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Sonstiges: Kultur & Religion

Der Prinz der Buddha wurde (4)

Eine kurze Nacherzählung aus dem Leben Buddhas

Der junge Prinz fällt den Entschluss, den Palast zu verlassen.

Im Schlafgemach setzte er sich auf das Bett seiner schlafenden Gemahlin, und betrachtete sie und seinen Sohn Rahula. Er wurde sehr traurig und dachte daran, das er sie vielleicht nie wiedersehen würde. So geschah es, dass sich der Prinz entschloss, den Palast zu verlassen, ohne seine Frau zu wecken, um ihr von seinem Entschluss zu erzählen. Im Nebenzimmer schliefen die Tänzerinnen und Dienerinnen. Im ganzen Raum waren Musikinstrumente, Schmuck und Essenschalen verstreut. Siddhartha merkte seinen Widerwillen, als er rückblickend die verschwenderische Pracht sah. So war er entschlossen, das Leben eines Prinzen aufzugeben. Er hatte so viele Fragen, dessen Wahrheit er nicht im Palast finden konnte. Heimlich ging er leise seinen Diener wecken.

"Wach auf Chandan, wir müssen den Palast sofort verlassen!"

"Was ist geschehen Herr", fragte der erschrockene Diener, "in der späten Nacht sollte keiner den Palast verlassen."

"Mein lieber Chandan, gemeinsam sah ich mit dir die Leiden der Menschen, das Alter, die Krankheit und den Tod. Meine Suche nach dem Sinn des Lebens und der Wahrheit finde ich nicht hier, deshalb hol mein Pferd, bevor mich jemand im Palast in meiner Entscheidung aufhält."

Unverzüglich sattelte der Diener den Schimmel des Prinzen. Als der Prinz sein Pferd bestieg, wollte der Schimmel laut wiehern, als ob er ahnte, das sein Herr bald für immer weg sein würde. Dies beobachteten die Götter im Himmel, und damit Siddhartas Flucht nicht verraten würde, nutzten sie ihre Macht, das Wiehern zu unterdrücken Eilig schickten sie einige Zwerge auf die Erde, die das Pferd an ihren Hufen hochhoben, damit auch kein Hufschlag jemanden im Palast aufwecken konnte.

So geschah es, dass der Prinz mit seinem Diener den Palast unbemerkt verlassen konnte. Noch mussten sie die geschlossenen Stadttore passieren, die die Götter mit ihren magischen Kräften öffneten, um sie nach dem Durchritt des Prinzen wieder zu schließen. Sie machten die ganze Nacht keine Rast und am nächsten Morgen überquerten sie einen Fluss, um im gegenüberliegenden Wald, der bereits zum nachgelegenen Königreich von Magadha gehörte, Rast zu machen.

Im Wald angekommen, trafen sie einen Sadhu. Im Beisein des Sadhu zog Siddhartha seine Prinzengewänder aus und legte seinen Schmuck auf ein Tuch. Dann nahm er sein Schwert und schnitt sich die Haare ab. Er schenkte dem Sadhu seine Prinzengewänder und der Sadhu gab ihm eine safranfarbene Robe als Geschenk zurück, die Siddhartha sofort anzog.

Chandan weinte im Schoß des Prinzen und war darüber traurig, dass sein Herr dies alles tat. "Sei nicht traurig, mein treuer Diener", sagte Siddhartha zu ihm, "nimm mein Pferd, meine Kleider und meinen Schmuck und kehre zum Palast zurück. Berichte meinem guten Vater und meiner schönen treuen Frau, dass ich sie deshalb verlassen habe, weil mein Innerstes verlangt, den Weg der Weisheit zu gehen. Auf meinem Weg will ich herausfinden, warum wir Menschen leiden müssen, und ich will herausfinden, ob man dieses Leid überwinden kann. Erst wenn ich eine Antwort auf mein Verlangen habe, so will ich zurückkehren. Sag ihnen auch, dass sie nicht traurig, sondern mit mir glücklich sein sollen, dass ich meine Bestimmung gefunden habe."

Siddharta war nun alleine und suchte verschiedene Meister auf, die von sich behaupteten, den richtigen Weg gefunden zu haben, die Weisheit zu finden. Doch keiner der Meister konnte ihm dazu verhelfen, herauszufinden, warum es kein Leben ohne Leiden gibt und wie sich der Mensch von diesem Leiden befreien kann.

Dann fand er einen Weisen in der Nähe der heiligen Stätte Gaya, der die Lehre verkündete, dass nur der die Antworten fände, der enthaltsam lebe und alle Entbehrungen auf sich nahm. Als Zeichen dafür, dass er jeglichen Luxus entsagte, beschwerte er die Ohrläppchen mit schweren Ohrringen. Damals war es üblich, das lange Ohrläppchen jene Asketen ausweisen, die allem entsagtem.

