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Ein vermeintlicher „Biermatten-Diebstahl“ und seine Folgen

Das Auswärtige Amt warnt jetzt aktuell vor korrupten Polizeibeamten auf Phuket/Thailand

Foto: © Gerd Altmann, Pixelio.de
Foto: © Gerd Altmann, Pixelio.de
Dass Korruption (nicht nur in Thailand) ein Problem ist, wissen wir schon lange. In letzter Zeit scheint sich vor allem die Korruption unter Polizeibeamten im thailändischen Phuket massiv auszuweiten. Jedenfalls sah sich inzwischen auch das Auswärtige Amt (AA) genötigt in seinen Sicherheitshinweisen darauf aufmerksam zu machen. Eine australische Touristin hat dies jetzt besonders deutlich zu spüren bekommen: Die US-Botschaft verweigerte ihr ein Touristenvisum für die USA…

Die 36jährige Australierin Annice Smoel, Mutter von vier Töchtern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren, besuchte Anfang Mai diesen Jahres mit einer Bekannten die australische Aussie Bar in Patong auf Phuket. Ohne ihr Wissen wurde ihr von ihrer Bekannten eine Biermatte (Werbeunterlage in Form eines Platzdeckchens) zugesteckt. Das sollte ein Scherz sein sagte die Bekannte den Polizisten und gab damit quasi auch ihre „Täterschaft“ zu. Diese Aussage interessierte die Polizeibeamten aber genauso wenig wie die Tatsache, dass der australische Barbesitzer keine Anzeige erstattete. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich auch ein paar Polizisten in Zivil dort aufgehalten haben (Alkohol im Dienst?). Diese sprachen die Australierin nun auf die Biermatte an und wollten sie (angeblich) nur zurechtweisen. Doch dann eskalierte die Angelegenheit und die Australierin soll die Polizisten beleidigt haben nachdem sie zu erklären versucht hatte, dass es sich wohl um ein (ihrer Meinung nach) Missverständnis handele, dies die Polizisten aber offenbar auch nicht interessierte. Schließlich rannte sie auch noch weg, wurde aber kurz darauf am Strand von der Polizei gestellt.

Sie wurde schließlich auf die Polizeiwache gebracht. Dort soll sie ihre Beschimpfungen gegenüber den Beamten fortgesetzt haben. Dies kam dann überhaupt nicht gut an und besonders der Chef des Reviers war darüber stinksauer. Und somit redete keiner mehr von der dubiosen Biermatte. Nun ging es um etwas handfesteres, um Beamtenbeleidigung. Es folgte die offizielle Verhaftung und Unterbringung im Gefängnis, wo sie mit drei anderen Häftlingen eine enge Zelle teilen musste. Erst nach vier Tagen wurde sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Zuvor wurde jedoch ihr Reisepass eingezogen. Ihr Ehemann musste zwischenzeitlich ohne seine Frau nach Australien zurückkehren um sich um die Kinder zu kümmern.

In einem Schnellverfahren wurde Annice Smoel nach einem Geständnis zu 6 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Letztere übernahm dann der Gouverneur von Phuket, der sich dann auch bei der Australierin entschuldigte (ein Eingeständnis des völligen Fehlverhaltens der Polizei?). Danach kehrte die Australierin in ihre Heimat zurück.

Weitere, ähnliche Fälle (teilweise auch aus der Aussie Bar) sind bekannt geworden. John Brumby, Regierungschef des australischen Bundesstaats Victoria, wundert sich dann doch sehr über das Verhalten der Behörden auf Phuket. In einer zeit, in der andere Länder um Touristen werben und in der angesichts der politischen Situation in Thailand die Touristenzahlen sowieso in den Keller abgerutscht sind, passiert in Thailand auch noch so etwas. Mit seiner Bemerkung dazu traf er wohl den berühmten Nagel auf den Kopf: „Wer will schon nach Thailand in den Urlaub fahren, wenn man droht, eingesperrt zu werden, weil man in einer Bar Spaß hat?“ – Angesichts solcher Geschehnisse erscheinen dann Aktionen wie das Thai-Cultural-Festival in Frankfurt/M., das vom 19. bis 21. Juni 2009 stattfindet, doch eher etwas hilflos. Ein Negativ-Image lässt sich nicht so schnell wieder wettmachen.

Jetzt plante Annice Smoel mit ihren Kindern das Disneyland in den USA zu besuchen um sich von den Strapazen des kuriosen Prozesses in Thailand zu erholen. Die Kinder freuten sich schon riesig darauf. Doch die US-Botschaft machte ihr einen dicken, fetten Strich durch die Rechnung. Sie verweigerte das Touristenvisum mit der Begründung auf ihre Vorstrafe in Thailand! Nach Ansicht der US-Botschaft ist sie wegen des Vorfalles in Thailand nicht für ein US-Visum qualifiziert.

In Thailand gehen die Uhren etwas anders – was das Rechts- und Justizsystem betrifft. So werden vor allem auch bei einem noch so kleinen Diebstahl drastische Strafen vergeben. So warnt inzwischen auch das Auswärtige Amt in seinen Sicherheitshinweisen: „In letzter Zeit sind deutsche Urlauber in Phuket (Patong) wiederholt Opfer von Banden geworden, die – offenbar im Zusammenwirken mit korrupten Polizeibeamten – Touristen Bagatelldelikte (…) unterstellen, um danach Geld zu erpressen. Wird diese Forderung abgelehnt, wird Anzeige bei der Polizei angedroht. Es wird dringend geraten, in diesen Fällen unverzüglich telefonischen Kontakt mit der Botschaft (02 2879000 während der Dienstzeiten und 081 8456224 Bereitschaftsdienst) aufzunehmen. Durch Intervention der Botschaft kann u. U. verhindert werden, dass die Betroffenen wegen nicht begangener Bagatelldelikte evtl. in lange Untersuchungshaft genommen werden, überhöhte Kautionszahlungen verlangt werden und/oder korrupte Anwälte durch die Polizei ‚vermittelt’ werden. Sollte eine Kontaktaufnahme mit der Botschaft nicht gelingen, sollte bei einer evtl. Inhaftnahme darauf bestanden werden, dass die Botschaft durch die Polizei unverzüglich unterrichtet wird.“

Foto: Korruption. Fotoquelle: © Gerd Altmann, pixelio.de.

In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal an das Problem der Majestätsbeleidigung hingewiesen. Näheres dazu hier: Majestätsbeleidigung in Thailand: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

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Schlüsselwörter: Thailand | Phuket | Polizei | Korruption | US-Botschaft | AA | Auswärtiges Amt | Visum-Verweigerung | Visum | Visa | Majestätsbeleidigung
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