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Was ist daraus geworden? – Die Leichencontainer vor Thailands Küste

Folge 2: Sind sie leer? – Aber woher stammen dann die Skelette in den Fischernetzen?

Foto: © schneiderlein2808, Pixelio.de
Foto: © schneiderlein2808, Pixelio.de
Anfang Mai 2009 berichteten die thailändischen Medien (Zeitungen und TV) über den Fund von angeblich 8 Containern voller Leichen auf dem Meeresgrund vor Sattahip südlich der Touristenhochburg Pattaya (s.: „Thaiküste: Acht Container voller Leichen auf dem Meeresgrund gefunden“). In Fischernetzen waren dort angeblich häufiger menschliche Skelettreste aufgetaucht. Am vergangenen Donnerstag (11.06.2009) wurde der erste Container im Auftrag der Regierung untersucht...

Nach den Aussagen der Fischer soll einer der Container von hunderten von Skeletten umringt gewesen sein. Schnell war spekuliert worden, dass hier die Leichen der verschollenen Demonstranten vom blutigen Mai 1992 entsorgt wurden. Die Angehörigen der Vermissten schöpften Hoffnung, dass der Verbleib ihrer Verwandten jetzt vielleicht ans Licht kommen würde und verlangten eine offizielle Untersuchung der Angelegenheit. Allen voran Metha Mathko, Mitarbeiterin einer Menschenrechtsorganisation. Sie kritisierte, dass niemals der Versuch unternommen wurde das Schicksal der Demonstranten zu klären und dass weder Suchinda Krapayoon, der damalige Führer der Militärjunta, noch Surayud Chulanont, der seinerzeitige ausführende Kommandeur der blutigen Niederschlagung und späterer Premierminister und Mitglied des Staatsrates, jemals deswegen angeklagt wurden.

Nachdem sich vor allem das DSI (Department for Special Investigation), ein Sonderdezernat der thailändischen Polizei, einem immer stärker werdenden Druck ausgesetzt sah, versprach man, sich hier um Aufklärung zu bemühen und die Container zu untersuchen. In diesem Zusammenhang kam heraus, dass das DSI bereits seit 2007 Kenntnis von den Containern hatte und im vergangenen Jahr (2008) Taucher dort eingesetzt hatte „…aber sie fanden nichts Außergewöhnliches. Nur ein paar Skelette und Schädel…“ Ach so, das ist ja nichts Ungewöhnliches(?), denn …das könnten ertrunkene Fischer gewesen sein.“ Da werden also offiziell Leichenfunde gemacht, diese aber weder geborgen noch untersucht. Wie weit geht das Desinteresse offizieller Stellen bei der Aufklärung mysteriöser Leichenfunde noch?

Mitte Mai 2009 versprach schließlich auch Premierminister Abhisit Vejjajiva Aufklärung in dieser Sache. Von Regierungsseiten und vom DSI wurde inzwischen die Spekulation verbreitet, die Leichen könnten möglicherweise im Zusammenhang mit Menschenhandel stehen. Die bekannte, für das Justizministerium arbeitende Pathologin Pornthip Rojanasunan, die sich offiziell der Angelegenheit annehmen sollte, drängte nun auch auf eine Untersuchung. Inzwischen waren Materialproben der Container entnommen worden. Nach deren Analyse sollen die Container bereits seit ca. 20 Jahren dort im Meer liegen. Bei dem Tauchgang zur Probenentnahme, der am 15 Mai 2009 stattfand, konnten – so die Behörden – keinerlei Skelette gefunden werden.

Da die Container nicht im Bereich der Schifffahrtsroute zum nahe gelegenen Tiefseehafen von Laem Chabang liegen, wurde inzwischen auch offiziell davon ausgegangen, dass die Container nicht versehentlich verloren gingen, sondern absichtlich dort versenkt wurden. Über die genaue Zahl der Container herrscht bis heute Unklarheit. Während die Fischer immer von acht Containern sprachen, die sie per Sonar ausgemacht hätten, sprechen die offiziellen Stellen bisher nur von einem Container, der sicher lokalisiert und gefunden sei. Dieser solle nun genauer untersucht werden hieß es am 25. Mai 2009.

Anfang Juni 2009 teilte man der Presse mit, dass Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva nun offiziell 800.000 Baht für die Bergung des Containers bereitgestellt hätte und die Marine den Container nun bergen oder zumindest untersuchen solle. Dies geschah dann aktuell am vergangenen Donnerstag (11.06.2009). Dabei wurde ein Loch in die Containerwand geschnitten und das Containerinnere mit einer Kamera untersucht.

Auf einer anschließenden Pressekonferenz gab das DSI bekannt, das sich außer Wasser nichts in dem Container befunden habe. Somit enthalte der Container weder Sondermüll oder radioaktive Substanzen – und auch keine Skelette. Und abschließend hieß es: „Wir wissen zwar nicht warum die Container versenkt wurden, der Inhalt ist jedoch wenig verdächtigt.“ Nun soll das Justizministerium entscheiden, ob auch die anderen sieben vermuteten Container lokalisiert und untersucht werden sollen. Dies sei auch eine Finanzfrage, da jeder Tag der Untersuchung eine halbe Millionen Baht (= knapp 11.000 Euro) kosten würde.

Trotz dieser offiziellen Ergebnisse bleibt die ganze Angelegenheit nach wie vor mysteriös. Nach Aussagen des DSI ist der Containerinhalt des untersuchten Containers „…wenig verdächtigt.“ Was bedeutet diese eigentlich doch überflüssige Bemerkung, wenn in den Containern wirklich nur Wasser war? Und was waren das für menschliche Skelette, die das DSI vergangenes Jahr fand, die aber jetzt nicht mehr da sein sollen? – Ein merkwürdiger Nachgeschmack bleibt. Und so wird sich dann wohl das Gerücht weiterhin halten, dass Regierung, Militär und DSI hier etwas verschweigen. Und: Der Verbleib der vermissten Demonstranten ist nach wie vor ungeklärt…

Foto: Containerschiff: Um solche Frachtcontainer geht es hier. Fotoquelle: © schneiderlein2808, pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Thailand | Sattahip | Pattaya | DSI | Pornthip | Leichencontainer | Skelett | Skelettfunde | Blutiger Mai 1992
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