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Lokales: Sonstiges

Was ist daraus geworden? – Der Thunfischskandal in Thailand

Verdorbene Thunfischkonserven in Hilfslieferungen der thailändischen Regierung

Immer wieder gibt es spektakuläre Fälle und Ereignisse, die durch die Weltpresse gehen. Dann wird es still um sie und man hört nichts mehr davon. In loser Folge will ich deshalb ab und zu Themen aufgreifen, über die ich auf der OZ24 berichtete, um die es danach in der internationalen Presse still wurde, zu denen es aber dennoch interessante Neuigkeiten gibt. So stellt sich heute, in Folge 1, die Frage: Was wurde aus dem Thunfischskandal der thailändischen Regierung, der Ende Januar diesen Jahres durch die Medien ging?

Foto: © Jens Bredehorn, Pixelio.de
Foto: © Jens Bredehorn, Pixelio.de
Rückblick: Nach den schweren Überschwemmungen in der thailändischen Provinz Phattalung hatte die thailändische Regierung am 12. Januar 2009 Hilfspakete mit Lebensmitteln in die Region geliefert. Darunter befanden sich auch Thunfisch-Konserven, die bereits abgelaufen und verdorben waren. (Mehr dazu hier: „Neuer Lebensmittelskandal in Thailand: Verdorbene Thunfischkonserven“.)

Die Schuldzuweisung traf damals den Konservenhersteller, die Firma Chao Doy Fish Products ganz schnell. Schließlich wurde der Firma eine nicht erlaubte Etikettierung ihrer Produkte mit verschiedenen Labels nachgewiesen. Außerdem wurden Thunfischkonserven nachweislich mit neuen Mindesthaltbarkeitsdaten versehen. So war die spontane und offensichtlich alleinige Schuldzuweisung an die Firma wohl das Einfachste und für die Regierung die beste Variante. Alle anderen, so hatte es den Anschein, sind völlig unschuldig und aus dem Schneider.

Doch so einfach war es dann doch nicht, denn es gab Ungereimtheiten. So hatte die thailändische Lebensmittelaufsichtsbehörde FDA bereits im August 2008 die Chao Doy Fish Products schließen lassen. Die Firma hatte seinerzeit Dosen neu mit dem Verfallsdatum Dezember 2008 etikettiert, die jedoch im August bereits ungenießbar waren. Und eben um solche Thunfischkonserven handelte es sich in der Hilfslieferung der Regierung. Woher kamen diese also noch? Muss sich die FDA da den Vorwurf gefallen lassen seinerzeit zu lasch, nicht konsequent genug durchgegriffen zu haben, denn eigentlich hätte sie da doch die Vernichtung der ungenießbaren und falsch etikettierten Dosen veranlassen und beaufsichtigen müssen.

Außerdem: Weshalb wurde von niemandem bemerkt, dass in den Hilfsmittel Konserven enthalten waren, die laut Etiketten bereits im Vorjahr abgelaufen waren? Überprüft die Regierung denn nicht, was da unter ihrem Namen geliefert wird? Liegt da nicht doch der Verdacht der Korruption nahe? Solche und ähnliche Fragen tauchten zwangsläufig auf. Sicher hat der Hersteller die Hauptschuld. Doch trägt er wirklich die alleinige Schuld?

Am 3. Februar 2009 wird bekannt, das Premierminister Abhisit überlegt, Witun Nambutr, den für die Hilfslieferungen verantwortlichen Minister für Sozialentwicklung und menschliche Sicherheit, zu entlassen. Seine Rolle in dem Skandal ist bis heute noch genau wie damals stark umstritten. Es hieß in diesem Zusammenhang, dass Witun Nambutr zumindest die Verantwortung für den Skandal übernehmen müsse. Gleichzeitig wurde aus Regierungskreisen an die Medien appelliert sich in der Berichterstattung zurückzuhalten um die öffentliche Meinung nicht zu manipulieren. Wenn nämlich die Medien nicht mehr über den Skandal berichteten, dann würde auch kein Druck mehr auf den Minister ausgeübt. Die thaisprachige Zeitung Matichon war eine der ersten Zeitungen gewesen, die über den Skandal berichtet hatten. Minister Witun Nambutr hatte seinerzeit zu dem Bericht Stellung bezogen und sich dabei in Widersprüche verwickelt. So nahm der Skandal seinen Lauf.

Bereits einen Tag später verkündet die Presse den Rücktritt des inzwischen als „Thunfisch-Minister“ betitelten Witoon Nambutr. Selbst teilte er mit, dass er aus eigenen Stücken zurückgetreten sei und seine Partei keinerlei Druck auf ihn ausgeübt habe. Er wolle so den Untersuchungen nicht im Wege stehen und betonte, dass Korruption nicht im Spiel gewesen sei. Eine Entschuldigung zu den Vorfällen sprach er jedoch nicht aus. Auch wollte er keinerlei Verantwortung für diese Sache übernehmen.

Die Einwohner Phattalungs waren angesichts des Ministerrücktritts sichtlich erleichtert. Einer der Dorfchefs betonte froh zu sein, dass nun Konsequenzen gezogen wurden und hoffte, dass die Staatsbediensteten ihre Lektion gelernt hätten. Gleichzeitig kündigte ein Verbraucherschutzverein an, anzeige gegen den zurückgetretenen Minister, den zuständigen Staatssekretär und die Herstellerfirma zu erstatten.

Brandaktuell legte jetzt Ende Mai schließlich die Ermittlungskommission ihren Abschlussbericht vor. Demnach trifft niemanden in der Regierung eine Mitschuld. Und auch wären keinerlei Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in den Skandal verwickelt. Diese fragwürdige Schlussfolgerung resultierte aus der Aussage, dass lediglich Gelder der Regierung verwandt wurden um die Thunfischkonserven anzukaufen.

Bleiben die Fragen ungeklärt im Raum stehen: 1. Warum trat der Minister freiwillig(?) zurück, wenn ihn keinerlei Schuld traf? 2. Wer, wenn nicht Mitarbeiter und/oder Politiker der Regierung, verfügten über die Regierungsgelder? 3. Wer, wenn nicht Mitarbeiter und/oder Politiker der Regierung, gab die Hilfslieferung wem in Auftrag? 4. Wer, wenn nicht Mitarbeiter und/oder Politiker der Regierung, koordinierte die Hilfslieferung? – Schließlich bestand die Hilfslieferung nicht nur aus den verdorbenen Thunfischkonserven. In ihr war außerdem auch bereits verdorbener Reis enthalten, in dem sich schon das Ungeziefer tummelte. Doch davon war niemals mehr die Rede…

Foto: „Thunfisch – frisch vom Fang.“ Fotoquelle: © Jens Bredehorn, pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Verfallsdatum | Thunfisch | Thunfischkonserven | Thailand | FDA | Lebensmittel | Regierung | Hilflieferungen | Ministerrücktritt
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