Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Lokales: Sonstiges

Kanchanaburi: Die Brücke am Kwai und die Todeseisenbahn (7)

Eine Fahrt mit der Death-Railway – Auf den Spuren der Vergangenheit

Wer all diese geschichtlichen Ereignisse um die Todeseisenbahn und die Brücke am Kwai in Ruhe und Muße überdenken möchte und dabei die beeindruckende, teils heute noch exotische Landschaft Thailands auf sich einwirken lassen will, dem sei eine Eisenbahnfahrt von Kanchanaburi nach Nam Tok mit der Death-Railway empfohlen. Genießen Sie die Fahrt in „vollen Zügen“ – und das durchaus auch im wahrsten Sinne des Wortes – und ohne Unterbrechung. Die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke können sie später noch separat aufsuchen.

Empfehlenswert ist, diese Fahrt an einem Wochentag zu unternehmen, da dann der Zug nicht ganz so überfüllt ist wie die touristischen Sonderzüge am Wochenende oder an speziellen Feiertagen. Der Fahrkartenverkauf am Bahnhofsschalter beginnt etwa eine Stunde vor Abfahrt des Zuges. Im Bahnhof von Kanchanaburi kann man noch relativ sicher sein einen Sitzplatz zu bekommen.

Zu überlegen ist, ob man für diese Tour einen Tagesausflug plant oder ob man eine längere Zeit in Nam Tok verweilen möchte. Egal, wie die Entscheidung auch ausfällt, Sie sollten sich einen Fensterplatz im Zug sichern. Setzen Sie sich bei der Rückfahrt auf die gleiche Seite, damit Sie dann die Landschaft von der anderen Seite der Schienen kennen lernen. Nur so bekommt man einen wirklich vollständigen Eindruck und versäumt nichts.

Die einfache Fahrt von Kanchanaburi nach Nam Tok kostete bei unserer Fahrt 17 Baht, die Hin- und Rückfahrt 34 Baht. Wer unterwegs die Fahrt unterbricht und mit einem anderen Zug weiterfährt, muss allerdings eine neue Fahrkarte lösen.

Wenn Sie einen Tagesausflug nach Nam Tok planen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder geht es Ihnen um die reine Eisenbahnfahrt und Sie fahren mit demselben Zug zurück, oder Sie nehmen morgens den ersten Zug und fahren nachmittags mit dem letzten Zug von Nam Tok nach Kanchanaburi zurück.

Bei der ersten Möglichkeit haben Sie allerdings nur ca. 20 Minuten Aufenthalt in Nam Tok (wenn Sie den Zug um 10.51 Uhr von Kanchanaburi aus nehmen) und sollten sich deshalb nicht vom Bahnhof entfernen. Wählen Sie jedoch die zweite Variante, dann haben Sie schon einige Stunden, um sich in Nam Tok und der Umgebung ein wenig umzuschauen. Viel sehen können Sie dann allerdings trotzdem noch nicht. Um die Sehenswürdigkeiten in und um Nam Tok wirklich kennen zu lernen, sollten Sie einen längeren Aufenthalt vor Ort einplanen.

Der erste Zug von Kanchanaburi nach Nam Tok geht morgens um 6.11 Uhr. Er erreicht Nam Tok gegen 8.40 Uhr. Der letzte Zug aus Nam Tok zurück nach Kanchanaburi geht um 15.15 Uhr. Diesen sollten Sie nicht verpassen, wenn Sie nicht in Nam Tok übernachten wollen. Sie haben dann in Nam Tok knappe fünf Stunden Zeit. Verpassen Sie den ersten Zug am Morgen, dann können Sie noch mit dem zweiten fahren, der um 10.51 Uhr von Kanchanaburi abfährt. Dann haben Sie immerhin noch gut zwei Stunden, um sich im Ort oder der unmittelbaren Umgebung ein wenig umzusehen. Die jeweils aktuellen Abfahrts- und Ankunftszeiten sind, genau wie die aktuellen Preise jeweils am Bahnhof zu erfragen, da sich diese jederzeit ändern können. Es fahren drei Züge am Tag. Der letzte fährt jedoch nicht mehr zurück. Am Wochenende fährt noch ein Sonderzug.

