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Bestattungskultur (III): Wohin nur mit der Totenasche?

In die Luft, in die See, auf die Alm, auf den Gletscher, unter die Bäume oder um den Hals?

Haben Sie sich schon einmal Gedanken über Ihre dereinstige Bestattung gemacht? Wenn nicht, dann sollten Sie vielleicht damit anfangen, denn die Möglichkeiten sind heute so vielfältig, dass die Entscheidung dazu nicht einfach ist – vor allem, wenn Sie eine Feuerbestattung wünschen und das Ausgefallene lieben…

Die Titelfrage mag provokativ erscheinen und sicher für die konservative ältere Generation kein Thema sein. Für die jüngeren Generationen sieht dies aber schon ganz anders aus. Laufend werden uns durch die diversen Medien und die Werbung Bestattungsvarianten vorgesetzt, von denen viele nicht einmal geahnt haben mögen, dass es sie überhaupt gibt. Da ist gerade für junge Leute ein gewisser Anreiz dahinter für sich selbst vielleicht so eine etwas andere, eine ausgefallene Bestattung auszusuchen. Doch bei der Vielfalt der Möglichkeiten ist es nicht einfach sich für die eine oder andere zu entscheiden. Zudem ist es bei einigen eine reine Geschmacksfrage ob man eine solche Variante überhaupt auswählen sollte. Die Entscheidung dafür ist spätestens nach der Durchführung bei den meisten Arten unwiderruflich. Und das kann zu einem psychischen Problem der Angehörigen werden (hierzu in einer späteren Folge mehr).

Foto: © Heike, Pixelio.de
Foto: © Heike, Pixelio.de
Neben der Wald- oder Baumbestattung in einem FriedWald oder Ruheforst gibt es so etwas auch im benachbarten Ausland. Und auf der Oase der Ewigkeit in den Waliser Alpen (Schweiz) kann man sich auf dieser Bergalm sogar seinen eigenen Baum pflanzen. Auch ansonsten wird hier vielerlei geboten: Wiesenbestattung, Asche am Berghang in den Wind streuen, die Asche in einen Bergbach einstreuen oder unter einem Felsen begraben. Seit Kurzem bietet Dietmar Kapelle, Betreiber der Oase der Ewigkeit auch Seebestattungen in einer dänischen Ostseebucht oder in Schweizer Binnenseen an. Die ebenfalls Schweizer Firma Ewiges Alpenglühn GmbH Naturbestattungen bietet darüber hinaus auch Gletscherbestattungen auf allen Gletschern der Schweiz an.

Die Älteste Variante der Feuerbestattung als Alternative zur Grabstelle auf dem Friedhof ist die Seebestattung. Diese erfolgt außerhalb der Hoheitsgewässer der BRD im Regelfall in der Nordsee oder Ostsee. So genannte Seebestattungs-Reedereien gibt es in größerer Stückzahl. Die beiden vorstehenden Links geben hier zwei Beispiele um sich weitergehend zum Thema informieren zu können. Bei der Seebestattung sind spezielle Urnen vorgeschrieben, die sich innerhalb von ein bis zwei Tagen restlos im Wasser zersetzen.

Darüber hinaus bietet die Spanien Bestattungen S.L. auch Seebestattungen im spanischen Mittelmeer und im spanischen Atlantik an. Zudem wird hier auch angeboten die Asche von einem Luftfahrzeug (Flugzeug, Helikopter, Ballon) aus über dem spanischen Atlantik oder über der marokkanischen Sahara auszustreuen. Dies wäre dann wieder eine Alternativvariante, die man als Luftbestattung bezeichnet und die in Deutschland nicht zugelassen ist.

Die Steigerung der Luftbestattung wäre dann die Weltraumbestattung. Das gibt es tatsächlich und dies ist auch für jeden deutschen Staatsbürger möglich – vorausgesetzt das nötige Kleingeld ist vorhanden. Es gibt dabei drei Möglichkeiten: 1. in die Erdumlaufbahn für 11.000 Euro, 2. zum Mond für 25.000 Euro oder ins Universum für ebenfalls 25.000 Euro. Zu bedenken ist, dass hierbei aber nur wenige Gramm der Asche in einer kleinen Kapsel ins All geschossen werden. Der Rest wird entweder in den USA, in der Nähe der Airbase Vandenberg/Kalifornien im Pazifik beigesetzt oder kann alternativ auf einem heimischen Friedhof beerdigt werden. Will man die komplette Urne mit der ganzen Asche im Weltraum bestatten lassen kostet dies satte 500.000 Euro.

Die Weltraumbestattung hat allerdings auch einen bitteren Nachgeschmack. Angehörige, die dies für ihre Verstorbenen in Auftrag gaben, klagten schon häufiger über extrem lange Wartezeiten von bis zu einem Jahr oder noch viel länger, bis die Asche dann endlich in den Weltraum geschossen wurde. Zudem können Raketen durchaus auch einmal einen Fehlstart haben – dann ist außer Spesen nichts gewesen. Eine unsichere (und zweifelhafte) Variante der modernen Bestattungsarten - nur für gut betuchte Sternenfreaks.

Kommen wir zum Schluss zu einer ganz besonderen Bestattungsart – die Diamantbestattung. Und wieder spielt hier die doch so liberale Schweiz eine Rolle. Die Totenasche wird im Schweizer Unternehmen Algordanza in einem aufwendigen Verfahren nach der hierbei führenden russischen Technologie zu einem Diamanten gepresst. Nach offizieller Auffassung ist dies für Deutschland nicht zulässig und ein solcher Diamant müsste nach dem Willen des Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, NRW auf einem Friedhof beerdigt werden, da er dem deutschen Bestattungsrecht unterläge (vgl.: „Wenn Diamanten auf dem Friedhof beerdigt werden müssen…“). Dem widersprechen allerdings inzwischen einige deutsche Rechtsexperten, die der logischen Auffassung sind, ein Diamant habe absolut nichts mehr mit der Totenasche zu tun. Dennoch ist die Rechtslage nicht ganz klar und es bleibt gegebenenfalls abzuwarten wie zukünftige Urteile dazu ausgehen…

Foto: Der Grindelwald-Gletscher in der Schweiz. Fotoquelle: © Heike, pixelio.de.

Weitere Berichte zum Themenkomplex Bestattung:

Bestattungskultur (I): Dramatische Veränderungen im Verlauf der letzten Jahre

Bestattungskultur (II): Individuelle und innovative Bestattungsarten

Sozialämter: Kein Zugriff mehr auf Bestattungsgelder!

Deutschlands Friedhöfe klagen: Immer mehr Feuerbestattungen

„Wenn Diamanten auf dem Friedhof beerdigt werden müssen…“

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Schlüsselwörter: Bestattung | Erdbestattung | Feuerbestattung | Naturbestattung | Seebestattung | Luftbestattung | Weltraumbestattung | Gletscherbestattung | Diamantbestattung | Urne | Asche | Totenasche
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