In der Mythologie vieler Völker gibt es so genannte Mischwesen – halb Mensch, halb Tier. Das bekannteste aus der thailändischen Mythologie ist die Manohra. Im Oberkörper halb Mensch und unten herum halb ein Vogel. Diese Fabelwesen waren meist perfekte Musikanten und wurden seit jeher von thailändischen Künstlern sehr anmutig abgebildet.

Der Ursprung dieser Legende stammt aus dem Indien des 3. Jahrhunderts. Doch auch die Mythologien anderer Völker sind mit ähnlichen Sagen bereichert. Die wohl bekannteste ist dabei die ägyptische Mythologie in der der Gott Horus als menschliche Gestalt mit dem Kopf eines Falken dargestellt wird. Bei den Harpyien der griechischen Mythologie ist es wieder genau umgekehrt. Hier handelt es sich um Mischwesen mit einem Vogelkörper und einem menschlichen Kopf. Beim Tengu (übersetzt = „Himmelshund“) handelt es sich um ein japanisches Fabelwesen, das ursprünglich als großer Rabe (Karasu-Tengu) dargestellt wurde. Später etablierte sich der Tengu jedoch in seiner Darstellungsform als Mischwesen aus Vogel und Mensch (Konoha-Tengu). Es wird vermutet, dass die Vorstellungen des Tengu einem Synkretismus des japanischen Buddhismus mit dem hinduistischen Konzept der Vogelmenschen entstammen.
Der Garuda ist wohl der stolzeste und auch berühmteste Vogelmensch der südostasiatischen Mythologie. Überall begegnet man ihm hier: auf vielen Wandmalereien, vor allem auf Tempelwänden, in Form von Statuen und auf Geldscheinen. Er gab sogar der indonesischen Fluggesellschaft seinen Namen. Und wie bei uns der Bundesadler zum Staatssymbol wurde, ist es in Thailand der Garuda. Er ist gleichermaßen das Wappentier des Landes und symbolisiert die Herrschaft des Königs. Nach altem Glauben sollen die thailändischen Könige eine Inkarnation (= Wiedergeburt) des Gottes Vishnu auf Erden sein. Vishnu war der Gott in der Mythologie, der sich auf den Schwingen Garudas durch die Lüfte tragen ließ.
