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Lokales: Sonstiges

Kanchanaburi: Die Brücke am Kwai und die Todeseisenbahn (8)

Das Spektakel der River-Kwai-Woche – Ist ein Neubau der alten Bahnlinie sinnvoll?

Jedes Jahr zur Monatswende November/Dezember wird das River-Kwai-Bridge-Festival (bekannt unter der deutschen Bezeichnung River-Kwai-Woche) veranstaltet. Bei der Brücke am Kwai wird dies mit einer nächtlichen Sound & Light Show gefeiert. Diese Show besteht aus einem großen Spektakel mit Feuerwerk, welches das Kriegsgeschehen verdeutlichen soll. Daneben gibt es Ausstellungen, Sonderfahrten mit Dampfloks, Folklorevorführungen und vieles mehr.

Den Veranstaltern, das sind die Tourism Authority of Thailand (TAT), die Thai Railway und eine Infanterie-Einheit, geht es dabei angeblich um die Verbreitung einer Anti-Kriegsbotschaft – weniger um die dabei erzielten Einnahmen aus dem Touristengeschäft, die sich durchaus sehen lassen können, denn das Touristengeschäft geht gut und steigt in diesen Tagen dramatisch an. Interessenten sollten sich also sehr frühzeitig um entsprechende Unterkünfte bemühen. Schließlich wird auch sonst so einiges geboten. Es gibt neben Ausstellungen von Edelsteinen und Schmuck aus der Kanchanaburi-Provinz auch einen Marathonlauf, eine Wahl der Miss Peace und vor allem etliche Sonderzüge aus Bangkok, die den Touristenstrom zu diesem Spektakel befördern.

Australische Kriegsveteranen haben entsprechend auch bereits mehrmals ihren Unmut zu dieser „kommerz-touristischen Show“ geäußert. Und auch der in Bangkok lebende deutsche Reisebuchautor Rainer Krack hat für diesen Unmut Verständnis und schreibt in seinem „Thailand-Handbuch“ vorsichtig: „Es fragt sich allerdings, ob eine solche Veranstaltung sehr geschmackvoll ist...“

Wer zu dieser Zeit nach Kanchanaburi reist und seine Unterkunft nicht im Voraus gebucht hat, wird sehr schnell feststellen müssen, dass er buchstäblich auf der Straße steht. Eine Chance auch nur ein einigermaßen gutes Zimmer in einem Hotel oder Gasthaus zu bekommen besteht kaum. Selbst bei Reservierungsversuchen, die ein halbes Jahr vorher versucht werden, kann es bereits zu Schwierigkeiten kommen. So empfehle ich Ihnen eine frühzeitige Buchung im Vorjahr.

Seit dem Sommer 1992 gibt es konkretere Überlegungen oder auch Pläne wieder eine Eisenbahnlinie von Thailand nach Myanmar/Burma zu bauen. Wie die thailändische Presse damals berichtete, wurde dies von der Militärregierung in Myanmar vorgeschlagen, die dabei als Hauptvorschlag den Wiederaufbau der „alten“ Linie über Kanchanaburi zum Drei-Pagoden-Pass machte. Myanmar wolle dann für einen Anschluss vom Drei-Pagoden-Pass zur burmesischen Südbahn bis Thanbyuzayat sorgen. Für weitere Gespräche dazu erwartete man in Thailand hohe Beamte aus dem Nachbarland.

Im Jahre 1994 wurde dazu von thailändischer Seite eine belgische Firma beauftragt, die prüfen sollte, ob eine solche Bahnlinie über Kanchanaburi und den Drei-Pagoden-Pass möglich sei. Das wäre dann eine Neuauflage der vollständigen alten Linie der Todeseisenbahn. Die Belgier erteilten dieser Möglichkeit jedoch eine eindeutige Absage. Moralische Gründe und Bedenken für diese Route gibt es sicherlich auch, zumindest aus der Sicht der ehemals am Bau der Todeseisenbahn beteiligten Länder. Doch spielten diese eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sind es „die Schwierigkeiten des Geländes“, die den Ausschlag gaben diese Route zu verwerfen.

Die neuen Überlegungen gehen nun von einem möglichen Bau einer komplett neuen Linie aus, die weiter im Norden des Landes, etwa bei Mae Sot oder Chiang Mai vorbei, nach Myanmar gehen soll. Das Hauptproblem liegt dabei aber auch auf Seiten Myanmars, denn das dortige Eisenbahnnetz stammt noch aus der britischen Kolonialzeit und geht auf das Jahr 1877 zurück. Es wurde bisher kaum notdürftig repariert und instand gehalten, geschweige denn modernisiert, erweitert oder gar erneuert und ausgebaut. Und die herab gewirtschaftete Lage in Myanmar, für die die derzeitige Militärjunta verantwortlich gemacht wird, hat keine finanziellen Mittel um hier etwas zu investieren. Außerdem sind Konflikte und Spannungen zwischen beiden Staaten noch nicht restlos abgebaut.

Zur Todeseisenbahn wäre noch nachzutragen, dass die verantwortliche Militärjunta Myanmars trotz aller finanzieller Probleme dem Bau einer neuen Eisenbahnlinie, egal durch welches Gebiet, nicht gänzlich abgeneigt zu sein scheint. So haben sie bereits mögliche japanische Investoren angesprochen. Doch diese zeigten bisher wenig Interesse an dem Projekt und winkten angesichts der geschichtlichen Ereignisse dankend ab. Damit ist das Thema bisher endgültig vom Tisch. Ob es in Zukunft wieder neu belebt wird, bleibt abzuwarten. Glücklicherweise hat Kanchanaburi außer dieser denkwürdigen Eisenbahngeschichte auch viele andere Sehenswürdigkeiten zu bieten…

(Ende)

Zu Teil 1: „Die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges – Planung und Bau der Todeseisenbahn in Thailand“

Zu Teil 2: „Filmphantasie und Wirklichkeit – Was hat der bekannte Spielfilm mit der Realität gemein?“

Zu Teil 3: „Das JEATH-Museum – Aufarbeitung der Geschichte – Dokumente des Grauens“

Zu Teil 4: „ Weitere (Ge-) Denkstätten des Geschehens – Erinnerungen an eine unrühmliche Vergangenheit“

Zu Teil 5: „Vom Umgang mit den Toten – Kriegsgräberfriedhöfe werden sorgfältig gepflegt“

Zu Teil 6: „Goldfieber“ in Kanchanaburi – Auf der Jagd nach dem Kriegsschatz der Japaner“

Zu Teil 7: „Eine Fahrt mit der Death-Railway – Auf den Spuren der Vergangenheit“

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Schlüsselwörter: Thailand | Kanchanaburi | Brücke am Kwai | Todeseisenbahn | Death Railway | Japan | Eisenbahnlinie | River Kwai Woche
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