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Lokales: Sonstiges

Kanchanaburi: Die Brücke am Kwai und die Todeseisenbahn (5)

Vom Umgang mit den Toten – Kriegsgräberfriedhöfe werden sorgfältig gepflegt

Während die Japaner damals mit den verstorbenen alliierten Kriegsgefangenen noch annähernd human umgegangen sein sollen, wurden die einheimischen Kulis an den Stellen regelrecht verscharrt, an denen sie gerade ihr Leben gelassen hatten. Für sie gibt es nirgends eine Gedenkstätte, einen Krieger- oder Ehrenfriedhof. Und das, obwohl ihre Zahl mindestens sechsmal so hoch wie die der alliierten Gefallenen ist.

Noch immer werden viele Menschen vermisst, deren Schicksal bis heute ungeklärt ist. Und noch immer kommt es vor, dass aus dieser Zeit des Grauens neue Gräber – auch Massengräber – entdeckt werden. Das spektakulärste Ereignis dieser Art geschah im Jahr 1990, als in der Provinz Kanchanaburi, unweit der Eisenbahnlinie, auf dem heutigen Gelände einer Zuckerrohrplantage, ein Massengrab mit mehreren Hundert Skeletten gefunden wurde. Alle Umstände deuten daraufhin, dass es sich um asiatische Kriegsgefangene der Japaner handelte.

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Thailändische Regierungsbeamte teilten am 18. November 1990 der Presse offiziell mit, „die sterblichen Überreste von ein paar Hundert Menschen“ seien bereits ausgegraben. Sie lagen weniger als 1 m tief in der Erde. Nach Santi Assawaseeyotin, einem Sprecher der thailändischen Kriegsgräberfürsorge, habe man „auch Knochen von Kindern gefunden“. Nach dem Zustand der Leichenteile mussten diese zwischen 40 und 50 Jahren hier gelegen haben. Die Bangkok Post meldete, dass ebenfalls in Japan und China hergestelltes Kochgeschirr mit der Einprägung „1939“ gefunden wurde und der heutige Besitzer der Plantage verwies darauf, dass am Fundort damals ein Lazarett für die Zwangsarbeiter gestanden habe.

Die ums Leben gekommenen alliierten Kriegsgefangenen, die als Zwangsarbeiter an der Todeseisenbahn eingesetzt waren, liegen heute zum Teil auf den beiden alliierten Kriegsfriedhöfen. Einer davon befindet sich unmittelbar neben dem Ortsfriedhof an der Hauptdurchgangsstraße der Provinzhauptstadt Kanchanaburi, die, parallel neben der Eisenbahnlinie, zur Brücke am Kwai führt.

Hier ist der größere der beiden War Cementerys, der Kanchanaburi War Cementery, mit 6.982 Gräbern. In 3.568 von ihnen liegen Briten, in 1.896 Holländer, in 1.362 Australier, in 104 Malaien und in den restlichen 52 Gräbern befinden sich Kanadier, Neuseeländer, Burmesen und Inder. (Abb. 1)

Der deutlich kleinere der beiden Friedhöfe ist der Chungkai War Cementery. Er liegt auf der anderen Seite des Flusses an der Stelle des ehemaligen japanischen Gefangenenlagers Chungkai. Den Fluss überquert man mit der Fähre für wenige Baht, um den Friedhof zu erreichen. Auf diesem befinden sich weitere 1.740 Gräber. (Abb. 2)

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Beide Friedhöfe werden von der Commonwealth War Graves Commission betreut. Sie machen einen sehr sauberen Eindruck und erhalten täglich Pflege. Hier können die Angehörigen der Gefallenen die Gräber besuchen. Leider sind die Friedhöfe, zumindest der Kanchanaburi War Cementery, aber inzwischen auch von Touristenströmen völlig überlaufen, die hier eher auf der Jagd nach Sensationen als nach Gedenken sind. Geht man durch die Gräberreihen, kommt einem das Grauen angesichts des Alters derjenigen, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Die meisten haben kaum ein Alter von 30 Jahren erreicht, und nur wenige Gräber findet man, in denen Menschen liegen, die älter als 40 Jahre wurden.

Der Chungkai War Cementery wird von einem älteren Herrn namens Khun Rung gepflegt und instand gehalten. Hier liegen auch zwei amerikanische Freunde von ihm, die er während des Krieges kennen gelernt hatte. Die thailändische Rockgruppe Caravan griff die Geschichte von Khun Rung und seinen amerikanischen Freunden auf und verarbeitete sie zu einem Song mit dem Titel „Taa Rung“, was zu Deutsch soviel wie „Der alte Herr Rung“ heißt.

Außer den beiden amerikanischen Freunden des Herrn Rung sind die anderen amerikanischen Kriegsgefangenen, die hier ihr Leben ließen, zum großen und weltbekannten Arlington Cementery in Washington D.C. überführt worden, wo sie mit militärischen Ehren beigesetzt wurden.

Trotz aller Grausamkeiten des Krieges beim Bau der Todeseisenbahn gibt es aber auch heute noch immer wieder rührende Szenen der „Versöhnung am River Kwai“. Über eine davon hat auch die deutsche Thailand-Fachzeitschrift SIAM-JOURNAL berichtet:

„Rund 50 Jahre nach dem Bau der spektakulären River-Kwai-Brücke durch von Japanern intervenierte Kriegsgefangene begegneten sich die ehemaligen Kriegsgegner Takashi Nagase (Japan) und Eric Lomax (Großbritannien) am Kwai. Lomax gehörte zu den Gefangenen, die an der Brücke arbeiteten, und Nagase war Dolmetscher, der bei den Misshandlungen der Gefangenen zugegen war. Der Japaner entschuldigte sich bei seinem früheren Gegner und reichte die Hand zur Versöhnung, die der Brite dankend entgegen nahm.“

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Schlüsselwörter: Thailand | Kanchanaburi | Brücke am Kwai | Todeseisenbahn | Death Railway | Japan | Zweiter Weltkrieg
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