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Lokales: SonstigesMajestätsbeleidigung in Thailand (2)
Noch immer reißen die Schlagzeilen über die Fälle von Majestätsbeleidigungen in Thailand nicht ab. Das Thema kann wohl so schnell auch nicht beendet werden wenn es Gruppierungen gibt, die den Paragraphen 112 offensichtlich als Spielball im Machtpoker verwenden und so für ihre Zwecke missbrauchen…
Hier nun der erste Fall der drei spektakulärsten Fälle der letzten Monate, zu denen es massenhaft Schlagzeilen in der thailändischen und internationalen Presse gab:

Foto: Axel Ertelt
In seiner Gerichtsverhandlung am 19. Januar 2009, zu der er von der Polizei in Gefängnisuniform und mit Fußketten gebracht wurde, wurde Nicolaides nach einstündiger Verhandlung der Majestätsbeleidigung für schuldig befunden. Da er sich schuldig bekannt hatte, wurde das Urteil von sechs(!) Jahren auf „nur“ drei Jahre halbiert. Eine Bewährungsstrafe konnte das Gericht wegen der Schwere des Falles nicht aussprechen, hieß es in diversen Meldungen zum Urteil.
Wenige Tage später meldete sich der australische Außenminister Stephen Smith zu Wort und teilte der Presse mit, dass er sich an das thailändische Außenministerium gewandt habe. Außerdem sicherte er eine „starke Unterstützung“ für Nicolaides Antrag auf eine königliche Begnadigung zu. Dies war allerdings die offensichtlich einzige Aktivität von Seiten der australischen Regierung, die offensichtlich ihre guten Beziehungen zu Thailand schonen wollte. Anders hingegen die Aktivitäten von Seiten der Familie Nicolaides.
So richtete Forde Nicolaides, der Bruder des in Thailand inhaftierten und verurteilten Harry Nicolaides eine eigene Hilfeseite mit dem Titel „Bring Harry Home“ im Internet ein. Hier wurden die Leser gebeten eine Petition zu unterschreiben und auch anderweitig den Fall zu unterstützen. Unter dem gleichen Titel wurde hierzu auch eine Seite bei Facebook eröffnet. Diese Websites brachten dem Fall weltweit noch mehr Publicity als er ohnehin schon hatte. Und auch Premier Abhisit erkannte jüngst, dass die vielen Verhaftungen wegen Majestätsbeleidigungen das weltweite Aufsehen nur noch mehr steigert.
Anfang Februar schrieb Harry Nicolaides in einem Brief über das „Leben im Thai-Knast“ u. a.: „Wir werden um sechs geweckt und in der Zelle gezählt. Meine ist zwölf Meter lang und gut vier Meter breit. 50 bis 60 Gefangene befinden sich darin, die meisten Thais, hauptsächlich Mörder und Vergewaltiger. Die Zelle hat eine Toilette, ein Loch im Boden, und eine schlechte Ventilation. Ich schlafe mit einem Mundschutz, denn Tuberkulose und Lungenentzündungen sind häufig. Ich bin seit meiner Verhaftung im September im Gefängnis, seit fünf Monaten…“ – Unter anderem, so hieß es verschiedentlich in den Presseberichten, säße Harry mit dem Waffenhändler Bout und dem Kinderschänder Neil in einer Zelle.
Dann kam die Wende. Am 17. Februar 2009 hieß es, die Gefängnisbehörde habe eine königliche Begnadigung befürwortet und wolle einen entsprechenden Hinweis an den König weiterleiten. Sobald ein noch fehlender Rechtskraftvermerk des Gerichtes vorläge solle beim Justizminister die Petition eingereicht und an den König weitergeleitet werden. Dieser Rechtskraftvermerk fehle derzeit noch, weil die Berufungsfrist noch nicht abgelaufen sei.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Bereits am 18. Februar sprach der König die Begnadigung aus. Die Freilassung erfolgte zwei Tage später, am 20. Februar 2009. Bis zum Morgen des 20. Februars waren die Unterlagen noch „bearbeitet“ worden. Erst am Abend wenige Stunden vor seinem Heimflug nach Australien, wurde Harry Nicolaides, der bis dahin absolut nichts von seiner bevorstehenden Freilassung ahnte, darüber informiert. Dabei musste er vor einem Portrait des Königs niederknien – eine Art „königliche Audienz“.
Jetzt meldete sich auf einmal auch der australische Außenminister Stephen Smith wieder zu Wort und behauptete, Nicolaides schnelle Freilassung und Abschiebung nach der Begnadigung sei den guten Beziehungen zwischen Australien und Thailand zu verdanken. – Nun ja, wer weiss…
Harry Nicolaides teilte nach seiner Ankunft in Australien mit, dass er nun ein neues Buch schreiben werde – eine Autobiographie über seinen Gefängnisaufenthalt in Thailand. Und weiter: „Ich bin wütend und frustriert und fassungslos, wie ich behandelt wurde. Ich bin müde und erschöpft.“ Sein Vater sagte abschließend: „Ein unglaublicher Stein ist uns vom Herzen gefallen, jetzt, wo wir ihn zurück haben. Wir haben die letzten sechs Monate zwar überlebt, aber wir sind durch die Hölle gegangen.“
In der nächsten Folge lesen Sie: 20 Jahre Gefängnis für Majestätsbeleidigung
Zur Folge 1: „Majestätsbeleidigung – In Thailand drohen hohe Gefängnisstrafen“
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