Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Medien: Sonstiges

Mafia-Land Deutschland ?

Rezension eines Buches von Jürgen Roth über Organisierte Kriminalität

Bevor der Gipfel der Ratlosigkeit zur Finanz- und Wirtschaftskrise erklommen ist, stellt sich die Frage nach ihren Ursachen. Das neueste Buch von Jürgen Roth unter dem Titel "Mafia-Land Deutschland" trägt dazu bei. Roth ist einer der bekanntesten Vertreter des investigativen Journalismus in Deutschland. Seit 1971 macht er mit seinen Arbeiten regelmäßig auf Fehlentwicklungen in der Gesellschaft aufmerksam. Dafür musste er auch schon empfindliche Geldstrafen hinnehmen.

In seinem neuen Buch befasst sich der Autor wieder mit der organisierten Kriminalität. Er zeigt dabei auf, dass die sogenannte "Mafia", von der in den Medien immer mal wie von einer folkloristischen Besonderheit anderer Länder gesprochen wird, längst in der deutschen Gesellschaft als Organisierte Kriminalität angekommen ist.

Die Fakten zur Finanzkrise, die seit dem Herbst 2008 scheibchenweise in die Öffentlichkeit kommen, sind ein Teil einer längst etablierten Systemkrise. Ihre Ursachen hat diese Krise in einer kriminellen Unterwanderung der Wirtschaft und der zentralen Gewalten der Politik: Eine Bestechung von Legislative, Judikative und Exekutive wird diskret als "Lobbyismus" bezeichnet.

Das Schmiermittel ist dabei die ökonomische Überlegenheit des Organisierten Verbrechens. Roths Buch beleuchtet die Hintergründe.

Im ersten Teil des Buches beschreibt der Autor die italienischen Mafia-Gruppen, die aus dem sozialen Elend des Volkes mit Hilfe von Schutzgelderpressung, Prostitution und Mord ökonomisch zur bürgerlichen Mafia mutiert sind. Nicht mehr das kriminelle Proletariat rekrutiert die neue Mafia, sondern Bürger mit weißem Kragen, besten Manieren und hohem Bildungsniveau.

Auf Seite 19 seines Buchs schreibt Roth: “99 Prozent ihrer Geschäfte erledigten sie ...ohne rohe Gewalt. Sollte ihnen jedoch Widerstand entgegengesetzt werden oder ein Hindernis den Geschäften im Wege stehen, das sich nicht durch Korruption, Erpressung oder politische Einflussnahme beseitigen lässt, dann wird der Mord bei der Volksmafia in Auftrag gegeben.“

Die globalisierte Welt wird Roth zufolge von organisierter Kriminalität zunehmend beeinflusst. Das stellt er in dem Buch umfassend dar.

Im zweiten Teil des Buches berichtet der Autor über die Mafia aus dem Osten, die sogenannte "Russen-Mafia". Durch den Zusammenbruch des "Ostblocks" wurden die bestehenden Strukturen dem neuen System angepasst. Die gut ausgebildeten Kader der Planwirtschaft richteten sich nahtlos und schnell in der Marktwirtschaft ein.

Die Gelder waren vorhanden, häufig schon im kapitalistischen Ausland versteckt. Die nötigen Kontakte waren vor dem Fall der Mauer bereits weitsichtig geknüpft worden.

Im dritten Teil des Buches wird der Einfluss des organisierten Verbrechens in Deutschland beschrieben. Die italienischen und die osteuropäischen Mafia-Gruppierungen haben sich in Deutschland mit ehemaligen StaSi- und SED-Seilschaften verbunden. Das belegt der Autor mit Recherchen und Quellen.

Mit zahlreichen Fällen belegt Roth, dass insbesondere die Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Hessen, Thüringen, Rheinland- Pfalz, Baden- Württemberg, Bayern, Nordrhein- Westfalen und Schleswig- Holstein davon betroffen sind.

Im Epilog des Buchs unter dem Titel "Die bedrohte Bürgergesellschaft" wird Heribert Prantl zitiert: "Die Mafia in Deutschland hat andere Namen und eine andere Geschichte; aber sie richtet vergleichbares Unheil an."