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Nur wenige Augenblicke nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof von Kanchanaburi erreicht man bereits die kleine Bahnstation an der River-Kwai-Brücke. Hier steigen viele Touristen zu, um sich die Fahrt über die Brücke am Kwai nicht entgehen zu lassen. Nur im Schritttempo geht es über die historische und doch kaum beeindruckende Brücke, in deren Mitte der Zug kurz anhält, um den Touristen Gelegenheit für einige Foto- und Filmaufnahmen zu bieten. Danach geht die Fahrt normal weiter.

In meinem Tagebuch unserer Thailand-Reise notierte ich: „Die Fahrt von Kanchanaburi nach Nam Tok dauerte knapp zwei Stunden. Wer allerdings eine abenteuerliche Fahrt über ‚endlos lange Holzviadukte entlang des River Kwai‘ erwartete, der sieht sich (wieder einmal) getäuscht. Diese Viadukte gibt es nur an einer einzigen Stelle mit einer Gesamtlänge von vielleicht gerade einmal zwei Kilometern (inklusive eines dazwischen liegenden Stücks der Strecke ohne Viadukte). Das erste Viadukt, das dann wirklich kommt, ist tatsächlich ein Holzviadukt. (Obwohl es einen recht alten Eindruck erweckt, darf aber angezweifelt werden, dass es sich tatsächlich – wie in einigen Reiseführern beschrieben – um das Originalviadukt aus Kriegszeiten handelt.) Das zweite, erheblich kürzere Teilstück ist ein Betonviadukt.“

Auf der Strecke von Kanchanaburi nach Nam Tok liegt der River Kwai Noi auf der linken Seite. Der Ort mit den Viadukten heißt Wang Po. Sie sind etliche Meter hoch und zum Ufer hin geht es steil nach unten. An der rechten Seite steigt senkrecht der Felsen zerklüftet in die Höhe. Da der Zug hier fast noch langsamer als Schritttempo fährt, kann man den Fels bei ausgestrecktem Arm aus den Fenstern der Waggons heraus berühren – so dicht geht es am Felsen vorbei. Vor Nachahmungen sei jedoch wegen der Unfallgefahr gewarnt.

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Während ich bei meiner Fahrt mit der Todeseisenbahn die Wang-Po-Viadukte passierte, musste ich an die Worte eines holländischen Kriegsgefangenen denken, der hier beim Bau der Bahnlinie von den Japanern eingesetzt worden war: „Es verging kaum ein Tag, an dem wir nicht einen von uns begraben mussten. Jeden Tag setzten die Japaner die Arbeitsnorm höher. Schläge gehörten zur Tagesordnung...“

Kurz vor den Wang-Po-Viadukten befindet sich die kleine Bahnstation Tham Krasae. In der Nähe befindet sich die Krasae-Höhle, die während des Krieges als Versorgungsstation genutzt wurde und in der sich heute auch eine Buddhastatue befindet.

Von den verschiedensten Reisebüros und Travel-Agenturen in Bangkok werden Tagesausflüge nach Kanchanaburi und/oder Nam Tok angeboten. Diese sind zwar in der Regel recht preisgünstig, aber völlig ungeeignet, wenn man wirklich etwas sehen und erleben will. So bietet die Train Travel Tour Co. Ltd. (378 Tharur, Tambon Thama Kharm, Kanchanaburi, ein so genanntes „Trans-River Death Railway Programm“ für nur 100 Baht an, das die Busfahrt inklusive Kaffee und Soft-Drinks sowie eine kurze Fahrt mit dem Zug über die Brücke am Kwai und die Viadukte enthält.

