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Medien: Fernsehen

Advokat des Teufels – Skandalöse Urteile vom holländischen TV-Gericht

„Die spinnen die Holländer“ – Papst schuldig an Aids-Toten – Osama bin Laden freigesprochen

Foto: © Invisiblekilla, pixelio
Foto: © Invisiblekilla, pixelio
Beim Lesen solcher Meldungen (Schuldspruch für den Papst – Freispruch für den Top-Terroristen) musste ich ganz spontan an die Gallier Asterix und Obelix denken – und an einen beliebten Spruch, der bei diesen weltweit bekannten, gerne gelesenen und gesehenen Comic-Figuren eine vielfache Verwendung findet (hier in etwas abgewandelter Fassung dann einmal nicht auf die „Römer“ bezogen): „Die spinnen die Holländer“

„Advokat des Teufels“ heißt die in diesen Tagen heiß diskutierte niederländische Reality-Doku, in der von einem TV-Gericht und einer Bürger-Jury Show-Prozesse zu realen Begebenheiten im holländischen Fernsehen (Nederland 2) abgehandelt werden. In der ersten Folge wurde der mutmaßliche Top-Terrorist und Nr. 1 der weltweiten Fahndungsliste Osama bin Laden angeklagt. Die Verteidigung übernimmt jeweils der Amsterdamer Star-Anwalt Gerard Spong. Im ersten Show-Prozess gegen bin Laden bestand die Bürger-Jury aus zwei Frauen und drei Männern. Diese Jury folgte offensichtlich den Ausführungen des Anwalts, nach dem es viele Indizien gäbe, die an der Schuld bin Ladens zu den Anschlägen vom 11. September 2001 genauso zweifeln ließen wie die Behauptung er sei der Gründer und Anführer des Terror-Netzwerkes Al Qaida. In diesen Punkten wurde Osama bin Laden vom öffentlich-rechtlichen holländischen Fernsehen freigesprochen.

Allerdings vertrat die Jury auch die Auffassung, das bin Laden „ein Terrorist ist, der den Islam für persönliche Machtambitionen missbraucht“. Zu den Anschlägen vom 11. September hatte Star-Anwalt Spong unter anderem argumentiert, die Beteiligung Osama bin Ladens als Drahtzieher sei hier „eher eine von westlichen Politikern inszenierte Fiktion als eine bewiesene Tatsache“. Dem folgte die Bürger-Jury offenbar. Nicht folgen konnte die Jury hingegen dem teuren Staranwalt (er verlangt im realen Leben 450 Euro pro Stunde) bei dessen Aussage wonach Osama bin Laden eher als (legitimer?) „Freiheitskämpfer in einem Krieg gegen den Westen“ gesehen werden müsse.

In einer weiteren Folge war Papst Benedikt XVI. vom holländischen Fernsehgericht angeklagt. Es ging um dessen Einstellung zum Aids-Problem und damit um den Vorwurf, dass der Papst Schuld am Tod von vielen Aids-Kranken habe. Diese „Anklage“ hatte sich der Papst selbst zuzuschreiben – nach seinen Äußerungen, die er während seiner Afrika-Reise gemacht hatte (vgl.: „Der Papst, die Kondome und das Aids-Problem (nicht nur) in Afrika“. Hier kam die Bürger-Jury zu der Schlussfolgerung, dass der Papst mit seiner Einstellung Schuld an der Verbreitung des HIV-Virus und in dessen Folge auch Schuld am Tod von Millionen Aids-Toten sei. Das ergab in letzter Konsequenz einen Schuldspruch, der jedoch von der Bürger-Jury nicht einstimmig getragen worden war.

Star-Anwalt Gerard Spong hatte bei seiner Verteidigung vergeblich argumentiert, dass die kath. Kirche Aids-Kranken helfe und sich gegen deren Stigmatisierung ausspreche. Außerdem warnten auch immer wieder Wissenschaftler, dass die ständigen Aufrufe zur Benutzung von Kondomen die Menschen nur indirekt zu riskanten Sex-Praktiken animierten.

Einstimmigkeit herrschte unter den fünf Jurymitgliedern, dass der „Heilige Vater“ wegen Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen zu verurteilen sei. Nur im dritten Anklagepunkt gelang es Spong einen Freispruch zu erwirken. Hier war angeklagt worden, dass sich Papst Benedikt XVI. wegen einer angeblich nur sehr zögerlichen öffentlichen Distanzierung vom Holocaust-Leugner Richard Williamson einer „Legitimierung des Antisemitismus“ schuldig gemacht habe.

Die Papst-Ankläger waren der renommierte Fernsehkorrespondent Aad van den Heuvel und der Moral-Theologe Jean-Pierre Wils. Letzterer war wegen der Williamson-Affäre aus der Kirche ausgetreten.

Derweil hat die holländische TV-Gesellschaft AVRO, die „Advokat des Teufels“ produziert, fünf weitere Folgen dieser heftig umstrittenen Reality-Show angekündigt. – Bleibt abzuwarten, was dabei für ein blühender Unsinn fabriziert wird…

Foto 1: Ground Zero, New York, im Sommer 2008. Fotoquelle: © Invisiblekilla, PIXELIO.de.

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Schlüsselwörter: TV-Gericht | Fernsehgericht | Reality-Doku | Show-Prozess | Al Qaida | Osama bin Laden | Papst Benedikt XVI
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