Sonstiges: Kultur & Religion

Bekenntnis-Schreiben von Pater Rolf Hermann Lingen, Dorsten

07.03.2009 07:27:03 eingesandt von Pater Lingen für OnlineZeitung 24.de

Die Überschrift dieser Pressemitteilung ist gleichzeitig die Überschrift einer Massenmail, die am 05.03.2009, 19.49 Uhr, verschickt wurde. Der Autor dieser Pressemitteilung, i.e. Pater Rolf Hermann Lingen aus Dorsten, erscheint dabei als Autor dieser Massenmail, u.z. weil diese unter seinem Namen geschrieben wurde und weil dabei seine Mailadresse irreführend als Absenderadresse erscheint. Derlei Absenderfälschung ist bei Mails, besonders bei Werbemüll (Spam), seit vielen Jahren äußerst beliebt und dementsprechend bestens dokumentiert: Der einzige ernstzunehmende Hinweis auf den Absender ist natürlich nur die Message-ID im Header.

Aus der Mail (350 Wörter) hier einige Ausschnitte: "Liebe Schwestern und Brüder in Christo! Ich habe viele Jahre in Irrglauben gelebt. Ich bekenne ferner, dass ich Ihnen, meine lieben Gläubigen und Anhänger, jahrelang ein Doppelleben verschwiegen habe: ich bekenne mich heute, da ich mein Leben in Lüge beenden will, zu meiner aktiven Homosexualität. Ich lebe in Sünde, ich bin nicht würdig, Euer Seelsorger zu sein." Die Mail endet mit Namen und Anschrift des Autors sowie der Telefonnummer einer unbeteiligten Person, die deshalb mit Anrufen belästigt wurde. Damit sind mehrere Straftatbestände erfüllt, u.a. Betrug und Verleumdung (der Autor wird u.a. als Betrüger und als Sodomit, d.h. als Perverser dargestellt), zudem ergeben sich zivilrechtliche Schadensersatzansprüche. Juristische Schritte werden derzeit eingeleitet.

Der Autor selbst hat die Mail nicht erhalten, sondern nur durch Reaktionen der Empfänger überhaupt davon erfahren. U.a. hat das Ordnungsamt Dorsten bei der unbeteiligten Person angerufen und von ihr gefordert, der Autor solle beim Ordnungsamt persönlich vorstellig werden. Der Grund: Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Empfängern wollte das Ordnungsamt den Text unbedingt falsch verstehen, d.h. nicht als "Coming out" ("mein Leben in Lüge beenden"), sondern als Selbstmordabsicht ("mein Leben beenden"). Das Ordnungsamt hat bereits damit seine Pflichten in mehrfacher Weise gröblichst verletzt, u.z. durch mutwilliges Uminterpretieren des Textes sowie überhaupt durch Unterlassung jeglicher Authentizitätsprüfung; die Vorladung zum Ordnungsamt schließlich entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit. Den Forderungen des Ordnungsamtes wurde deshalb vom Autor in keiner Weise Folge geleistet; Bürger dürfen sich derartige absurde Gängelungen nicht gefallen lassen.

Der Ordnungsamtsbeamte wurde später vom Autor telefonisch darauf hingewiesen, dass er den Header resp. die Message-ID überprüfen müsse; mit diesen Begriffen konnte er aber nichts anfangen und verwies statt dessen auf die Absenderadresse des Autors: "Dann sind Sie doch der Absender!" Der Autor beendete dann das Telefongespräch mit dem Hinweis, dass er nicht dem Ordnungsamt erklären müsse, wie das Internet funktioniert.

Diese "Bekenntnisschreiben"-Posse dokumentiert eindrücklich die Realitäts-Resistenz im Volk. Nahezu niemand hat sich überhaupt gefragt, ob der rettungslos absurde Inhalt der Mail überhaupt glaubwürdig ist. Die seit Jahren absolut unverzichtbare Kenntnis von Mailheader und Message-ID fehlt bei vielen komplett. Auf der - durch die Mailadresse bekannten - Homepage des Autors ist zudem zu lesen, dass derartige Hetzpropaganda gegen den Autor nichts Neues ist. So hieß es in einem Wikipedia-Artikel, der Autor sei "Tänzer bei den Chippendales" gewesen.

Wie kann so ein absurdes Theater so viel Glauben finden? Mundus vult decipi - Die Welt will betrogen werden.