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Behindertengerecht? – Nein Danke!

Warum denkt man bei der Stadtplanung so wenig an Behinderte?

Foto: © Gabi Schoenemann, Pixelio.de
Foto: © Gabi Schoenemann, Pixelio.de
Behinderten-WC sind vor allem für Rollstuhlfahrer in der Regel zwingend notwendig. Doch in manchen Städten und Gemeinden gibt es kaum einmal ein öffentliches WC, geschweige denn ein behindertengerechtes WC. Und die wenigen, die es vielleicht einmal gibt, liegen oft versteckt, sind kaum zu finden – und, wenn man sie dann doch gefunden hat, meistens völlig verdreckt und oft mit den Utensilien der Fixer und Alkoholiker garniert. Auch ansonsten sind manche Dinge in den Städten und Gemeinden alles andere als behindertengerecht…

Meine einst so temperamentvolle und lebenslustige Frau ist seit 2005 ein Pflegefall. Nach mehreren Schlaganfällen und gründlich schief gelaufener Behandlungen und chirurgischer Eingriffe im zum Kreisklinikum Siegen gehörenden Haus Hüttental in Siegen-Weidenau ist sie heute halbseitig gelähmt, auf den Rollstuhl zwingend angewiesen und hat extreme Sprachprobleme.

Nun ist dieses Wochenende bei uns im Ort wieder einmal die jährliche Kirmes. Gestern, am Samstag, war ich mit ihr dort. Die Kirmes ist mitten in der Innenstadt, die während dieser Tage für den KFZ-Verkehr gesperrt ist. Die Hauptgeschäftsstraße ist als Zone-20 ausgewiesen. Um dem KFZ-Verkehr dies teilweise auch aufzuzwingen kam man seinerzeit bei der Planung auf die glorreiche Idee ein größeres Stück der Straße – wie zu DDR-Zeiten – mit Kopfsteinpflaster zu belegen. Dieses Straßenstück ist so polterig und uneben, dass es einem Rollstuhlfahrer kaum möglich ist es zu befahren. Selbst wenn man hier einen Rollstuhl schiebt bereitet dies größte Anstrengung und Mühen. Es ist, schlichtweg gesagt, eine Zumutung für alle Behinderten.

Foto: © Thomas Max Müller, Pixelio.de
Foto: © Thomas Max Müller, Pixelio.de
Das ist nicht nur während der Kirmestage so, sondern auch während des freitäglichen Wochenmarktes, der ebenfalls dort stattfindet. Schon das Überqueren der Straße auf diesem Stück während aller 365 Tage im Jahr ist alles andere als behindertengerecht. An Rollstuhlfahrer hat man bei der Planung wohl nicht gedacht. Selbst ein Abschleifen der Pflastersteine vor einiger Zeit brachte nichts. Das Problem besteht nahezu unverändert. – Außer Spesen nichts gewesen…

Als wir dann die Kirmes einmal der Länge nach durchquert hatten, musste ich ein nächstes Problem für unsere behinderten Mitbürger feststellen. Hier, im Bereich des alten Bahnhofs, befindet sich ein Restaurant, das auch ein Behinderten-WC hat (meines Wissens das einzige im Ort). Hier hatten wir in den letzten Jahren immer Rast eingelegt, etwas getrunken und die Gelegenheit für meine Frau genutzt. Aber diesmal Fehlanzeige. Das Restaurant steht seit Monaten leer. Zwar gibt es zur Kirmes auch immer einen Toilettenwagen, doch was nutzt dieser unseren behinderten Mitbürgern? Die kommen da wohl kaum die Stufen hoch und auf die enge Toilette. Was soll’s? Müssen die Behinderten also demnächst zu Hause bleiben und können am Leben nicht mehr teilhaben – oder was? Behinderte sind nach wie vor Menschen zweiter Klasse. Das wird auch hier wieder einmal offensichtlich. Wäre doch schön, wenn auch mal die Kommunen etwas mehr an ihre behinderten Bürger dächten und auch in dieser Richtung mal etwas mehr tun würden…

Behindertenparkplätze gäbe es ja genug im Ort – wenn diese dann nicht immer von den Falschparkern in Beschlag genommen wären wenn man sie braucht. Leider tut da weder das Ordnungsamt noch die Polizei genügend gegen. Auch da sollte einmal härter durchgegriffen werden.

Foto 1: Behinderten-WC – In vielen Städten nicht zu finden. Fotoquelle: © Gabi Schoenemann, pixelio.de.

Foto 2: Kopfsteinpflaster – Der Albtraum für alle Rollstuhl- und Rollifahrer. Fotoquelle: © Thomas Max Müller, pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Behinderte | Behinderten-WC | behindertengerecht | Rollstuhlfahrer | Rolli | Kopfsteinpflaster | Behinderten-Parkplatz
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