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Lokales: Sonstiges

Schlangen im Haus – Auf dem Land in Thailand keine Seltenheit

Wenn der Artenschutz kein Thema ist: Ein Farang-Erlebnis im ländlichen Thailand

Am Vorabend: Völlig durchgeschwitzt und erschöpft von einer 14stündigen Tour nach Lophburi zum Wat Phra Buddha Badh mit dem berühmten Fußabdruck Buddhas und dem weltbekannten „Drogenentzugs-Tempel“ Wat Tham Krabok waren wir gegen 22.30 Uhr zurückgekommen. Nun war Duschen angesagt und danach ab ins Bett.

Während des Tages war im Haus eine neue Wasserleitung mit Handdusche verlegt worden, die wir bei dieser Gelegenheit ausprobieren wollten. Abgesehen davon, dass die Handdusche defekt war und mehr Wasser seitlich aus dem „Dichtungsring“ herausspritzte anstatt aus den dafür vorgesehenen Löchern, funktionierte das System mehr oder weniger perfekt.

Auf der oberen Mauerkante in der linken hinteren Ecke des Badezimmers bemerkte ich etwas, das wie ein Stück, etwa gut fingerdickes, Seil aussah. Es „steckte“ zwischen dem Spalt der oberen Mauerkante der Außenwand und dem darüber liegenden Dachbalken. Da ich aber ansonsten nichts Auffälliges sehen oder feststellen konnte, beachtete ich das vermeintliche Seil nicht weiter. Vielleicht hatte ja der Schwiegervater draußen ein Seil gespannt und dort oben befestigt.

Am nächsten Morgen: Gegen 7.00 Uhr komme ich ins Bad um die Morgentoilette vorzunehmen. Das vermeintliche Seil vom Vorabend „liegt“ immer noch dort oben. - Doch halt, irgendwie scheint es sich und seine Lage verändert zu haben! Misstrauisch schaue ich nun bei besseren Lichtverhältnissen genauer hin – man weiß hier ja nie, schließlich sind wir hier mitten auf dem Land in Südostasien und eine halbe Stunde zuvor fand ich im Bad ja auch schon einen Skorpion, der die Wand entlang krabbelte.

Nun, bei meiner genauen Betrachtung des „Seiles“ und Inspizierung der Sachlage sieht mir dann das Ganze doch eher verdächtig nach einer Schlange aus. Um sicher zu sein nehme ich eine etwa zwei Meter lange Bambusstange, die in einer Ecke des Badezimmers steht, und klopfe damit vorsichtig und bedächtig leise auf das „Seil“. Und siehe da, es bewegt sich ein Stück vorwärts. Die Schlussfolgerung ist ebenso logisch wie Tatsache: Es ist eine Schlange!

Also schlage ich Alarm, und das war gut so, denn das „Biest“ ist äußerst gefährlich, wie sich bald darauf herausstellen sollte. Eine gut daumendicke und fast zwei Meter lange grüne Giftschlange, die sich hier ganz offensichtlich häuslich niedergelassen hat. Sie zählt hier neben der Königs-Kobra (eine solche hatte sich wenige Monate zuvor im Kleiderschrank eingenistet), wie mir der Schwiegervater sagte, zu den gefürchteten Giftschlangen.

Archiv Siam Journal
Archiv Siam Journal
Sofort nach dem Auslösen meiner Alarmmeldung kommt der Schwiegervater herbeigeeilt. Mit einem Eisenstock schlug er auf das „arme“ Tier ein (etwas hilflos angesichts der Lage, wie mir schien). Doch die Schlange kommt so freiwillig nicht hervor und scheint sich tiefer in die von oben offenen Hohlblocksteine verkriechen zu wollen. Aber schließlich gelingt es meinem Schwiegervater das „Hinterteil“ der Schlange zu packen, das nach etlichen weiteren Hieben auf einer Länge von etwa 40 bis 50 Zentimetern abgetrennt ist. Doch bis auch der Rest der Schlange „sichergestellt“ und erschlagen ist, dauerte es bestimmt noch zwei bis drei Minuten.

Nach weiteren Minuten der Diskussion geht endlich alles wieder in den Alltag über. Die Gefahr ist schließlich beseitigt worden. Ich vollbringe meine Morgentoilette und gehe nach oben, um mich anzukleiden. Während ich dabei darüber nachdenke, dass diese brutale Schlangenvernichtung so gar nicht dem Washingtoner Artenschutz Übereinkommen entspricht, dafür hier ganz offensichtlich aber lebensnotwendig ist, höre ich meine Frau unten laut aufschreien.

