Fährte. Die Urschöpfung des Gotischen lag auf architektonischem Gebiet. Das ist ungeheuer. Ungeheuer als Leistung, ungeheuer als Rätsel. Denn – und jetzt tritt der Fall ein, dass ein Wunder keinen Namen hat – die Forschung hat bis auf den heutigen Tag das Geheimnis der Erbauer der Dome oder des ersten großen Schöpfers der Gotik nicht entschleiern können.“

Die Forschung, die Wissenschaft, steht also vor einem ungeheuren Rätsel. Auch wenn man heute den Kölner Dom ganz offen Albertus Magnus zuschreibt, so kann man ganz offensichtlich nicht akzeptieren und glauben, dass er der Urheber, der alleinige Erfinder der gotischen Baukunst, des gotischen Baustils, ist. Und so heißt es offiziell immer noch, dass sie nichts, aber auch gar nichts, über die Erfindung des gotischen Stils wissen. Und damit dürften sie zweifellos Recht behalten, denn Albertus Magnus lieferte zwar die Pläne, aber sie stammten im Ursprung nicht von ihm! Ich werde dies noch näher erläutern – und, meine Theorie steht dabei nicht einmal im Widerspruch zur bei diesem Problem offenkundig unwissenden Wissenschaft und Lehrmeinung.

Während in anderen Fällen ein langsamer Übergang zwischen den Stilrichtungen erkennbar und eine Zwischenphase, in der experimentiert wurde, allgemein bekannt ist, so ist dies beim gotischen Baustil überhaupt nicht der Fall! – „Die gotischen Dome standen quasi über Nacht da!“

„Dies alles“, schreibt Fernau weiter, „besagt nicht mehr und nicht weniger als: die Baumeister konnten zu diesem Zeitpunkt im Prinzip alle schon so bauen! Aber aus ein paar Spitzbögen und Strebepfeilern entsteht noch kein Kölner Dom. Wer hatte die Gesamtvision, wer hatte das Gesicht, wer schob ihnen die große Skizze hin, wer hob die Hand und gab den Auftrag? Wer gab das Zeichen zum Einsetzen des vollen Akkordes? Es gibt ihn, und zwar zeitlich verhältnismäßig gut umgrenzt. Es könnte ein sehr angesehener, mächtiger, einflussreicher Baumeister selbst gewesen sein. Es könnte. Aber wir kennen keinen, auf den diese Beschreibung passt.“

Bis hierhin spiegelt alles den Stand der Dinge bis um das Jahr 1820 wieder. In dieser Zeit stieß man schließlich doch auf eine Spur – und die führte ausgerechnet zu Albertus Magnus! In einem mittelalterlichen Bauhüttenbuch stieß man auf den Ausdruck „Albertische Manier“. Und dieser war nichts anderes als die damals gebräuchliche Bezeichnung für den gotischen Baustil! Plötzlich fanden sich weitere Hinweise. In anderen Dokumenten wird der gotische Baustil als „Albertus-System“, „Albertisches System des Achtorts“ oder auch als „auf albertische Art und Weise gebaut“ bezeichnet. Der Erfinder des gotischen Baustils war gefunden. – Aber, war er es wirklich?

Der Chronist Vincentius Justinianus schreibt in seinem Werk „Leben des Albert des Großen“: „Den Chor der Kölner Predigerkirche ließ er als der beste Architekt nach allen Regeln der wahren Messkunst so, wie wir ihn heute sehen, errichten.“

Auch eine zeitgenössische Handschrift in der Sabina Bibliothek in Rom enthält einen erstaunlichen Hinweis zum Thema: „Er (Albertus Magnus) machte den Bauleuten den Plan zum Bau nach der wahren Messkunst.“

Für den Bau des Kölner Domes und der Kirchen allgemein galt seit jeher, dass sie sich von den heidnischen Bauwerken und Tempeln zu unterscheiden hatten. So sollte den christlichen Bauten immer eine hohe göttliche Weihe gegeben werden. Um dies sicher zu stellen soll Albertus Magnus dem gotischen Baustil die acht heiligen Zahlen der Heiligen Schrift zu Grunde gelegt haben, „und zwar in der Form zweier Quadrate, von denen das eine über Eck gestellt ist, wodurch eine mathematische Architektur entstand, welche sich so großartig und sinnvoll gebildet hat, dass sie die systematische auf streng geometrischen Regeln ruhende Kunstweise erhebender und poetischer als alle anderen Baustyle erscheint.“ Zu dieser Schlussfolgerung gelangt C. A. Heideloff in seinem Buch „Der kleine Altdeutsche (Gothe) oder Grundlagen des altdeutschen Baustyles“.

Neben dieser Quadratur muss nach Ansicht der Theoretiker der deutschen Neugotik in den Entwurfsverfahren auch die so genannte Triangulatur eine ganz entscheidende Rolle gespielt haben.

Albertus Magnus, und das kann heute niemand mehr ernsthaft bestreiten, hat die Baupläne zum Kölner Dom geliefert! Doch wie kam er dazu? Woher hatte er das Wissen, das dafür nötig war? Wie konnte er einen völlig neuen Baustil quasi über Nacht vorlegen? Nirgendwo auf der Welt gab es etwas Vergleichbares! Und da hat Joachim Fernau zumindest aus historischer Sicht recht, wenn er abschließend zu diesem Thema bemerkt: „Völlig ist das Dunkel um das Genie der Gotik bis auf den heutigen Tag nicht geklärt worden.“ Denn eines steht fest: Albertus Magnus hat sich niemals zuvor mit der Baukunst befasst! Er war kein Architekt und Baumeister. Aber wo hatte er die Baupläne her? Und, was noch viel interessanter ist: Wieso war gerade er es, der die Baupläne lieferte? Aber auch andere Fragen sind nach wie vor relevant. Dazu gehört beispielsweise die Frage: Warum wurde der Kölner Dom überhaupt gebaut? Außerdem: Wozu ausgerechnet in dieser gewaltigen Dimension? Der Dom war damals immerhin das höchste Bauwerk der Welt!

Auf all diese Fragen gibt die Geschichte eine Antwort, wenn man es versteht, all die vielen Puzzle-Steinchen, die sich mal in Chroniken und mal in Legenden oder anderen Überlieferungen finden lassen, zu einem kompletten Gesamtbild zusammenfügt...

Lesen Sie in Folge 2: Albertus Magnus als Urheber des Planes zum Kölner Dom

Foto: Der Kölner Dom in der Abendsonne. Fotoquelle: © Stefan Zoller, Pixelio.de. Text: © Axel Ertelt. Auszug aus dem Buch „Das Mittelalter war ganz anders“. Dieser Text darf ohne die ausdrückliche, schriftliche Zustimmung des Autors nicht anderweitig veröffentlicht werden.

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Schlüsselwörter: Albertus Magnus | Kölner Dom | gotischer Baustil | Mittelalter | Heilige Drei Könige
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Kommentare

excursor
am 25.07.2010 16:51:25 (87.189.238.xxx) Link Kommentar melden
Es ist sehr schade, das hier weder die byzanische noch die arabischen Einflüsse genannt werden. Die von der Kirche versteckten und für ihre Eigenzwecke übersetzten arabischen Quellen und wissentschaftlichen Werke werden immer wieder außer acht gelassen. Hier sollte jeder Autor mehr Ehrgeiz entwickeln. Weiterhin gibt es Vorbauten, wie u.a. die Kathedrale Notre-Dame de Paris oder die Kathedrale von Amiens. Daher bin ich nicht davon überzeugt, wenn solche Aussagen getroffen werden, wie "Er war quasi über Nacht da."

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