Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Lokales: Sonstiges

Tetra-Pak - Irgendwie clever?

Die Anfänge der Milchproduktion anhand von Kleinbauereien im ländlichen Thailand

Seit dem letzten Jahr ist Milch immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. Sei es der chinesische Milchskandal, der weltweite Folgen hatte oder jüngst die verdorbene Schulmilch in Thailand. Dieser Bericht soll anhand von Beobachtungen in Tapsong (Provinz Chantaburi) zeigen, wie in Thailand die ländliche Bevölkerung in den 90er Jahren mit dem aufkommenden Milchboom hier ihre Chance sah und was letzten Endes daraus geworden ist.

Eine der auffälligsten Veränderungen bei meinem Thailand-Urlaub im Jahre 1995, war das zahlreiche Vorhandensein von Milchkühen – ein Faktum, das noch zwei Jahre zuvor nahezu unbekannt war. Entsprechend war im ländlichen Thailand bis dato auch die Frischmilch-Produktion und deren Verbreitung in den gesamten ländlichen Regionen des Landes so gut wie nicht zu finden. Gab es doch allenfalls konzentrierte Dosenmilch, die überwiegend in dem thai-dänischen Industriebetrieb Thai-Danish-Dairy-Farm produziert wurde.

Dann kam die große Wende in den Jahren 1994/95. Hatten bis dahin fast ausschließlich die Wasserbüffel das Bild der kleinbäuerlichen Familien geprägt, so hatte sich dies bis zum Sommer 1995 grundlegend in eine Milchkuhhaltung nach westlichem Vorbild geändert. Viele Familien sahen darin eine Chance ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder zumindest aufzubessern. Der durchschnittliche Kuhbestand lag seinerzeit bei etwa fünf bis sechs Milchkühen. Jeden Abend kam damals ein LKW nach Tapsong, um von den Kleinbauerfamilien die Milch abzuholen.

Mit den Kühen kam aber auch ein Umweltproblem auf die Bewohner zu. Die Exkremente der Kühe verschmutzten die Landschaft bis hin zu den Häusern der Familien und nicht selten sah man die kleinen Kinder unmittelbar neben wahren Gülleseen spielen, die zudem auch eine Grundwasserverseuchung heraufbeschworen.

Das Erste, das mir an Veränderungen in Tapsong auffiel, als ich im Sommer 1997 wieder hierher kam, war die Tatsache, dass der Bestand an Milchkühen drastisch abgenommen hatte und bei vielen ehemaligen Kleinbauerfamilien ganz verschwunden war. Meine erste Vermutung, dass sich nun einige Großbauerbetriebe entwickelt hätten, die die Kleinen nahezu verdrängt hatten, bestätigte sich nicht. Anstelle des früheren LKW's, der die Milch holte, kam nun nur noch ein kleiner Pick-Up. Das bestätigte mir dann endgültig die rückläufige Entwicklung der Milchkuhhaltung in dieser Region.

Was war geschehen, das diese Entwicklung hervorgerufen hatte? Die Erklärung, die ich schließlich dafür bekam, war ebenso erschreckend wie brisant – und scheinbar auch so vertraut bekannt aus der Heimat (= Europa). Die Kleinbauern hatten an ihre Kühe u. a. auch industrielles Tierfutter verfüttert, das aus Tiermehl hergestellt oder zumindest mit solchem versetzt worden war. Später erkrankte eine Großzahl der Kühe und starb. Dies war ein großer Verlust, der vom größten Teil der betroffenen Kleinbauern nicht wieder ersetzt werden konnte. Im Gegenteil, für die meisten Bauernfamilien war es eine ernste Existenzgefährdung, da sie sich das Geld für die Kühe geliehen hatten. Nun waren die Kühe tot und damit gab es auch keine Möglichkeit mehr das Geld für die Tilgung der Schulden für die Anschafung der Tiere zu verdienen.

Verglichen wurden die Umstände von den Betroffenen mit der BSE-Seuche in Europa. Die hatte sich auch bis in die hintersten Winkel Südostasiens herumgesprochen. Ob es sich beim Milchkuhsterben in Thailand wirklich um BSE oder eine artverwandte Krankheit handelt, konnte bis dato nicht einwandfrei nachgewiesen werden. Die Folgen waren jedoch ähnlich wie bei uns und zumindest genauso konsequent: Rindfleisch war so gut wie nirgends mehr auf den Märkten der Umgebung zu finden! Keiner wollte es mehr essen.

Im Gegensatz zum Rindfleischmarkt boomte allerdings die Milchindustrie weiter. Vor allem Frischmilch nach europäischem Standard wird inzwischen auch in jedem kleinen „Tante-Emma-Laden“ auf dem Land angeboten. Eine Tatsache, die noch zwei Jahre zuvor nicht gegeben war.

Neben der ursprünglichen thai-dänischen Produktionsfirma, der Thai-Danish-Dairy-Farm, gab es inzwischen mindestens drei weitere Milchproduzenten, die ihre Milch als Produkt hier vermarkten. Zwar spricht die Werbung davon, dass es die Frischmilch auch in 250ml Flaschen gibt, doch diese suchte ich vergeblich. In der Region gab es ausschließlich Frischmilch im Tetra-Pak.

Bei uns mit dem „Grünen Punkt“ ausgestattet soll eine Wiederverwertung des „Tetra-Verpackungsmülls“ gewährleistet werden. Das funktioniert aber nur dann, wenn alle mitmachen und den „Tetra-Müll“ in die entsprechenden Sammelbehälter und Wertstoffzentren bringen. Aber das wird wohl auch bei uns in Deutschland niemals vollständig funktionieren. Wie aber soll es dann im ländlichen Thailand eine vernünftige Entsorgung und Wiederverwertung dieses „neuen“ Mülls geben? In Tapsong gibt es ja nicht einmal eine Müllabfuhr. Was geschieht denn hier mit dem Müll? Trotz großer öffentlicher Kampagnen (vor allem im TV) landet der Müll auf dem Land doch überwiegend noch dort, wo er schon immer landete: in der Landschaft. Er wird eben dort entsorgt, wo er gerade anfällt.

Im Interesse unserer Umwelt wollte man bei uns vor Jahren, vor allem bei Getränken, von der Einwegverpackung weg zur Mehrwegverpackung (= Mehrwegflasche). So hörten wir immer wieder – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite wurde uns vor allem im Werbefernsehen immer wieder, anhand von lustigen Werbespots, vorgemacht, wie gut doch diese Einwegverpackungen für Getränke sind. Es hieß dann: „Tetra-Pak – Irgendwie clever!“ Diese Tetra-Pak-Verpackungen sind ausgezeichnet mit dem „Grünen Punkt“ und können recycelt werden – wenn dann alle mitmachen, damit die Verpackungen auch tatsächlich der Wiederverwertung zugeführt werden können. Inzwischen ist der Tetra-Pak auch in Thailand auf dem Vormarsch. Doch hier gibt es dafür keine Wiederverwertung. Tetra-Pak - Irgendwie clever? - Oder was?

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Thailand | Tapsong | Tetra-Pak | Umweltbelastung | Umwelt | Abfall
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.04 Sekunden
38,083,650 eindeutige Besuche