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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Requiescat in pace (R.I.P.), Karstadt!

Das langsame Sterben der Kaufhausdinosaurier

Es ist nicht schade um sie, sie werden allenfalls Nostalgikern fehlen, möge es dafür mehr Qualität und Service geben, damit der Kunde irgendwann wieder König und nicht Konzernspielball ist.

Es sind verbarrikadierte Gebäude, die uns mit toten schwarzen Augen anstarren, wenn wir langsam durch Einkaufspassagen der Städte fahren und genau hinsehen. Wo vor einiger Zeit Hertie stand steht eine graue Ruine, die so hässlich ist, wie der Charme, den das Kaufhaus ausströmte. Wer sich zu Karstadt verirrt, der fragt sich, wer die oft teuren, unmodernen Dinge braucht, die dort angeboten werden. Besonders auffällig ist der Verlust, wenn neben Hertie und Karstadt dann auch noch ein Woolworth war, ebenso verödet das Gebäude, ebenso schmutzig, wie die Hertie-Ruine, ungepflegt, und man fragt sich, wie man in all den Jahren glauben konnte, es würde sich nie etwas ändern, sie wäre modern , die Einkaufsmeile. Dennoch vermied man alle genannten Warenhäuser, zu unmodisch, unflexibel, altbacken.

Sie sahen gut aus, zu Weihnachten, man mochte die Meile, weil sie so etwas wie das zu Hause war, Beständigkeit bot, und doch, ist man ehrlich, man kaufte in den kleinen Modeläden, die ständig Neues boten, in denen nette junge Verkäuferinnen bedienten. In den Kaufhäusern lief man sich einen Wolf, fand nichts, wurde unhöflich angepöbelt, weil die Verkäuferinnen sich belästigt und bei ihrer Maniküre gestört fühlten, weil meist eh nur eine Kasse mit den gestresstesten Damen geöffnet war, und irgendwie änderte sich das Angebot nie, weil wahrscheinlich am Umdekorieren keine Lust bestand, die Verkäuferinnen hingegen schienen mit ihrem Angebot zu altern.

Moderne Einkaufspassagen schießen derweil aus dem Boden, sie sind pfiffig, bieten mehr unter einem Dach, vom Kino fällt man in den Friseurstuhl und in die Apotheke, von dort springt man schnell in den Bücherladen und stets sind nette Verkäuferinnen und Verkäufer zur Stelle. Das Massensterben der Kaufhausdinos stört allenfalls, wenn man sich fragt, wozu sie einmal überhaupt da waren, und wenn man entdeckt dass nun leere Gebäude sinnlos umher stehen, wo man an Weihnachten schnell von Haus zu Haus wandern konnte, wenn es zu kalt war, denn das schien ihr einziger Zweck gewesen zu sein. Diese Zeiten sind vorbei, man fragt sich, was aus den unendlichen Flächen, die meist 60er Jahre Charme haben, werden soll. Zurück will man sie nicht, wer eine moderne Einkaufspassage besucht hat, der würde höchstens aus Nostalgie seinen Enkeln einmal zeigen, wie Großmutter einkaufte, mehr nicht. Man vermisst sie nicht die Kaufhäuser, man wird sie im Fotoalbum wiedersehen, auf Kinoleinwänden, vielleicht im Kaufhausmuseum, sie zu erhalten, das wäre wie die Rettung einer gefährdeten Spezies, deren Aussterben sich allenfalls aufhalten nicht aber umdrehen ließe. Auch Karstadt lohnt nicht erhalten zu werden, es ist das hässlichste Entlein, möge es endlich seinen Frieden finden. Und den Angestellten sei gesagt, gekauft werden wird immer, nur eben anders, und wenn nach dem Karstadtsterben endlich für den Kunden nette individuelle Beratung in kleinen Geschäften entsteht, dann ist es nicht schade um das Relikt aus Urgroßmutters Zeiten, dessen Warenqualität ohnehin unter aller Würde war.

Es ist nicht schade um sie, sie werden allenfalls Nostalgikern fehlen, möge es dafür mehr Qualität und Service geben, damit der Kunde irgendwann wieder König und nicht Konzernspielball ist.

©denise-a. langner-urso

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Schlüsselwörter: Wirtschaftskrise | Karstadt | Arbeitsplätze | Zeitarbeit
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