Wissenschaft: Sonstiges

Die rätselhaften Feuerbälle aus dem Mekong

Unbekannte Welt (2): Jedes Jahr tauchten sie aufs Neue auf – Was steckt dahinter?
07.03.2009 07:29:49 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Jedes Jahr, pünktlich zum Ende der buddhistischen Fastenzeit, gibt es in Nord-Thailand und Laos ein besonderes Phänomen zu beobachten, das bis heute rätselhaft, mysteriös und geradezu unheimlich ist: das Naga-Phänomen, wie es die Thais nennen.

Jeder, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, und das sind von Jahr zu Jahr immer mehr Schaulustige, die sich dieses Phänomen nicht entgehen lassen wollen, kann sie beobachten, diese mysteriösen „Feuerbälle“, die aus den Fluten des Mekong aufsteigen. Auch im Jahr 2003 konnten es wieder Tausende beobachten. Der 50jährige Niphon Chanyawat aus Sukhothai sagte dazu: „Ich habe schon viel über dieses Phänomen gehört und weiß, dass man darüber streitet ob die Feuerbälle von Menschenhand geschaffen werden oder das Werk der Natur sind.“

Niphon Chanyawat gehörte zu den Augenzeugen des Phänomens. Gegen 18.00 Uhr am entsprechenden Tag, einem Freitag im Oktober 2003, begannen die ersten der mysteriösen Feuerbälle aus dem Mekong-Fluss aufzusteigen. „Nun weiß ich, dass es sie wirklich gibt. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen", sagte Niphon Chanyawat.

Viele andere Augenzeugen sprachen von sehr aufregenden Beobachtungen. Die Feuerbälle ließen die extra angereisten Zuschauer und Touristen nicht lange warten. Das alljährlich wiederkehrende Ereignis besteht darin, dass am Abend des Vollmondes im elften Monat des Mondkalenders, an dem das Ende der buddhistischen Fastenzeit gefeiert wird, unerklärliche Feuerbälle aus dem Wasser des Mekong aufsteigen. Dieses Phänomen kann man in mehreren Bezirken von Nong Khai in Nord-Thailand und auch im benachbarten Laos beobachten. Der Mekong bildet hier eine natürliche Grenze zwischen beiden Ländern.

Im Zeitraum zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr wurden bereits 171 dieser Feuerbälle gezählt, die meisten davon in den Bezirken Phon Phisai und Ratana Wapi. Das Interesse an diesem Schauspiel war enorm. Alle 1.500 Hotel- und Gästehauszimmer in Nong Khai und 2.700 Gästezimmer in der benachbarten Provinz Udon Thani waren ausgebucht.

Auch aus den thailändischen Nachbarprovinzen gab es ähnliche Beobachtungen, so aus der Provinz Nong Bua Lam Phu. Die Siedler von Ban Pa Joh sagten, sie hätten die Feuerbälle in den letzten vier Jahren aus dem Teich ihrer Gemeinde aufsteigen sehen. Zuerst war ihnen gar nicht bewusst, dass sich bei ihnen das Gleiche abspielte wie das, was alljährlich Tausende von Touristen nach Nong Khai lockt. Der 53jährige Khamkong Prompollamuang ist einer der Bewohner von Ban Pa Joh. Er will am 8. Oktober ganze 20 Feuerbälle beobachtet haben. Daraufhin kamen am nächsten Tag rund 2.000 Menschen in die Ortschaft, um die Feuerbälle ebenfalls zu sehen. Aber sie kamen nicht mehr.

Obwohl sich Wissenschaftler immer wieder mit diesem Phänomen auseinandergesetzt haben, gibt es bis heute keine wissenschaftliche Erklärung dafür. Ausgeschlossen scheint eine Manipulation durch Menschenhand. Man tendiert auf eine natürliche Ursache. Aber niemand weiß, wie und warum es funktioniert und vor allem, warum die Erscheinung ausgerechnet immer wieder zu diesem Zeitpunkt auftritt – und das bereits seit vielen Jahren.

Die Feuerbälle sind rot, hellrot bis rosa, orangefarben und werden in selteneren Fällen auch schon mal als grün beschrieben. Nach der Überzeugung der einheimischen Landbevölkerung lebt im Mekong-Fluss im Gebiet um Nong Khai noch eine Naga – eines jener mythologischen Schlangenwesen, von denen die Thai-Mythologie berichtet. Diese Naga-Schlange wird von den geistergläubigen Einheimischen für das Phänomen verantwortlich gemacht. Sie soll nämlich, ähnlich wie es die Drachen aus unserer Mythologie getan haben sollen, Feuer spucken, das dann in Form dieser „Naga-Bälle“ aus dem Wasser aufsteigt.

