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Lokales: SonstigesAuf der Jagd nach den letzten asiatischen Tigern
Singapur hat bereits im September 1994 den Handel mit Medikamenten aller Art verboten, in denen Körperteile oder Produkte aus solchen enthalten sind, die von Tigern stammen. Diese Meldung fiel in eine Zeit, in der die Medien umfassend zu diesem Problem berichteten. Und just in dieser Zeit erhielt ich eine Information, nach der es solche „Medizin“ auch in Deutschland relativ problemlos zu kaufen geben soll: in Asien-Shops.
Da diese Medizin offiziell verboten ist und weder eingeführt, noch gehandelt werden darf, wird das Ganze angeblich vom jeweiligen Importeur einfach als „Suppengewürzmischung“ getarnt und „unter dem Ladentisch“ verkauft. Mit dieser Information und in Begleitung meiner aus Thailand stammenden Frau machte ich mich zwischenzeitlich auf die Suche nach solch fragwürdiger Medizin. Und tatsächlich wurde ich fündig. Die Medizin lag nicht in den offiziellen Verkaufsregalen, sondern in einem Regal hinter der Theke, versteckt hinter anderen Waren. Erst auf die gezielte Nachfrage nach solcher Medizin holte die Verkäuferin die Packung hervor – nicht, ohne sich vorher noch einmal sorgsam im Laden umzuschauen. Die Packung enthielt zehn verschiedene „Zutaten“ und war als aus China stammende „Suppengewürzmischung“ ausgezeichnet.
Eine der Zutaten wurde von der Verkäuferin als Tigerknochen angepriesen. Dabei handelte es sich bei allen zehn Zutaten um für Laien nicht zu identifizierende, äußerst harte „Dinge“, die zum Teil tatsächlich wie Knochensplitter aussahen und zum Teil an Wurzeln oder Knollen erinnerten. Diese „Suppengewürz-Medizin“ wurde auf die Frage nach Medizin für Rücken- und Muskelschmerzen angeboten. Die eigentliche Form der Medizin, wie man sie dann einnimmt, muss allerdings erst noch „angesetzt“ werden. Das geschieht mit Alkohol. Beliebt soll dabei vor allem klarer Korn sein, wie mir etliche Thais bestätigten.
Die Packung sollte damals ca. 20,00 DM (heute kaum unter 20,00 Euro zu bekommen) kosten und der Bestandteil von Tigerknochen in der Packung wurde von der Ladenbesitzerin bestätigt. Die ganze Sache erscheint mir jedoch sehr fragwürdig, was schon allein aus dem relativ geringen Preis hervorgeht. Auf den Schwarzmärkten in Fernost werden für ein Kilo Tigerknochen 1.400,00 US-Dollar bezahlt. Ein ganzes Tigerskelett bringt somit rund 70.000,00 US-Dollar. Wären tatsächlich in der „Suppengewürzpackung“ Tigerknochen enthalten gewesen, so hätte die Packung damals schon mindestens um die 100,00 DM kosten müssen. Stellt sich dann hier die Frage, ob da vielleicht mit der Leichtgläubigkeit der Kunden Humbug getrieben wird und eventuell Knochenteile anderer Tiere als Tigerknochen angeboten werden, um den Kunden so das Geld aus der Tasche zu ziehen?
Nach den Schätzungen des WWF gab es um die Jahrtausendwende in den Dschungeln Asiens nur noch höchstens 6.200 frei lebende Tiger, von denen etwa zwei Drittel in Indien leben. 500 Tiger werden jährlich in Asien wegen der „Medizin“ getötet, berichtet der indische Tierschützer Ari Ghosh. Einst lebten in Asien mehr als 100.000 der Großkatzen. Und wenn das Morden so weitergeht, gibt es in einigen Jahren keinen einzigen Tiger mehr auf dem asiatischen Kontinent. Dafür ist China zu mindestens 90 % an der Ausrottung verantwortlich. Dies meint Michel Day von der angesehenen Organisation „Tiger Trust“. Und das, obwohl auch China genauso wie die anderen Länder in Fernost die Artenschutzkonvention unterzeichnet hat. Als Beweis präsentierte „Tiger Trust“ Filmdokumente über chinesische Fabriken, die Tigerpflaster produzieren. Eine ganze Industrie lebt dort von der Ausrottung der letzten Tiger.
Aber nicht nur die Knochen werden zu Medizin verarbeitet. Besonders in Taiwan und Korea ist eine Suppe aus Tigerpenis beliebt, die die Manneskraft steigern soll. Eine Schale davon kostet umgerechnet weit mehr als 300,00 US-Dollar. In der chinesischen Heilkunde gibt es noch den Tigerwein, der ebenfalls Tigerknochen als Bestandteil enthält und gegen Gelenk- und Muskelschmerzen angeboten wird. Und so wird alles vom Tiger verwertet: „Von den Hoden über die Krallen bis zu den Augen werden die Organe zu Pulvern, Elixieren und Pflastern verarbeitet.“ Sogar der Tiger-Kot wird verwertet und soll gegen Furunkel helfen.
Weil mit dem Fell des Tigers nicht allzu viel zu verdienen ist (im Gegensatz zu den Knochen), lassen es die Wilderer heute schon vielfach zurück, weil es zu auffällig ist. Allein 1993 stellten die Behörden 667 Kilo Tigerknochen sicher. Doch dies ist nur die Spitze eines gigantischen Eisberges.
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