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Lokales: SonstigesKanchanaburi: Die Brücke am Kwai und die Todeseisenbahn (2)
Die weltbekannte Hollywood-Verfilmung des Regisseurs David Lean aus dem Jahre 1956, mit Alec Guiness als Oberst Nicholson in der Hauptrolle, der zu den Klängen des River Kwai Marsches seine englischen Soldaten im Gleichschritt in das japanische Lager marschieren lässt, hat allerdings, außer dem eigentlichen Thema, wenig gemein mit der Realität. Produziert wurde er von dem jüdischen Emigranten Sam Spiegel aus Berlin für die Columbia. Wer den Film gesehen hat und nun vor der Originalbrücke steht, wird sicherlich seine Enttäuschung kaum verbergen können. Von der imposanten Holzkonstruktion der Filmbrücke keine Spur – und auch die Landschaft stimmt überhaupt nicht mit der Wirklichkeit überein. Während die Filmbrücke, für die 550 Bäume gefällt werden mussten, über eine tiefe Schlucht führte, ist die reale Landschaft bei Kanchanaburi noch relativ eben. Kein Wunder, wurde der Film doch auf Sri Lanka gedreht – und nicht am Originalschauplatz. Die Filmbrücke stellte seinerzeit das größte Brückenbauwerk Sri Lankas, das damals noch Ceylon hieß, dar. Für den Bau waren acht Monate benötigt worden.
Auch die Szene am Ende des Filmes, in der der sterbende Oberst Nicholson die von den Engländern erbaute Brücke innerhalb von 30 Sekunden sprengt, hat absolut nichts mit den tatsächlichen, geschichtlichen Ereignissen zu tun! In der Wirklichkeit wurde die Brücke von den alliierten Bombern zerstört. Als Spielfilm ist die Verfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Boulle (Originaltitel: „Le Pont de la Rivière Kwai“), der zum Bestseller wurde, ja nicht unbedingt schlecht, aber als geschichtliches Dokument ist er jedoch vollkommen wertlos.
Viele Touristen, die (oft nur bei Tagesausflügen von Bangkok aus) die Brücke am Kwai besuchen, verkünden dann offen ihre Enttäuschung. Der Düsseldorfer Asienkenner Paul Boden schrieb in einem Thailand-Reisebericht in der Zeitschrift SIAM-JOURNAL dazu:
„Im vorigen Jahr erzählte mir in meinem Hotel in Bangkok eine deutsche Touristin, dass sie von einer organisierten Bus-Tagesfahrt von Bangkok zur River Kwai Brigde ziemlich enttäuscht gewesen sei. Am Ziel der Reise, der besagten River Kwai Brigde, habe sie nichts von dem historischen Hauch verspürt mit dem ihre Erinnerung an den gesehenen gleichnamigen Film noch verbrämt war.
Was der gesehene Film – so scheint mir – an Erinnerungen gespeichert hatte und was sich in der ca. dreistündigen Hinfahrt an Erwartungen aufbaute, konnte in nur fünf Stunden dort sein schwerlich erfüllt werden und machte Freiräume für Unzufriedenheit.“
Paul Boden, der im Februar 1996 Kanchanaburi und die Brücke am Kwai besuchte, beschreibt seinen eigenen ersten Eindruck in seinem Bericht ähnlich: „Hier war sie also, die berühmt berüchtigte River Kwai Bridge. Eine nüchtern sachliche Stahlkonstruktion, die für die vormaligen Filmbesucher, die im damaligen Film eine Holzkonstruktion gesehen hatten, ernüchternd und enttäuschend wirkte.“
Viele alte Kriegsveteranen, die beim Bau der Todeseisenbahn eingesetzt waren, beklagen zum Film vor allem, dass er die unsäglichen Leiden der Arbeitssklaven fast vollkommen unterschlägt. Außerdem missfällt ihnen die Tatsache, dass um den Film herum so ein großer Kult entstanden ist.
Trotzdem wurde der Film ein Welterfolg. Die drei Millionen US-Dollar Kosten spielte er in der ersten Staffel schon zehnfach wieder ein. Außerdem bekam er bereits 1957 sieben Oscars (u. a. als bester Film, für die beste Regie, die beste Kamera, das beste Drehbuch, für Alec Guiness als besten Darsteller und schließlich für die beste Filmmusik: den „River Kwai Marsch“, der im Original „Colonel Bogey Marsch“ heißt).
Lesen Sie in Kürze in Teil 3: „Das JEATH-Museum – Aufarbeitung der Geschichte – Dokumente des Grauens“
Zu Teil 1: „Die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges – Planung und Bau der Todeseisenbahn in Thailand“
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