Da der Redaktionsschluss den Stand vom 1. Oktober 2008 angibt, konnte der Epilog nicht auf die Ereignisse eingehen, die die Medien jetzt umtreiben. Mancher Leser hätte sich jedoch gewünscht, dass im letzten Kapitel eine Perspektive entwickelt wird. Aber das ist wohl auch schwer möglich gewesen. So bleibt man nach der Lektüre ratlos.

Die Ursachen für das organisierte Verbrechen in der Gegenwart sind die ungebremste Gier nach Macht und Geld, vor allem bei denen, die davon ausreichend haben, und das Gesetz des Schweigens. Wer es zu übertreten wagt, wie zum Beispiel der Exlandrat Zapf in Brandenburg, wird zum schweigen gebracht! Weil die drei Gewalten, in deren Folge auch die vierte Gewalt, die Medien, um das „Goldene Kalb“ tanzten, werden sich die Geschädigten jetzt mit der Reinigung des Augiasstall befassen müssen.

Jürgen Roths Buch kommt zur rechten Zeit. Vor einem halben Jahr hätten potentielle Leser vielleicht an den zahlreichen Aussagen gezweifelt. Immer mit dem Gedanken, es kann nicht sein, was nicht sein darf.

„Mafialand Deutschland“ ist mit unfassenden Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Personen- und Clanregister versehen. Mit diesem Buch kann der Leser auch weiter in die existenzielle Problematik unserer Zeit eindringen.

Gudrun Hoffmann

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Jürgen Roth | Mafia | Finaz-undWirtschftskriese | Organisiertes Verbrechen
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

am 08.03.2009 10:03:03 (91.65.39.xxx) Link Kommentar melden
Für wahr. Jürgen Roth sollte als Standardwerk für jeden denkenden Menschen offen zu lesen im Wohnzimmer zu finden sein. Ich kann diese Feststellungen, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel heraus, nur bestätigen. Die Manifestierung finden wir in der ausgeuferten Politverwaltungsdiktatur in der BRD, deren illegalen Weiterführung 1990 einer korrupten Führungsregie, siehe Kohl, Kanter etc., eben genau dieser Sicherung dient. Und die Fesseln werden zunehmend fester gezurrt. Das ist genau der Grund, warum ich als Ureuropäer mich dem Volksbundesrath etc., anschließe und an der Rückführung zu Deutschland für Europa, der Wiederherstellung des Rechsstaates, des Staatsrechtes und der Demokratie, engagiere und in diesem Sinne auf verschiedenen Ebenen predige. In Teilen eben auch in Satire, wiehe www.komplizissimus.de und der Verlinkung auf madmag.de (Alfred E. Neumann - das intelligenteste Magazin der Welt)
am 08.03.2009 14:33:30 (87.183.220.xxx) Link Kommentar melden
Klar, das organisierte Verbrechen beherrscht das alltägliche Leben in Deutschland. Man braucht dabei gar nicht an irgendwelche fremdländischen Banden zu denken, ein Blick auf unsere politischen und wirtschaftlichen Strukturen reicht bestätigend aus.
Wer z.B. die organisierten Verbrechensstrukturen innerhalb der deutschen unkontrollierbaren Justiz erlebt hat, weiß das schon längst. Staatliche Organe greifen hier zumeist nicht ein; im Gegenteil, sie decken behütend alles als juristische Unabhängigkeit und Unantastbarkeit fein säuberlich zu.
Unsere Justiz ist seit langem das am besten, nahezu perfekt organisierte Verbrechen in Deutschland. Dabei wird praktisch niemals ein aufgedecktes Justizverbrechen bestraft, sondern stets der einzelne Aufdeckende. Übliche Bestrafungen sind dann für ihn: Vorwurf Querulantentum, Beleidigungsklage und Psychiatrisierung.
Solange die erlaubt mafiöse Justiz und das Volk gegeneinander kämpfen, freut sich die politische Staatsführung: es regiert sich so leichter; divide et impera.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
38,303,635 eindeutige Besuche