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Lokales: SonstigesSeltsame Lichter am Abendhimmel über Thailand
Als wir wieder einmal in Thailand, in Tapsong, bei den Schwiegereltern waren, stellte sich nach einigen Tagen eine gewisse Routine ein. Tapsong ist ein kleiner Ort in Zentral-Thailand, „wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“. – Mit anderen Worten: Dort ist absolut „tote Hose“; nämlich nichts los. Hier gibt es nur ein paar Dutzend kleiner Häuser, die meisten aus Holz, zwei Lädchen, in denen man etwas kaufen kann, wenn man mit der bescheidenen Auswahl des Angebotes vorlieb nimmt, eine Grundschule und ein Wat. Letzteres ist der „Dorftempel“ – genauer gesagt das buddhistische Kloster des Ortes.
Will man mehr, muss man ca. 25 Kilometer in den nächsten Ort. Doch das ist leichter gesagt als getan. Nach dem rund sechs Kilometer abseits der nächsten Hauptstraße liegenden Tapsong fährt kein Bus und auch nicht die in Thailand bekannten Sammeltaxis – überdachte Pickups mit zwei Sitzbänken auf der Ladefläche.
In dieser Einsamkeit am „Ende der Welt“ stellte sich für einen „Farang“ (= Thaibezeichnung für westliche Ausländer) wie mich schnell die Langeweile ein. So saß ich oft vor dem Haus auf der Bank und schaute in Gedanken versunken in die Gegend oder öfter auch mal in den Himmel und dachte: „Wenn jetzt ein richtiges UFO käme, dann wäre mal endlich für einige Zeit die Langeweile vergessen und Tapsong hätte genügend Gesprächsstoff für die nächsten Tage.“ – Schließlich wird ja von den Thais immer behauptet, dass so etwas in Thailand fast ein alltägliches Geschehen sei, dass man merkwürdige Dinge am Himmel sieht. Doch es kam keines.
Aber dann gingen auch diese Tage unvermeidlich dem Ende entgegen. Es war am Abend des 3. August. Wir waren gerade mit dem Packen der Koffer fertig geworden, da wir am nächsten Morgen unsere Reise in den Urlaubsort Pattaya fortsetzen wollten, wo wir die restlichen 8 Tage verbringen und ausspannen wollten. Die Uhr war bereits auf 19.08 Uhr Ortszeit vorgerückt und draußen war es schon so gut wie stockdunkel, da hier um diese Jahreszeit die Sonne bereits gegen 18.00 Uhr untergeht und die Phase der Dämmerung sehr kurz ist. Ich saß im Haus vor der offenen Tür, als ich plötzlich ein, wie mir schien, helles Licht am Himmel aufblinken sah. Kurz darauf blinkte es noch einmal und dann noch einmal, bevor es nach rechts aus meinem Sichtfeld verschwand.
Diese ganze Beobachtung, die sich innerhalb eines kurzen Moments abspielte, erweckte auf Grund ihrer scheinbaren Position in mir den Anschein eines Flugobjektes in einer Entfernung von nur wenigen hundert Metern und einer Flughöhe von maximal 50 bis 60 Metern. Fluggeräusche waren nicht zu hören. Diese Schätzungen machte ich anhand des Blickfeldes während der Beobachtung unter Berücksichtigung des mir gut bekannten Geländes.
Bereits beim zweiten Aufblinken war ich aufgesprungen und beim dritten Aufblinken stand ich in der Tür. Doch endlich draußen angekommen, war nichts mehr zu sehen und ich vermutete, dass das vermutliche Flugobjekt hinter dem Nachbarhaus aus der Sicht verschwunden war. Anhand der zuvor genannten Schätzungen musste das Objekt eine extrem hohe Geschwindigkeit gehabt haben.
Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich erinnerte mich, dass meine Frau mir auch bereits vor Jahren einmal gesagt hatte, „merkwürdige Lichter am Himmel, die auch mal blinken, sind in Thailand keine Seltenheit und werden oft beobachtet“. Nun hatte ich selber solche blinkenden Lichter gesehen. Doch was waren sie? Etwa außerirdische Flugobjekte? – Oder gab es doch eine andere, eine rationale Erklärung dafür?
Soweit meine diesbezügliche Beobachtung und die Gedanken, die mir dabei und unmittelbar danach durch den Kopf gingen. Im nachhinein nüchtern betrachtet, könnte ein solcher Bericht sicher wieder einmal mehr dazu beitragen, die Hysterie nach den Aliens zu schüren und die „Sichtung“ würde bei entsprechender Veröffentlichung sicher als weiterer „ungelöster Fall“ in den Archiven und Akten so mancher Hobby-Forscher aus der UFO-Szene abgelegt werden.
Darum wollte ich es auch eigentlich niemanden erzählen und erst recht nicht veröffentlichen. Doch dann sah ich ein weiteres Flugobjekt der gleichen Art. Und diesmal konnte ich es einwandfrei identifizieren. Es war kein außerirdisches Raumschiff. Nicht die Aliens waren in Tapsong gelandet, es waren die Non Grasü, die hier herum flogen.

Foto: Axel Ertelt
Ein anderer Geist, an den die Thais fest glauben, ist der Phii Grasü. Er ist sehr gefürchtet. Für den Namen gibt es eigentlich keine Übersetzung, da er nicht thailändischen Ursprungs zu sein scheint. In Myanmar (dem früheren Burma) gibt es diesen Geist ebenfalls. Dort wird er Nat Song oder auch Phii Song genannt. Und auch hier scheint die Bedeutung des Namens unbekannt zu sein. In Vietnam, wo er gleichermaßen sein Unwesen treiben soll, nennt man ihn Ma-lai. Entfernt erinnert der Phii Grasü aber auch an die Hexen der Malaien und Indonesier.
Auch in Thailand erscheint er in einer Form, die an eine Hexe oder ein altes runzeliges Weib erinnert – so, wie wir uns auch in Europa die Hexen des Mittelalters vorstellen und diese in den Märchenbüchern dargestellt werden. Der Phii Grasü haust mitten unter den Menschen, vermeidet jedoch Kontakte. Er ernährt sich nach dem Glauben der Thais von rohen, fauligen Speisen oder menschlichen Exkrementen, die er in der Nacht sucht. Dabei soll er aber einen Teil seines Körpers zu Hause lassen, denn er streift nur mit seinem Kopf und den Eingeweiden umher, wobei er ein unheimlichen Glühen ausstrahlt. Auf Grund dieses Aberglaubens wird in Thailand eine Blendlaterne Khom Grasü (= Laterne-Grsü bzw. Grasü-Laterne) genannt.
Nun, diesen kleinen Abstecher in die Geisterwelt Südostasiens habe ich nicht gegeben, um Ihnen nun aufzutischen, es wäre der Geist Grasü gewesen, den ich hier gesehen habe. Die Aufklärung kam wenige Minuten nach der zuvor gegebenen Schilderung. Während ich noch draußen vor der Tür stand und in den nächtlichen Himmel schaute, tauchte ein weiteres „Flugobjekt“ mit seinem hellen Aufblinken auf. Diesmal fast direkt vor meiner Nase. Nun stand einwandfrei fest, was ich auch zuvor gesehen hatte: Ein Non Grasü – oder zu Deutsch ein Glühwürmchen – denn diese werden in Thailand nach dem Phii Grasü genannt. So bedeutet dann Non Grasü in der Übersetzung Wurm Grasü oder Grasü-Wurm.
Dieses ganze Erlebnis hat gezeigt, wie leicht ein Beobachter ein nächtliches Licht völlig falsch einschätzen kann. Außerdem beweist es, wie schwierig es ist solche Beobachtungen, die leider allzu häufig als UFO-Meldungen in der Szene herumgeistern, richtig zu interpretieren.
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