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass hier im Flussbett natürliche Gasvorkommen existieren, die durch die Anziehungskraft des Mondes Gasblasen an die Oberfläche des Wassers steigen lassen, die sich dabei entzünden. Auf die Frage, warum dies nur einmal im Jahr und dann ausgerechnet immer wieder in der Vollmondnacht zum Ende der buddhistischen Fastenzeit geschieht, hatten sie jedoch auch keine Antwort parat.

Wie die deutschsprachige, in Thailand ansässige „TIP-Zeitung“ am 10. Oktober 2003 berichtete, wollten 20 Wissenschaftler der Mahidol Universität bereits im Frühjahr dem Phänomen auf den Grund gehen. Bereits im Februar 2003 hatten sie vor Ort Proben der Erde, des Wassers und eines in geringem Maße tatsächlich vorhandenen Gases genommen. Doch auch diese Untersuchungen verliefen ergebnislos und brachten nicht die gewünschten Resultate.

Bereits im Dezember 2002 meldete sich ein Benjamin Creme zu Wort. Dabei handelt es sich um einen Anhänger der UFOlogie, der behauptete dieses Naga-Feuerball-Phänomen würde von den „Raumbrüdern“ manifestiert. Mit diesen „Raumbrüdern“ meinte er außerirdische Wesen, die in UFOs zur Erde kämen.

Solche absurden Äußerungen riefen auch deutsche Amateur-UFO-Forscher auf den Plan, die sich genötigt sahen ebenfalls auf das „Naga-Feuerball-Phänomen“ einzugehen und dieses sogar von zu Hause, vom Schreibtisch aus, gelöst haben wollen – was thailändischen Wissenschaftlern, Militärs und Regierungsbeamten vor Ort nicht gelang.

Allen voran äußerte sich dazu auch der in der deutschen UFO-Szene bekannte Werner Walter aus Mannheim. Walter behauptete dann wider besseres Wissen zum „Naga-Phänomen“: „Jährliches Miniatur-Heißluftballon-Festival zieht die Massen an“. In seiner knapp eine Seite umfassenden „Erklärung“ der „Naga-Feuerbälle“ schreibt er dass es sich bei diesem Phänomen um nichts anderes handele als um Mini-Heißluftballone aus „Reispapier“, die die Bevölkerung aus reinem Kommerz aufsteigen lassen würde.

Das ist natürlich ebenso ein blanker Unsinn wie die Behauptung von Benjamin Creme, dass dafür außerirdische „Raumbrüder“ verantwortlich seien. Beide „Erklärungen“ sind nicht ernst zu nehmen und können nur von jemandem „verzapft“ worden sein, der die örtlichen Begebenheiten nicht kennt und einfach nicht akzeptieren kann, dass selbst die Wissenschaft hier vor einem ihrer größten Rätsel steht, das bis heute ungelöst ist – trotz aller Versuche diverser Laienforscher und anderer „Experten“.

In einem hat Werner Walter jedoch Recht. Heute wird in der Zeit, in der diese Feuerbälle auftauchen, ganz offiziell ein lokales Fest veranstaltet – das „Bang Fai Phaya Nark“ – bei dem tatsächlich angesichts des Besucherandranges die Geschäfte ganz gut laufen. Dies zumindest im Gastronomie- und Hotelbereich.

An den offiziellen Veranstaltungen zu diesem Fest ist in der Regel auch die TAT, die Tourism Authority of Thailand, beteiligt. 2002 veranstaltete die TAT eine Woche lang das „Sattabucha Nakahaengkong“ um der heiligen Naga-Schlange im Mekong Respekt zu zollen. Dabei wurde ein Bildnis Buddhas aufgestellt und es fand der „Umzug der großen Schlange“ statt, bei dem viele Flaggen, Blumen und Kratongs zum Einsatz kamen. Auch eine „Buang-Suang-Zeremonie“ fand dabei zu Ehren der Naga statt.

Schlussendlich wurde auch schon die laotische Armee für das Phänomen verantwortlich gemacht und verdächtigt, indem man behauptete die Feuerbälle wären von der Armee abgeschossene Leuchtraketen. Dies wurde jedoch aus Laos offiziell und bestimmt dementiert und man sagte von laotischer Seite, dass es sich um ein Naturphänomen handele, dessen genaue Ursache man aber auch nicht kenne.

Inzwischen wurden die Naga-Feuerbälle aus dem Mekong auch Vorlage für diverse Songs und Filme. Der bekannteste ist der Film „Mekhong Full Moon Party“, eine Tragikkomödie, die unter der Regie von Jira Maligool im Jahre 2002 gedreht wurde. In dem Film geht es um eine Gruppe Mönche, die unter der Leitung von Luang Por Loh (gespielt von Noppadol Duangporn) chemische Wundercocktails brauen, die dann von dem jungen Kan (Anuchit Sapanpong) auf dem Grund des Mekong-Flusses deponiert werden, wo sie dann später explodieren und als Feuerbälle aus dem Wasser aufsteigen. Doch dann zweifelt Kan plötzlich am Sinn dieser Aktion und will die Welt nicht länger mehr betrügen...