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Preah Vihear oder Phra Viharn – Kambodscha oder Thailand?

Der Tempelstreit in Südostasien flammte erneut auf und forderte vier Tote bei Feuergefecht

Nachdem sich die erhitzten Gemüter wieder etwas beruhigt hatten, wurde der im Juli 2008 geschlossene Tempel Preah Vihear am 10. Februar dieses Jahres wieder geöffnet und für den Tourismus freigegeben. Die Streitigkeiten hatten letztes Jahr fast einen Krieg zwischen Thailand und Kambodscha ausgelöst. Nun eskalierte die Lage erneut und bei einem Feuergefecht gab es bereits vier Tote.

Foto: © KERTHO, PIXELIO.de
Foto: © KERTHO, PIXELIO.de
Seit 1962, als der internationale Gerichtshof in Den Haag die alte Khmer-Tempel-Anlage Preah Vihear Kambodscha zusprach, ist der Streit um sie immer wieder entbrannt. Und seit dem 7. Juli 2008 gehört diese Anlage offiziell auch zum Kulturerbe der UNESCO. Der kambodschanische und der international anerkannte und benutzte Name für die Tempelanlage ist Preah Vihear. Bei den Thais hieß sie früher Phra Viharn – und so sollte sie, nach dem Willen der Thais, auch heute heißen. In Thailand hat man es nie so ganz akzeptieren können, dass der internationale Gerichtshof damals den ehemals auf der thailändischen Seite der Grenze liegenden Tempel dem Nachbarland zusprach. Dieser Umstand eskalierte im vergangenen Jahr. (s. u.: „Tempelstreit in Südostasien droht zu eskalieren“)

Schließlich hatte sich die Lage wieder beruhigt und das Tempelgelände wurde am 10. Februar 2009 wieder für die Touristen geöffnet. Auch die Medien nahmen so gut wie keine Notiz mehr. Das änderte sich wieder schlagartig am 25. März 2009. Der kambodschanische Armeehauptmann Theam Thy sagte der Nachrichtenagentur AP gegenüber: „Die Lage ist sehr angespannt und beide Seiten bereiten sich auf einen Kampf vor.“ Kurz zuvor, gegen 14.00 Uhr, so hieß es, seien ca. 100 thailändische Soldaten in kambodschanisches Gebiet eingedrungen. Erst nach einem Gespräch zwischen den Kommandeuren beider Länder hätten sich die Thais gegen 17.00 Uhr wieder zurückgezogen.

Diese Meldungen wurden von der thailändischen Armee dementiert. Man habe gar keine 100 Mann am Tempel stationiert, hieß es von Seiten der Thai-Streitkräfte. Doch bereits im Oktober letzten Jahres war es zu einem Feuergefecht beider Staaten am Tempel gekommen. Dabei kamen vier Soldaten ums Leben und einige Thais gerieten in Gefangenschaft. Inzwischen haben wieder die Waffen gesprochen.

Nachdem am 2. April 2009 ein thailändischer Soldat während einer Patrouille auf eine Mine getreten war, die ihm das rechte Bein abgerissen hatte brach auf beiden Seiten eine Schießerei aus. Die Phnom Penh Post berichtete, dass die Thais zuerst schossen und die Kambodschaner lediglich zurück geschossen hätten.

Am 3. April 2009, gegen 7.15 Uhr sollen schließlich wieder thailändische Soldaten auf kambodschanisches Gebiet eingedrungen sein. Und wieder kam es zu einem Feuergefecht. Thailand dementierte und sagte, die Kambodschaner seien es gewesen, die auf thailändisches Staatsgebiet eingedrungen seien. Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, kam es gegen 14.00 Uhr erneut zu Feuergefechten, bei denen zwei Kambodschaner ums Leben kamen. Dies wurde von den kambodschanischen Streitkräften gegenüber der Agentur AFP bestätigt. Später hieß es, dass dabei auch zwei thailändische Soldaten ums Leben gekommen sind. Zudem hatte der kambodschanische Premierminister Hun Sen zuvor mitgeteilt, dass die Soldaten an der Grenze zu Thailand in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden seien.

Die neue Eskalation führte dazu, dass seit dem 3. April 2009 der Eingang zum Tempel Preah Vihear, das Pha Mor E-Daeng Cluff und der Nationalpark Khao Phra Viharn wieder geschlossen wurden. Wie es am 4. April 2009 hieß, habe alles damit angefangen, dass 30 Thai-Soldaten ein von beiden Staaten beanspruchtes Gebiet betreten hatten, um hier Minen zu räumen. Sie wurden von den Kambodschanern zum Rückzug aufgefordert, worauf das Feuergefecht ausbrach, bei dem die beiden Kambodschaner getötet wurden. Die Nachmittagsgefechte seien dann eine Art Rachefeldzug der Kambodschaner gewesen, bei denen sie die beiden Thais töteten und sieben weitere verwundeten. Inzwischen heißt es, das im betroffenen Gebiet am Tempel rund 3000 kambodschanische und 2000 thailändische Soldaten stationiert seien.

Thailands Premierminister Abhisit und Armeegeneral Anupong Paochinda sprachen indessen von einem großen Missverständnis und versuchten so die Gemüter zu beruhigen. In einer Fernsehansprache am Sonntag (5. April 2009) erklärte der Premier: „Das war kein Krieg, das war ein Missverständnis.“ Bereits am Vortag hatte auch sein kambodschanischer Amtskollege Hun Sen öffentlich dazu aufgerufen die Spannungen zu vermindern. Abhisit will nach jüngsten Meldungen auch während des Wirtschaftsgipfels in Pattaya, der am Karfreitag beginnt, mit seinem Kollegen Hun Sen über diese Angelegenheit sprechen. Und am 18. April hat der thailändische Premierminister auch einen Kambodschabesuch ins Auge gefasst. – Bleibt also zu hoffen, dass sich die Lage bald wieder entspannt und Ruhe und Frieden einkehrt…

Das Auswärtige Amt warnt derzeit wie folgt zu Preah Vihear: „Von Reisen in die Grenzregion zu Kambodscha, insbesondere nach Preah Vihear und Umgebung und zu den anderen in diesem Bereich befindlichen Tempelanlagen, wird abgeraten, da die Grenzstreitigkeiten zwischen Thailand und Kambodscha in diesem Gebiet Anfang April 2009 auch zu Gefechten mit toten und verletzten Soldaten geführt haben. Der gesamte Bereich bleibt bis auf Weiteres militärisches Sperrgebiet.“

Das Foto zeigt einen vergleichbaren Tempel bei Angkor (Kambodscha). Fotoquelle: © KERTHO, PIXELIO.de.

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Schlüsselwörter: Preah Vihear | Kambodscha | Thailand | Khmer-Tempel | Tempelstreit | UNESCO | Weltkulturerbe | Konflikt
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