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Kanchanaburi: Die Brücke am Kwai und die Todeseisenbahn (6)

„Goldfieber“ in Kanchanaburi – Auf der Jagd nach dem Kriegsschatz der Japaner

Praktisch bereits seit Kriegsende gab es immer wieder Spekulationen und Gerüchte, wonach die Japaner unter General Yamashita vor ihrem Truppenabzug aus Thailand mindestens einen ganzen Zug mit Waffen und Kriegsbeute versteckt haben. Nach der Gerüchteküche soll es sich dabei unter anderen Dingen auch um einen erheblichen Goldanteil handeln. Das Versteck, so wird vermutet, muss irgendwo entlang der ehemaligen Strecke der Todeseisenbahn, zwischen der Provinzhauptstadt Kanchanaburi und dem Drei-Pagoden-Pass, liegen.

Jahrzehntelang wusste niemand so recht, wo er eigentlich mit der Schatzsuche beginnen sollte. Und so schlief die ganze Diskussion darum wieder ein. Das blieb solange so, bis gegen Ende des Jahres 1995 per Zufall kurz vor dem Drei-Pagoden-Pass ein Bahngleis gefunden worden sein soll, das in der Vegetation des Dschungels bisher unentdeckt war. Darüber berichteten im Dezember 1995 thailändische Medien und im Januar 1996 auch einige deutschsprachige Fachpublikationen zu Thailand.

Das Gleis, so die Berichte, führt angeblich zu einer verschlossenen Höhle, die bisher entweder unbekannt oder aber in Vergessenheit geraten war. Unter Aufsicht von Regierungsbeamten und in Anwesenheit von zahlreichen Journalisten sollte dann diese Höhle Ende Dezember 1995 geöffnet werden. Die Meinungen gingen weit auseinander. Es gab Gegner und Befürworter.

Wie die ehemalige, von Nicolas Piatti herausgegebene, Schweizer Zeitschrift „SIAM POST“ im Januar 1996 berichtete, haben die verschiedensten offiziellen Stellen in Thailand mitgeteilt, dass das inzwischen in der Provinz Kanchanaburi eingetretene „Goldfieber“ geradezu „epidemische Proportionen“ angenommen habe. Betroffen wurde davon vor allem das Gebiet um Thong Pha Phum. Das liegt ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen Nam Tok, wo heute die Bahnlinie endet, und dem Drei-Pagoden-Pass, am Südende des Khao Laem Stausees.

Wie die meisten erwartet hatten, blieben die ersten Tage der Schatzsuche ohne jeden Erfolg. Auch seitdem gibt es bisher keine positiven Meldungen über einen entsprechenden Fund. Dennoch hält das „Goldfieber“ weiterhin an.

Chaowarin Latthasaksiri, seines Zeichens zum damaligen Zeitpunkt thailändischer Erziehungsminister, wurde als Leiter der Schatzsuche eingesetzt. Trotz der ersten Fehlschläge verlängerte er die Suche nach dem legendären Schatzzug um zwei Wochen. Man war überzeugt, den versteckten Zug irgendwann doch noch in der Nähe des Lijia-Tempels zu finden. Latthasaksiri meinte, es sei seine Pflicht den Schatz zu suchen, zu finden und dann dem thailändischen Volk zu präsentieren. Auch will er Hinweise auf einen weiteren Schatz dieser Art bekommen haben und die Suche auf ein anderes Gebiet ausdehnen. Nach Aussagen des Erziehungsministers wird der Schatz, sollte er denn doch existieren und noch gefunden werden, „auf keinen Fall an Japan übergeben“. Damit wurde auch eine diesbezügliche Frage japanischer Journalisten beantwortet.

Etliche Hundert Einwohner der vom „Goldfieber“ betroffenen Region betätigen sich seitdem immer wieder als private Schatzsucher. So hoffen die Ärmsten von ihnen bei einem eventuellen Fund etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Auch Plodprasop Suraswadi, Abteilungschef der staatlichen Forstverwaltung, meldete sich zwischenzeitlich zu Wort und wollte die Lijia Höhle aufbohren lassen. Dadurch wollte er eine Sprengung des Höhleneingangs verhindern, die im Gespräch war und unermesslichen Schaden im Khao Laem Nationalpark hätte anrichten können.

Auslöser des „Goldfiebers“ war eine Bewohnerin von Thong Pha Phum. Sie will das „Geheimnis“ von ihrem japanischen Ehemann erfahren haben, der vorgab noch 11 weitere Orte zu kennen, an denen die Japaner damals ihre Kriegsbeute versteckt haben. Greepoy Sangsai, ein beim Ausbruch des „Goldfiebers“ 77jähriger ehemaliger Zwangsarbeiter an der Todeseisenbahn bestreitet allerdings die Möglichkeit solcher versteckten japanischen Kriegsschätze. Sowohl damals, beim Bau der Strecke, als auch in den Jahrzehnten danach, in denen er in der Gegend lebte, habe es niemals Hinweise auf so etwas gegeben. Der gleichen Ansicht ist auch der 11 Jahre ältere Niaprathuang Jungkung, der während des Krieges Esswaren an die Japaner verkaufte. Er behauptete sogar, dass es in dem betreffenden Gebiet gar keine Höhlen gebe, und dass die ehemalige Strecke der Todeseisenbahn „nur“ ein Ausweichgleis gewesen sei. Diese beiden Aussagen entsprechen allerdings nachweislich nicht den Tatsachen. Und so grassiert das „Goldfieber“ weiter.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand das „Goldfieber“ im Sommer 2000. In einer Höhle in der Region um Sangla Buri starben sechs von sieben privaten Schatzsuchern, als sie in der engen Höhle stecken blieben, an Sauerstoffmangel. Nur dem Siebten gelang es sich zu befreien und die Behörden zu alarmieren.

