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Bestattungskultur (I): Dramatische Veränderungen im Verlauf der letzten Jahre

Naturbestattungen – oder: Warum boomen heute außergewöhnliche Bestattungsarten?

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Noch vor 20 Jahren war in Deutschland die Erdbestattung die Regel. Heute muss man fast schon sagen dass eine Erdbestattung die Ausnahme ist. Die Feuerbestattung liegt voll im Trend und mit ihr wurden erst die vielen „neuen Bestattungsarten“ möglich. Das geht dann von Wald- und Wiesenbestattungen bis hin zur Luft- oder gar Weltraumbestattung…

Kollegin thunderhand hat in ihrem Bericht „‚Schöner Wohnen’ im Tod - Urnentouring in die Schweiz“ das Schweizer Unternehmen Ewiges Alpenglühen Naturbestattungen und sein Bestattungsprogramm vorgestellt. Angeboten werden hier so genannte „Naturbestattungen“ als alternative Bestattungsarten für den ganz individuellen Geschmack. Und der ist lange nicht jedermanns „Ding“, wie auch im Bericht deutlich zum Ausdruck kam. Für die große Mehrheit sind solche Varianten der Beisetzung kaum relevant. Doch es gibt auch eine nicht zu unterschätzende Minderheit, die solche Formen ernsthaft in Erwägung zieht und durchaus auch in Anspruch nimmt. Die große Frage ist nun, wie konnte es überhaupt zu solchen Varianten der Bestattung kommen, die teilweise so krass sind, dass man einige davon (USA, Schweden) bereits als pervers bezeichnen kann?

Grundsätzlich setzen all die neuen Bestattungsarten eine Einäscherung (= Feuerbestattung) voraus. Nur mit der Totenasche sind solche „Naturbestattungen“ überhaupt erst möglich. Das Bestattungsrecht ist in Deutschland Ländersache und somit nicht bundesweit einheitlich geregelt. Jedes Bundesland hat sein eigenes Bestattungsgesetz. Diese unterscheiden sich aber nicht gravierend. In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Es herrscht in Deutschland Friedhofszwang und Beisetzungszwang. Das gilt auch für die Totenasche bei Feuerbestattungen.

Während im Buddhismus (fast) ausschließlich die Feuerbestattung angewandt wird, weil nach dem buddhistischen Glauben sonst keine Wiedergeburt erfolgen kann, ist die Feuerbestattung im Islam absolut tabu. Und auch bei uns haben sich die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, schwer getan die Feuerbestattung zu akzeptieren. Heute liegt der Anteil der Feuerbestattung bereits bei mindestens 50 % bundesweit. In Großstädten teilweise sogar bei bis zu 90 %.

Zurückzuführen ist dies einerseits auf den Wunsch nach „anonymen“ Bestattungen, wobei es in der Regel jedoch eigentlich gar nicht um den Sinn des Wortes „Anonym“ geht, sondern einfach darum dass keine Grabstelle verbleibt, die von Angehörigen (die oftmals weit entfernt wohnen, es aus Altersgründen selbst gar nicht machen können oder auch gar nicht mehr vorhanden sind) gepflegt werden muss. Immerhin beträgt die Ruhezeit mancherorts bis zu 30 Jahre. Und für eine professionelle Grabpflege fallen da schon ein paar Tausend Euro an.

Andererseits sind die Friedhofsbetreiber (in der Regel die Kommunen oder Kirchen) selbst Mitschuld an diesem Trend. Die Friedhofsgebühren steigen in der Regel mindestens alle zwei Jahre an. Und dabei kann es zu drastischen Unterschieden kommen. Der Regelfall ist, je größer die Stadt je teurer die Friedhofsgebühren. Nach der letzten Studie vom Bund der Steuerzahler kostet zum Beispiel ein Reihengrab für eine Erdbestattung im nordrheinwestfälischen Heinsberg 425 Euro, während die gleiche Grabstelle in Arnsberg satte 3.539 Euro kostet. Das ist mehr als das Achtfache für die gleiche Leistung.

Urnengräber sind da deutlich kleiner und preiswerter. Angesichts der hohen Zahl an Arbeitslosen und Geringverdienern (hinzu kommt derzeit auch die Wirtschaftskrise) ist es nicht verwunderlich, wenn dann der Trend zur Feuerbestattung geht. Mindestens die Hälfte aller Feuerbestattungen sind heute Bestattungsarten, bei denen keine Grabpflege mehr anfällt. Es gilt halt Kosten sparen. So genannte Rasengräber sind dabei auf den Friedhöfen die Alternative – entweder als Gemeinschaftsgrab auf einer Wiese oder Rasenreihengräber, die auch eine Namensplatte im Rasen enthalten können.

Da die Friedhöfe diesem Trend heute teilweise begegnen, indem die Urnengräber deutlich mehr im Preis ansteigen, ist eigentlich abzusehen, wann diese sich an die Kosten der Erdbestattungsgräber angepasst haben. Die Folge wird dann sein, dass noch mehr auf die alternativen Naturbestattungen zurückgegriffen wird. Neben der herkömmlichen Seebestattung ist dies in Deutschland vor allem die Waldbestattung in einem FriedWald oder RuheForst. Es muss nicht immer das Ausland sein. Aber in manchen Nachbarländern sind die Bestattungsgesetze viel liberaler und häufig kann man dort über die Totenasche – im Gegensatz zu Deutschland – frei verfügen. Das bringt dann manchmal auch recht sonderbare Bestattungsvarianten hervor, mit denen ausländische Unternehmen dann auch bei uns in Deutschland potentielle Kunden werben. Allen voran die Schweiz und Spanien. Das dabei unsere altbewährte Bestattungskultur auf der Strecke bleibt, ist eine nicht mehr zu verhindernde Tatsache – zumal auch die junge Generation das Thema viel lockerer sieht als die bald ausgestorbene konservative ältere Generation.

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Schlüsselwörter: Bestattung | Bestattungskultur | Erdbestattung | Feuerbestattung | Naturbestattung | Waldbestattung | Urne | Urnen | Totenasche
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