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Bestattungskultur (II): Individuelle und innovative Bestattungsarten

Traditionell, skurril, pervers – Wo liegt die Grenze des ethisch Vertretbaren?

„Soylent Green“ (deutsche Version: „Jahr 2022 … die überleben wollen“) ist der Titel eines US Science-Fiction-Klassikers von 1973. Er spielt im mit 40 Millionen Einwohnern hoffnungslos überbevölkerten New York des Jahres 2022, wo die Nahrungsmittel knapp und unerschwinglich geworden sind. Hier werden die Verstorbenen in Leichentücher gewickelt und an die Straße gelegt, von wo sie von einem Müllwagen aufgesammelt werden. In einem Recyclingbetrieb werden sie zu „Soylent Green“, dem Grundnahrungsmittel der armen Bevölkerung, verarbeitet…

Nur phantastische Utopie? Oder könnte es wirklich einmal soweit kommen, dass die Verstorbenen wie die Mülltonnen an die Straße gestellt bzw. gelegt werden und dann von der Müllabfuhr zur Entsorgung (einmal in der Woche) abgeholt werden? Undenkbar – meinen Sie? Ist doch alles schon dagewesen. Erinnert sei hier an die großen Pest-Epidemien vergangener Jahrhunderte, wo die Leichen in Sammeltransporten auf Ziehkarren oder Pferdefuhrwerken abgeholt und dann auf einem Haufen verbrannt wurden. Ähnliches geschieht auch heute noch bei großen Katastrophen vor allem in den heißen Ländern der Dritten Welt…

Gerade in der heutigen Zeit sucht die jüngere Generation nach ganz individuellen Bestattungsmöglichkeiten und Bestattungsabläufen. So soll vielleicht die Totenasche eines Piloten aus dem Flugzeug verstreut werden oder der verunglückte Motorradfahrer auf seinem Motorrad sitzend beerdigt werden. Was in anderen Ländern keinerlei Problem darstellt, ist in Deutschland auf legalem Weg nicht möglich.

So wurde nach Möglichkeiten neuer Bestattungsvarianten gesucht. Innovation heißt das Schlagwort, das inzwischen auch Einzug ins Bestattungswesen gehalten hat. Deshalb wurde bereits vor einigen Jahren im Märkischen Kreis auch der Arbeitskreis innovativer Bestatter gegründet. Der Begriff der Innovation bedeutet wörtlich Neuerung bzw. Erneuerung und entstammt dem lateinischen von novus (= neu) und innovatio (= etwas neu Geschaffenes). Damit soll ausgedrückt werden, dass man auch in der Bestattungsbranche offen ist gegenüber neuen Ideen und Erfindungen.

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Der Begriff Naturbestattung ist bei den neuen Bestattungsvarianten das zugkräftige Schlagwort. Am bekanntesten ist dabei der Begriff der Baumbestattung. Dies geschieht in einem dazu eingerichteten, öffentlichen Waldstück, dem so genannten FriedWald. Das ist ursprünglich auch eine Schweizer Erfindung. Das Konkurrenzunternehmen dazu heißt RuheForst. Beide Betreibergesellschaften bieten heute bereits nahezu ein lückenloses Netz innerhalb Deutschlands von solchen Bestattungswäldern. Das haben inzwischen auch die regulären Friedhöfe deutlich zu spüren bekommen.

Darüber hinaus besteht seit ein paar Jahren auch die Möglichkeit zum Verstreuen der Totenasche. Dies ist jedoch nur auf einem Friedhof möglich, der dazu eigens ein Aschestreufeld eingerichtet hat. Eine Kostenersparnis hat man dabei nicht, da in der Regel die Kosten dafür identisch mit denen einer Urnengrabstelle sind.

Will man andere Arten der Naturbestattungen, so muss dies ins benachbarte Ausland verlegt werden. Die Schweiz und Spanien bieten dabei die gesamte Palette des Machbaren an. Doch wieweit sind neue Bestattungsvarianten, die einerseits bereits existieren und andererseits teilweise noch in der Erprobung sind, überhaupt mit der menschlichen Ethik und unseren Werte- und Moralvorstellungen vereinbar? Die nachstehenden Beispiele dürften wohl nicht dazu gehören und sind wohl unter pervers abzulegen:

Leichenauflösung: Experten der Funeral Service Insider in den USA haben als neue Bestattungsart die chemische Auflösung entwickelt. Dazu wird der Leichnam in eine chemische Flüssigkeit gelegt, in der er sich in kürzester Zeit vollständig auflöst. Die Brühe, die dabei übrig bleibt, ist nach Aussagen der Spezialisten vom FSI völlig unbedenklich und umweltfreundlich. So könnte sie beispielsweise einfach im nächsten Abguss entsorgt werden…

Schockgefroren und pulverisiert: Die schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak, die die in Göteborg befindliche Firma Promessa Organic leitet, hat eine ökologische Methode zur Leichenentsorgung entwickelt und diese bereits in mindestens 35 Ländern als Patent angemeldet. Bei dieser Methode wird der Leichnam bei minus 18 Grad schockgefroren und anschließend in ein Bad aus flüssigem Stickstoff von minus 196 Grad getaucht. So wird der Körper brüchig wie Glas und durch den Einsatz von Schallwellen und Erschütterung zerfällt er zu einer pulverigen Substanz, der in einer Vakuumkammer das Wasser entzogen wird. Das so aus dem Leichnam hergestellte Pulver kann in einem Minisarg, der biologisch abbaubar ist, beigesetzt werden. Bereits nach einem halben Jahr sei die Verrottung abgeschlossen – so die Biologin. Die schwedische Stadt Jönköping hat bereits zugesagt eine entsprechende Einrichtung hierfür als Pilotprojekt zu errichten…

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Schlüsselwörter: Erdbestattung | Feuerbestattung | RuheForst | FriedWald | Innovation | Naturbestattung | Totenasche | Aschestreufeld
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