Anbetracht dieses tragischen Unglücks räumte der ehemalige Minister Chaowarin Latthasaksiri inzwischen ein, dass die Angelegenheit wohl doch nur ein Gerücht sei. Ob das weitere Schatzsucher abhält, ist fraglich und die Zukunft wird wohl noch weitere Opfer fordern.

Wie die Bild-Zeitung berichtete, gab es in der zweiten Märzwoche des Jahres 2001 eine erneute Expedition, die sich auf Schatzsuche begab. Sie soll angeblich aus Mönchen, Geologen und Soldaten der thailändischen Armee bestanden haben. Rund sechs Wochen später berichtete Bild wieder zum Thema. Demnach soll einer der „Schatzsucher“, behauptet haben: „Wir fanden Gold, daneben lagen Skelette, in ihren Rippen stecken noch die Selbstmord-Dolche.“ Es wurde dann spekuliert, dass es sich bei den Leichen um japanische Soldaten handelte, die den Schatz bewachten und nach der Kapitulation Japans Selbstmord begingen. Auch Thailands damaliger Regierungschef, Thaksin Shinawatra, soll laut Bild-Zeitung vom 19.04.2001 vor Ort gewesen sein. Zu seiner Schatzsuche stellte er einigen Quellen zufolge ein 60köpfiges Team zusammen, das aus Soldaten, Forstbeamten, Bergbauingenieuren und Wissenschaftlern bestanden haben soll. Rund 400 Polizisten und Forstbeamte sperrten dabei das Gebiet um die Höhle ab. Thaksin sagte: „Wenn der Schatz existiert, tilgen wir unsere Staatsschulden. Wenn nicht, haben wir zumindest eine neue Touristenattraktion.“

Dann grassierten plötzlich auch Gerüchte, woraus sich der Schatz zusammensetzen soll. Da war die Rede von umgerechnet 120 Milliarden DM in US-Staatsanleihen, 25 Tonnen Gold und Kisten mit Goldmünzen. Das alles soll in alten, rostigen Eisenbahnwaggons deponiert sein, die in einem Versteck in der Höhle des Wat Lijia stehen. Soviel Aufwand auch betrieben wurde, weitere Details oder gar ein Ergebnis dieser Expeditionen wurden bis heute leider nicht bekannt.

Angeblich sollten die US-Staatsanleihen, teilweise auch als „Schatzanweisungen“ betitelt, im Wert zu je 100 Millionen Dollar gewesen sein. Als US-Schatzanweisungen gab es diesen Wert jedoch nie. Merkwürdig ist auch, dass die Amerikaner niemals einen Verlust in dieser Höhe bemerkten. Außerdem haben Schatzanweisungen nur eine Laufzeit von 30 Jahren und wären längst verfallen gewesen bemerkte Günther Ruffert. Er verwies weiterhin darauf, dass kurz zuvor auf den Philippinen ein ähnlicher Schwindel aufgeflogen sei, wo behauptet worden war, dass ein Gebirgsstamm in einem 1945 abgestürzten Bomber solche Wertpapiere in Höhe von jeweils 100 Millionen Dollar gefunden habe. Die Fotos dieser angeblichen Wertpapiere sahen genauso aus, wie die angeblichen Staatsanleihen aus dem ebenso angeblichen Goldschatz in Kanchanaburi.

Lesen Sie in Kürze in Teil 7: „Eine Fahrt mit der Death-Railway – Auf den Spuren der Vergangenheit“

Zu Teil 1: „Die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges – Planung und Bau der Todeseisenbahn in Thailand“

Zu Teil 2: „Filmphantasie und Wirklichkeit – Was hat der bekannte Spielfilm mit der Realität gemein?“

Zu Teil 3: „Das JEATH-Museum – Aufarbeitung der Geschichte – Dokumente des Grauens“

Zu Teil 4: „ Weitere (Ge-) Denkstätten des Geschehens – Erinnerungen an eine unrühmliche Vergangenheit“

Zu Teil 5: „Vom Umgang mit den Toten – Kriegsgräberfriedhöfe werden sorgfältig gepflegt“

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Schlüsselwörter: Thailand | Kanchanaburi | Brücke am Kwai | Todeseisenbahn | Death Railway | Japan | Zweiter Weltkrieg | Goldfieber | Kriegsbeute
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