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Lass ihn raus, den Tiger!

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Andreas Haller

Vorbei der Pein und Kummer vor dem Weg zur Pornoth
Vorbei der Pein und Kummer vor dem Weg zur Pornoth
Porno-Portale mit selbstgedrehten Schmuddelfilmchen bescheren der scheinbar ausgereizten Internet-Porno-Industrie eine kleine Revolution.

Klingel (läutet): Ding-dong Hausfrau (zufällig im Negligé): „Ja?“ Monteur (mit offenem Hosentürl): „Guten Tag, Madame. Ich komme, um ein Kabel zu verlegen.“ Hausfrau: „Kommen Sie doch rein. Sie werden hier im Schlafzimmer benötigt.“ Freundin (nackt, gerade aus der Dusche kommend): „Herrje! Ich wusste nicht, dass wir Besuch haben.“ … Die Fortführung dieser Szenerie wird der Fantasie des Lesers überlassen. Vorausgesetzt man verteufelt nicht prinzipiell auf Zelluloid gebanntes nacktes Fleisch und schwingt bereits den moralisch entrüsteten Zeigefinger. Schließlich sind es immer die anderen, die Pornos konsumieren. Fest steht: Nie war Pornographie einflussreicher. Nie war der Zugang zu visuellen Intimitäten einfacher. Im Zeitalter des Internets muss niemand mehr das Risiko eingehen, mit hochgeschlagenem Mantelkragen vor dem „Adult-Regal“ der Vorstadtvideothek erwischt zu werden. Das blöde Grinsen des Video-Verleihers oder die „Ist-doch-ganz-normal“-Mimik des Verkäufers im Sex-Shop muss nur noch der IT-Totalverweigerer über sich ergehen lassen. Für alle anderen genügt ein Internetanschluss, um die gefühlte sexuelle Einsamkeit (scheinbar) ein Stück erträglicher zu machen. Egal, ob das Motiv die selbst in die Hand genommene Triebabfuhr oder reine Neugier ist – Schweinigeleien jeglicher Couleur sind stets nur wenige Klicks entfernt.

DIE REVOLUTION.

Die Erkenntnis, dass das Internet zur Verbreitung von pornografischem Material genutzt wird, ist wenig revolutionär. Will man den Statistiken eines US-Magazins Glauben schenken, beinhalten zwölf Prozent aller Webseiten pornografische Inhalte. Bei 35 Prozent aller Internet-Downloads werden Porno-Inhalte transportiert. Jeder vierte in eine Suchmaschine eingegebene Begriff hat etwas mit Pornografie zu tun.

Wirklich revolutionär sind hingegen Internet-Portale, auf denen zeigefreundliche Individuen ihre sexuellen Artig- und Abartigkeiten massengerecht selbst inszenieren können. Kostenlose Webseiten wie YouPorn machen sich die künstliche Prüderie von YouTube zu Nutze und eröffnen Hobby-Exhibitionisten die Möglichkeit, allerlei Saftiges aus ihren Schlafgemächern – garantiert nicht jugendfrei – in Form von selbstgedrehtem Videomaterial der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die milliardenschwere Internet-Pornoindustrie zeigt sich infolge der jüngsten Entwicklungen besorgt, zumal die Flut an hausgemachten Beischlaffilmchen eine geschäftsschädigende Angelegenheit werden könnte. Unzählige Amateure machen es auf YouPorn kostenlos und sind dabei ungleich kreativer. Den Grundsätzen von Web 2.0 gehorchend, wird auf Porno-Portalen die Trennlinie zwischen Privatem und Öffentlichem neu gezogen. Die Internet-Pornografie erlebt eine Vermischung von Amateurhaftem und Professionellem. In Zeiten von MySpace und StudiVZ sind das freiwillige Offenlegen und Teilen von Intimitäten längst manierlich.

EMOTIONALES NOTSTANDSGEBIET.

Zu entdecken gibt es auf YouPorn alles erdenklich Normale und Abnormale. Gummipuppenlektionen, bizarre Anleitungen zum „Megaorgasmus“ und Gemüsesex gehören dabei zur unterhaltsameren, weil kreativeren Gattung der freizügigen Laien-Aufführungen. Zumeist sind es allerdings verpixelte Kopulationsversuche, bei denen ob des Fehlens von verschiedenen Kameraeinstellungen die Fadheit regiert. Wenn bei professionell gedrehten Filmen die Handlung auf der Stelle tritt, lässt die Regie die Hauptdarstellerin lasziv aus der spärlichen Wäsche gucken. Wenn das nicht reicht, muss ein zweites ellenlanges Gemächt vor die Kamera – inklusive zwei Dutzend weiterer Samenergüsse. Nicht so der gemeine Amateurfilm. Ohne die branchenüblichen Effekthaschereien besteht der Reiz des Laienpornos im aufkommenden Mitgefühl mit den tollpatschigen Protagonisten, und das unbedingte Wissen, es besser machen zu können.

Naturgemäß muss man YouPorn als emotionales Notstandsgebiet charakterisieren. Wer nach Liebkosungen und anderweitigen Zärtlichkeiten sucht, ist fehl am Platz. Üblicherweise sind es Gonzo-Filme (Pornos, die auf jegliche Rahmenhandlung verzichten), die auf YouPorn ihren Platz finden. Gesichter und Gliedmaßen werden zu Störfaktoren degradiert. Der Körper wird auf sein Geschlechtsteil reduziert. Die Houellebecq’sche Banalisierung des Geschlechtsverkehrs ist greifbar nah.

DER BILD-EFFEKT.

„Geile Bild-Leser klicken YouPorn-Server platt!“ So oder so ähnlich hätte im vergangenen Herbst eine Schlagzeile in eben genannter Gazette lauten müssen. Der Grund: Ein scheinbar unbedeutender, aber inhaltlich gewohnt wertvoller Artikel erwähnte das Porno-Portal und veranlasste die gesammelte Bild-Leserschaft die Webseite zu entern. Naturgemäß waren die YouPorn-Server dem Ansturm lüsterner Bild-Leser nicht gewachsen. Der Dienst wurde durch die übermäßigen Zugriffszahlen vorübergehend in die Knie gezwungen. Anstelle von anregenden Filmchen, fand der schaulustige Besucher nur folgenden Hinweis: „We got featured on Bild (Germany’s largest newspaper) and got a huge surge in traffic. We are trying very hard to bring the site up again.“ Das ist der Bild-Effekt. Oder die Generation, die mit heruntergelassenen Hosen vor dem Rechner sitzt. Es ist geradezu „normal“ geworden, anderen Leuten beim Sex zuzuschauen, noch bevor man selbst welchen hat. In der pornografisierten Gesellschaft ist das Geschäft mit der Libido anerkannt und salonfähig. Der Porno-Chic ist längst im Mainstream angekommen – fehlt nur noch Jenna Jameson auf dem Bravo-Cover.

Photo Quelle/ Coppyright: THEfunkyman, cc creative commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 (via flickr)

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Andreas Haller Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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Schlüsselwörter: Porno | Sex | Porno-Portale | Filme
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