Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Welt

Vor der eigenen Haustür kehren- Afghanistan und die Politik des Westens

Demokratie, so nennt sich das Wort, mit dem moderne Kriegseinsätze begründet werden. Doch wer mit solchen Zielen loszieht, der muss auch mit gutem Beispiel vorangehen.

In Afghanistan unterstützt die Bundeswehr den Antiterrorkampf der Amerikaner, eigentlich zu Recht, denn Zustände, wie sie in diesem Land herrschen möchte niemand, und auch das was in jener Kultur als Recht gilt und wie es angewandt wird, will kein westlicher Staat verbreitet sehen. Und doch, die Staaten sind erpressbar, denn in Zeiten der Krise kann sich leicht verbreiten, was ansonsten kaum möglich wäre. Braunes Gedankengut etwa, Auszüge der Scharia oder deren Genehmigung selbst in westlichen Staaten, man schaue nur nach England. Der Westen ist erpressbar geworden, denn er hat es versäumt seine Zuwanderer zu integrieren, und selbst jene, die man dafür hält, leben in ständigem Zweifel an der Akzeptanz in der neuen Heimat. Hinzu kommen in der 3. Generation junger Zuwanderer Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, der Westen demontiert sich selbst.

Während der Westen nun seine Truppen im Ausland stationiert, vergisst er dabei, dass der Gegner längst über die Waffentechnik verfügt, wie er selbst, in einem Land wie Afghanistan ohnehin, dessen Haupteinnahmequelle noch immer der Drogenhandel sein dürfte. Offensichtlich beim gestrigen Besuch Steinmeiers, denn Nachrichten verbreiten sich schnell, ein Flugplatz ist keine abgeriegelte Zone, dort arbeiten Menschen, Menschen, die in einem solch armen Land vermutlich bestechlich sind und für ein paar Dollar das preisgeben, was geheim bleiben soll, ansonsten unter Androhung von Strafen, denn sie arbeiten für den verhassten Feind.

Die Regierung gestützt aus dem Westen, der den Vormarsch der Taliban stoppen möchte, ein Regime, das würde man die westlichen Truppen abziehen, keine Stunde überleben würde. Unglaubwürdige Ziele ohnehin, denn die, die das kämpfen im Namen der Demokratie, sind sich selbst nicht einig, was das ist.

Einerseits die Bundesrepublik, die aufbauen soll, die Polizeischulungen durchführt, andererseits die USA, die selbst bis vor kurzem folterten, in deren Heimat es die Todesstrafe gibt, zwei Staaten, die auch im Privatbereich Waffenbesitz tolerieren und vor den jeweiligen Lobbys einknicken. Ungleiche, unglaubwürdige Partner, die daherkommen, entwaffnen wollen, Folter und Todesstrafe am liebsten abschaffen würden, so behaupten sie, die also einen Staat komplett umkrempeln würden. Dagegen hingegen Clans, die erpresst und unterdrückt werden, von schwerbewaffneten Taliban, die sich auskennen, die nachts kommen, die zahlen. Ein Land der Berge und Verstecke, riesig.

Rückschritte nach Jahren der Kriegsführung, weit in das Mittelalter hinein, eine Bevölkerung, die überleben muss vom Boden, von Drogen gar, festverwurzelt in Traditionen, ein Land, in dem man hätte gewinnen können, hätte man massiv aufgebaut, die Bevölkerung einbezogen, hätte man das 10 fache an Truppen stationiert.

Derweil ist der Kampf verloren, auch eine Nachstationierung wird keinen Frieden bringen. In Zeiten der Krise überleben diese Menschen von dem, was sie kennen, was sie immer taten, sie wollen Frieden und der erscheint ihnen mit den Taliban näher denn je, und sie werden jene unterstützen, die das Land regieren werden, zieht der Westen ab. Sie werden jene unterstützen, die sich auskennen in den Bergen, die die besseren Karten haben.

Junge perspektivlose Menschen, auch aus dem Westen, sie finden dort Anerkennung und bekämpfen das, was ihnen als Demokratie und Sozialstaat eben nicht das geben kann, was man sich als Elternteil für sein Kind wünscht, eine Perspektive, die Perspektive, die sich all jene erhoffen, die derzeit gegen den Westen kämpfen. Junge Menschen, die nicht einmal mehr der schönen Bilderwelt der Superstars trauen, die keinen Bock haben nachmittags in Fernsehshows aufzutreten, nur um Haare schneiden oder irgendwann Blumen binden zu dürfen, jene Generation, die es satt hat, sich zum Affen machen zu müssen, derweil ihre Großeltern den Ruhestand auf Mallorca verbringen, mit dicken Konten auf einer Niemandsbank, jene, die es nicht ertragen, wenn Oma das dritte Einkaufscabrio braucht. Junge Menschen, denen man vorgaukelt, Bildung sei alles, und sie fänden dadurch den Job, der gerade abgebaut wird. Bildung, die man nach Afghanistan bringt, und die doch schon im Westen nichts garantiert.Die Bildung, mit der eine ganze Generation gerade verliert, und in der es wichtiger denn je ist, aus dem richtigen Elternhaus zu kommen und beste Beziehungen zu haben. Das eben, was andere Systeme ausmacht-Vitamin B und Korruption.

Die Gefahr ist groß, den Kampf um die nächste Generation zu verlieren, auch hier, auch im Westen, die Taliban haben das längst erkannt, und sie brauchen keinen 1. Mai, um Menschen klar zu machen, dass der Westen momentan jungen Menschen keine Perspektive bietet, und im Übrigen Frauen auch nicht, denn diese werden zuerst entlassen, bleiben zu Hause, da Männer im Westen noch immer mehr verdienen. In der Krise zählt jeder Cent.

Wer so unglaubwürdig agiert wie derzeit diese schönen Gelddemokratien in Afghanistan und mit jenen Kriegsbegründungen, wie sie sie angeben, der verpulvert Geld, das anderweitig besser angelegt wäre, im Heimatland, in der eigenen Bildung, bei der eigenen Jugend, und die Taliban brauchen eigentlich nur noch abzuwarten, bis die höher, schneller, weiter Generation „No Chance“ dem Westen um die Ohren haut, und sei es nur beim nächsten oder übernächsten Wahlgang.

©denise-a. langner-urso

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Afghanistan | Taliban | Bundeswehr | Wirtschaft | Wirtschaftskrise | Wahlen | Demokratie | Bildung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.04 Sekunden
38,875,735 eindeutige Besuche