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Lokales: Sonstiges

Ungenutzte Rohstoffreserven bei Rubberwood

Ausgediente Gummibaum-Plantagen könnten Regenwaldgebiete retten

Rubberwood ist die Bezeichnung der Holzindustrie für den südostasiatischen Gummibaum. Und davon gibt es in Thailand eine ganze Menge, denn immerhin ist dieses Land nach Malaysia und Indonesien der drittgrößte Produzent des Latex-Rohstoffes mit einem Anteil von 15 % der Weltproduktion. So gehen rund 70 % der thailändischen Kautschukgewinnung in den Export nach Japan, den USA, die EG und China. Nach Textilien und Reis lag Kautschuk bereits 1990 an dritter Steller der thailändischen Exportgüter mit einem Gesamtumsatz von 26.000 Mio. Baht (= damals ca. 510 Mio. Euro).

Der Gummibaum, überwiegend auch als Kautschuk-Baum (in Europa auch unter seinem lateinischen Namen Hevea brasiliensis) bekannt, wird in Thailand hauptsächlich in den Südprovinzen angebaut. Durch die gewaltigen Plantagen entstehen scheinbar endlose Monokulturen, die in der Vergangenheit bereits ökologische Katastrophen, wie beispielsweise Überschwemmungen, herauf beschwörten.

Sieben Jahre müssen die Bäume alt sein, bevor sie das erste Mal angezapft werden können. Dies geschieht immer während der Nacht mit einem v-förmigen Einschnitt der Rinde, ohne dass dabei der Stamm verletzt werden darf. Unterhalb des Einschnittes werden Behältnisse zum Auffangen des weißen Saftes angebracht, die in Thailand häufig aus einer Hälfte der harten Schale der Kokosnuss bestehen. Der weiße Saft, der sich darin sammelt, ist Latex. Es ist der Rohstoff des Kautschuks, aus dem zum Beispiel Autoreifen, medizinische Handschuhe oder Kondome hergestellt werden. Bei allen drei genannten Produkten steigt der tägliche Bedarf von Jahr zu Jahr. Und so geht wohl der Hauptanteil in die Autoreifenindustrie. Solche medizinischen Handschuhe sind heute bereits in jeder Arztpraxis unverzichtbar. Auch im Bestattungsgewerbe werden sie als so genannte „Einmalhandschuhe“ für den Umgang mit Verstorbenen tagtäglich benötigt. Ein Großteil dieser Handschuhe wird in Malaysia produziert und auch nach Deutschland exportiert. Der Verbrauch an Kondomen steigt durch das Aids-Problem ebenfalls ins Unermessliche.

Die Ausbeute des Latex ist verschieden, kann aber pro Tag und Baum bis zu 350 Gramm betragen. Ein Kautschuksammler bekommt für ein Kilo Latex durchschnittlich 18 Baht (= ca. 0,37 Euro). Fleißige Sammler können so durchaus bis an die 1.000 Baht pro Woche verdienen, was für ländliche Gegenden zu einem überdurchschnittlich guten Monatseinkommen führen kann.

Der Latex-Rohstoff wird mit gleicher Menge Wasser vermischt. Außerdem kommt l % Ameisensäure hinzu. So bleibt diese Mischung eine Zeit lang stehen, bis sie sich verdickt. Diese verdickte Flüssigkeit wird dann abgeschöpft, gerührt und verknetet. Anschließend wird sie gemangelt. Dabei entstehen handtuchartige Matten, die zum Trocknen aufgehängt werden. Diese werden dann an die Industriebetriebe zur Weiterverarbeitung verkauft.

Im Alter von 30 Jahren endet die Latex-Produktion der Kautschukbäume. Dann sind sie für die Kautschukgewinnung wirtschaftlich nutzlos geworden und werden abgeholzt. An ihrer Stelle entstehen neue Gummibaumplantagen.

Nach offiziellen Angaben beträgt das thailändische Gesamtaufkommen solcher Plantagen mehr als zwei Millionen Hektar. Dies bedeutet gleichzeitig, dass momentan jährlich neun bis zehn Millionen Kubikmeter Rubberwood (Gummibaumholz) anfallen. Diese ungeheure Rohstoffquelle wird jedoch nur knapp zu einem Drittel wirtschaftlich weiter verwertet. Jährlich werden somit sechs bis sieben Millionen Kubikmeter Rubberwood nicht wirtschaftlich genutzt. An ihrer Stelle treten Edelhölzer wie beispielsweise Teakholz, die illegal in den wenigen Restbeständen des thailändischen Regenwaldes eingeschlagen oder aus dem benachbarten Myanmar oder Kambodscha importiert werden. Eine wirtschaftliche Verwertung des gesamten Rubberwoodaufkommens könnte stark zum weiteren Erhalt der nur noch spärlich vorhandenen Regenwälder der Region „Südostasien“ beitragen.

Dies hat schon in den 90er Jahren auch das thailändische Investitionsamt Board of Investment (BoI) erkannt und eine Förderung der Verwertung und Verarbeitung von Rubberwood beschlossen. So sollen künftig die Unternehmen, die Möbel, Fußböden oder andere dekorative Gegenstände aus Rubberwood herstellen, in den Genuss mehrerer Vergünstigungen kommen. Voraussetzung für solche Vergünstigungen, zu denen unter anderem Steuererleichterungen und Zollbefreiung beim Import der dazu notwendigen technischen Ausrüstung gehören, ist, dass sich die entsprechenden Produktionsstätten einschließlich der Einrichtung für die chemische Behandlung in der Förderzone 2 des BoI befinden. Staporn Kavitanon, Generalsekretär des BoIs, begründete den Entschluss seinerzeit mit der zuvor genannten Argumentation.

Dies ist ein weiser und guter Entschluss für unsere Umwelt. Bei voller Ausnutzung des jährlich anfallenden Rubberwoods können wertvolle Regenwaldgebiete geschont werden, was wiederum bedeutet, dass so das allgemeine Klima länger erhalten und der Treibhauseffekt damit etwas eingeschränkt werden kann. Hoffen wir, dass es bald zur vollen Ausnutzung des Rubberwoods kommt, damit dieses Projekt von Erfolg gekrönt wird. Immerhin ist dies ein Anfang, der mehr bringen könnte, als die letzten internationalen Umweltkonferenzen zusammen erbracht haben. Erfreulich, dass dabei die Initiative aus Thailand kommt.

Derweil haben sich die Kosten für Natur-Kautschuk in Europa seit den 90er Jahren drastisch erhöht. So stiegen in der deutschen Reifenindustrie bereits damals die Preise für Autoreifen um drei bis sechs Prozent - je nach Hersteller. Insgesamt, so die Reifenindustrie dazu, seien die Herstellungskosten seit Anfang 1994 um weit mehr als 20 % angestiegen (Tendenz steigend), wobei der Hauptanteil davon mit ca. 70 % ausschließlich beim Kautschuk liegt. Leider hat sich dies bis heute nicht bei den Arbeitern auf den Gummibaumplantagen bemerkbar gemacht. Der Mehrverdienst blieb wieder einmal bei denen hängen, die sowieso schon mehr haben. Das zeugt wieder einmal von einer ungerechten Verteilung des Einkommens - leider auch in Thailand.

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Schlüsselwörter: Gummibaum | Gummibäume | Gummibaum-Plantagen | Latex | Rogstoffe | Regenwald | Thailand
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