So lebte Siddhartha fünf Jahre bei diesem Weisen mit fünf anderen Asketen an einem Fluss, und entbehrte allem. Er aß immer weniger, und wenn er etwas aß, so waren es wenige Bissen eines Gemüses oder wenige Schlucke einer Suppe oder auch nur Körner oder Wurzeln, wobei er alles Essen nur mit der Hand zuführte. Dies hatte zur Folge, dass der einst kräftige Prinz so mager wurde, dass seine Arme und Beine so dünn wurden wie ein Bambusrohr, seine Knochen die Haut spannten, sein Gesicht eingefallen war und der Glanz seiner Augen verschwand. Siddhartha wurde schwächer und schwächer und konnte sich kaum noch bewegen. Er war so schwach, das er kaum klar denken und handeln konnte. Wäre da nicht die junge Hirtin Sujata, die ihn immer wieder Essen brachte und fütterte, hätte er schon früh den Tod gefunden.

Nun waren schon fünf Jahre vergangen, und er war dem Tode schon fast nahe, da hörte er einen Fischer, der seinen Jungen erklärte, wie er die Laute richtig spielen kann. Der Fischer erklärte seinem Sohn "Wenn du die Saiten zuviel spannst, reißen sie. Sind sie aber zu locker, kannst du keine Musik machen. Also sorge immer für die richtige Spannung, nicht zu fest und nicht zu locker, und du kannst darauf spielen."

Siddhartha begriff, dass es einen weiteren Weg gäbe, seine Suche fortzusetzen und dass diese Askese sinnlos sei und er eher sterben würde, als eine Antwort zu finden. So beschloss er, sein Fasten sofort zu beenden, um wieder zu Kräften zu kommen. Als er zum nahegelegenen Fluss gehen wollte, um etwas zu trinken, fiel er nur wenige Schritte vor dem Fluss kraftlos aufs Gras und konnte nicht mehr aufstehen.

Die anderen Asketen waren erbost von seinem Tun, aber Siddhartha beachtete sie nicht mehr. Die junge Hirtin Sujata, die öfters Siddhartha Essen brachte, sah den gestürzten Asketen am Fluss und half ihm auf. Sie gab ihm einen gefüllten Teller mit Reis, Honig und Milch. Mühsam leerte er den Teller, und er merkte bald, dass seine Kraft und sein Denken langsam zurückkehrten. Nach dem Essen nahm er ein Bad, rasierte sich und wusch seine spärliche Kleidung. Danach setzte er sich unter einen Bodhibaum und dachte über die vergebliche Suche nach.

Etwas entfernt beobachtete er einen Brahmanenpriester, wie er Kräuter sammelte. Auch der Brahmanenpriester beobachtete den ausgezerrten jungen Mann am Fuße des Bodhibaumes. Der Brahmane gab Siddhartha großzügig einen ganzen Arm voller Kräuter. Siddharta machte daraus eine weiche Unterlage und setzte sich aufrecht darauf Richtung Osten blickend unter dem Bodhibaum. Er schloss die Augen und meditierte. Sein Wunsch, den Sinn des Lebens zu ergründen, war stärker als zuvor.

Die Götter im Himmel beobachteten das Tun ihres Schützlings und wollten ihn nun, nach all den qualvollen Jahren, bei seiner Suche helfen. Doch es gab auch den bösen Mara, Herrscher über Finsternis und der Illusion, der befürchtete, sollte Siddhartha Erkenntnis erlangen, dass die Menschen die Furcht vor dem Tod verlieren, und er seine Macht verliert. So wollte er Siddhartha unter allen Umständen davon abhalten, den Sinn des Lebens zu ergründen. Um die Meditation zu stören, entsandte der böse Gott Mara eine finstere Armee häßlicher Dämonen, die Feuer und Gift spucken konnten.

Als jedoch diese bösartigen Kreaturen Siddhartha ergreifen wollten, verwandelten sie sich in Blumen, ohne Siddhartha berührt zu haben, um ihn in seiner Meditation zu stören. Als der böse Gott Mara dies sah, wurde er wütend und versuchte eine List. So schickte er seine drei Töchter aus dem Totenreich, die die Namen Leidenschaft, Begierde und Vergnügung hatten. Ihre magischen lauten Tänze sollten die Ruhe der Meditation stören und Siddhartha ablenken. Doch Siddhartha öffnete nur kurz seine Augen, die nun wie ein Diamant strahlten, und verwandelte die drei Töchter in hässliche alten Frauen. Daraufhin berührte er mit seinen Fingern den Boden, was bedeutete, dass die Erde nun Zeuge wurde, das er den Herrn des Todes und der Finsternis trotz seiner List und Tücke besiegt hatte.

Es wurde schon Nacht, aber Siddhartha meditierte weiterhin mit geschlossenen Augen. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, öffnete Siddhartha langsam seine Augen und lächelte glücklich. Er hatte es geschafft und er hatte nun die Erkenntnis, dass die Begierde, die Gewalt und die Unwissenheit die Ursache für alles Leid auf der Welt war. So wurde ihm bewusst, dass nur derjenige ins ewige Nirvana eingehen kann, wer die Begierde, Gewalt und Unwissenheit überwinden kann und somit auch das Leiden beenden kann.

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Schlüsselwörter: buddha | maya | Siddhartha | buddhismus
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