Seit dem „Kampf“ mit der Schlange sind etwa 20 Minuten vergangen, als ich die Treppe runtereile um nachzusehen, was passiert ist. Nichts Böses ahnend war meine Frau ins Badezimmer gekommen, um nun ihrerseits die Morgentoilette auszuführen. Als sie das Bad betrat, fauchte ihr aus derselben Ecke eine zweite Schlange gleicher Gattung entgegen. Sie schaute ganz offensichtlich direkt aus dem Hohlraum des Steines heraus.

Der ganze Kampf beginnt wieder von vorne. In die Enge getrieben verkriecht sich das Tier wieder komplett in der Wand. Sie ist nicht zu bewegen herauszukommen und ihr Versteck zu verlassen. Nach längeren und vergeblichen Bemühungen kommt der Schwiegervater auf die Idee kochendes Wasser einzusetzen. Also wird Wasser gekocht und dann von oben in die Wand gegossen. Nun ist es soweit und die Schlange kommt fluchtartig aus ihrem Nest. Doch sie ist nicht alleine! Es folgt noch eine dritte hinterher.

In weiser Voraussicht hatte sich draußen eine Nichte meiner Frau mit einem dicken langen Knüppel postiert, um die Schlange abzufangen, wenn sie die Flucht nach außen antreten sollte. Man konnte ja im Voraus nicht wissen, in welche Richtung (nach innen oder nach außen) sie zu fliehen versuchen würde. Dies erwies sich zwar als nützlich, bei genauer Betrachtung hätte es aber auch sehr gefährlich werden können, nämlich dann, wenn beide Schlangen den Fluchtweg nach außen genommen hätten. So aber wollte eine von ihnen nach außen und die andere nach innen entkommen.

Innen wurde die Schlange von meinem Schwiegervater in Empfang genommen, der nun wieder kurzen Prozess mit ihr machte. Die Nichte hatte es außen schon schwieriger, da sie sich dann doch vom Auftauchen des Reptils überraschen ließ. Und die Schlange ging nun ihrerseits zum Angriff über und versuchte sie zu beißen. Doch glücklicherweise gelang es ihr nicht. So ereilte sie das gleiche Schicksal wie ihre beiden Vorgängerinnen.

Die beiden letzten Schlangen, die mit vielleicht knapp einem Meter Länge doch deutlich kleiner als die Erste waren, dürften die Nachkommen des Muttertieres (= erste Schlange) gewesen sein. Allen dreien wurde nicht die geringste Überlebenschance gewährt. Es ging hier schließlich um das eigene Leben - und da ist der Artenschutz im Einzelfall unwichtig. Außerdem würde hier der Durchschnittsbürger kaum Verständnis dafür aufbringen - wenn er überhaupt schon einmal etwas davon gehört hat.

Was waren das für Schlangen? Ich würde Ihnen natürlich gerne sagen, um was für Schlangen es sich gehandelt hat. Doch kenne ich mich mit diesen Reptilien nicht so aus und mein Schwiegervater sagte sie heiße eben „grüne Schlange“ (weil sie grün ist). Alle die ich sonst nach dem Namen der Schlange fragte, sagten mir: „Grüne Schlange“. Und so kann ich nur vermuten, dass es sich um eine der nachstehend beschriebenen Art handelte – vermutlich um die Zweite:

(1) Asiatische Lanzenotter (Trimeresurus): Bei dieser handelt es sich um eine Grubenotter ohne Rassel, die durchschnittlich bis zu 1,40 m lang wird.

Archiv Siam Journal
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(2) Baumschnüffler (Ahaemlla nasuta): Eine Trugnatter, deren gefürchteten Giftzähne weit hinten im Oberkiefer sitzen. Sie bringt voll entwickelte Junge zur Welt und kann blitzschnell durch das Astgewirr der Bäume schießen. In der Regel verlässt sie die Baumregionen kaum und ist hauptsächlich auf der malaysischen Halbinsel verbreitet. Die durchschnittliche Länge einer solchen Schlange wird um die 1,50 m. Trotz ihrer Giftzähne, mit denen sie kleine Beutetiere binnen kürzester Zeit tötet, kann sie einem erwachsenen Menschen angeblich kaum gefährlich werden, da sie nicht einmal ein Fingerglied so tief fassen kann, dass sie es mit den Giftzähnen erreicht.

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Schlüsselwörter: Thailand | Schlangen | Artenschutz | gefährliche Tiere
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