Nur kurze Zwischenstops für Souvenirkäufe bei solchen Händlern, von denen die Veranstalter auch ihre Provision bekommen (anders wäre der günstige Preis nicht machbar), sind eingeplant. Vom eigentlichen Leben der Bevölkerung und dem eigentlichen Reiz der Landschaft bekommt man dabei kaum etwas mit. In rasender Fahrt geht es über die Piste, um rechtzeitig den Zug an der letzten Station vor den Viadukten einzuholen. Dort entlassen zahlreiche kleine und große Busse massenweise ihre Fahrgäste, die nun den Zug „überfallen“. Wohl dem, der die Reise von Anfang an per Bahn gemacht hat und nun gemütlich auf seinem Sitzplatz am Fenster sitzt, denn mindestens 90 % der einströmenden Bus-Touris stehen in den Gängen der Waggons, dicht gedrängt – wie Sardinen in der Dose – und kaum den Platz zum Atmen. Offensichtlich, dass bei der Fahrt über die Viadukte von hier aus so gut wie gar nichts zu sehen ist. Der Frust steht dann den enttäuschten Bustouristen förmlich ins Gesicht geschrieben.

An der nächsten Station heißt es für diese Leute wieder aussteigen. Die übrigen Zuginsassen können wieder aufatmen. Der Zug hat sich noch nicht wieder in Bewegung gesetzt, da rasen die ersten Busse weiter. Die Zeit ist knapp und die ersten Souvenirläden warten auf die Businsassen. Wer hier zuerst ankommt, hat die besten Chancen auch als erstes dort wieder wegzukommen und das knapp bemessene Programm der Bustour doch noch vollständig zu schaffen.

Zum Programm gehört (allerdings nur während der River-Kwai-Woche) auch ein Besuch der Licht & Ton Show – die sowieso von jedem kostenlos miterlebt werden kann. Das Fazit, aus diesen Erfahrungen zu den Bustouren, fällt ein absolutes Negativurteil über diese Art des Tourismusangebotes mit viel Stress und nur wenigen kurzen und vor allem unvollständigen Blicken auf Bruchteile der wirklichen Sehenswürdigkeiten.

Ein Tagesausflug mit dem Wochenendsonderzug von Bangkok nach Nam Tok ist ebenso wenig zu empfehlen, da auch hier nicht einmal Zeit genug bleibt um die wichtigsten historischen Stätten der Geschichte der Todeseisenbahn aufzusuchen – geschweige denn noch andere touristische oder sehenswerte Ziele.

Der Ausgangspunkt für eine Ganztagestour, die von der staatlichen thailändischen Eisenbahngesellschaft an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen angeboten wird, ist der Bangkoker Bahnhof Hualampong in der Krung Kasem Road. Stationen der Reise sind der große Chedi in Nakhon Pathom, die River-Kwai-Brücke, der alliierte Kriegsfriedhof in Kanchanaburi und der Khao Phang Wasserfall bei Nam Tok...

Lesen Sie in Kürze im letzten Teil (8): „Das Spektakel der River-Kwai-Woche – Ist ein Neubau der alten Bahnlinie sinnvoll?“

Zu Teil 1: „Die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges – Planung und Bau der Todeseisenbahn in Thailand“

Zu Teil 2: „Filmphantasie und Wirklichkeit – Was hat der bekannte Spielfilm mit der Realität gemein?“

Zu Teil 3: „Das JEATH-Museum – Aufarbeitung der Geschichte – Dokumente des Grauens“

Zu Teil 4: „ Weitere (Ge-) Denkstätten des Geschehens – Erinnerungen an eine unrühmliche Vergangenheit“

Zu Teil 5: „Vom Umgang mit den Toten – Kriegsgräberfriedhöfe werden sorgfältig gepflegt“

Zu Teil 6: „Goldfieber“ in Kanchanaburi – Auf der Jagd nach dem Kriegsschatz der Japaner“

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Thailand | Kanchanaburi | Todeseisenbahn | Death Railway | Brücke am Kwai | Nam Tok
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
40,064,406 eindeutige Besuche