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Lokales: SonstigesJäger der Finsternis
Sie nennen sich selbst „Jäger der Finsternis“ – die Schwalbennest-Sammler in Südthailand. Was sie ausüben ist eine in mehrerer Hinsicht lebensgefährliche Arbeit in der Inselwelt der Andamanensee, an der Westküste Thailands, zu der auch der Bereich um Phuket gehört. Die Frage nach dem Naturschutz bei dieser Tätigkeit bleiben dabei nahezu unberücksichtigt...
Zuerst einmal muss gesagt werden, dass es sich bei den begehrten Nestern nicht um ein beliebiges Schwalbennest handelt, sondern vielmehr um die Nester einer ganz bestimmten, bei uns nicht vorkommenden Schwalbenart, nämlich der der Salanganen-Schwalben. Es handelt sich um eine der seltensten Schwalbenarten überhaupt. Deshalb sind auch die „Jäger der Finsternis“ angeblich darauf bedacht die Art zu erhalten. Schließlich wollen sie ja noch viele Jahre lang ein Riesengeschäft mit dem Nestklau betreiben. Die „Jagdsaison“ ist daher nur auf ca. vier Monate im Jahr ausgelegt, von Februar bis Juni. Die übrigen acht Monate bleiben die Salanganen zwecks Arterhaltung angeblich unbehelligt.
Offiziell stehen die Salanganen und ihre Nester in Thailand unter Naturschutz. Sie werden inzwischen auch von bewaffneten Wächtern bewacht, die ihre Arbeit durchaus ernst nehmen und manchmal sogar hart durchgreifen, wie folgender Fall gezeigt hat. Am Abend des 21. Oktober 1992 waren die Nesträuber von Sicherheitskräften bei ihrer Tätigkeit entdeckt worden. Es kam zu einer Schießerei zwischen den beiden Parteien, bei der zehn der Räuber erschossen wurden.
Der Vorfall zeigt aber auch, dass sich die Nesträuber offenbar nicht (immer) an die (angeblich von ihnen selbst auferlegte) Schonzeit der Tiere halten und die Nester doch das ganze Jahr über plündern. Die Macht des Geldes ist offenbar doch stärker. Selbst ohne Nestwächter ist das Sammeln der Nester ein lebensgefährliches Unterfangen. Die Nester liegen in Schwindel erregender Höhe an den senkrecht aufsteigenden Felsen der Inseln oder in ihren Grotten. Um sie zu erreichen klettern die „Jäger der Finsternis“ an Lianen senkrecht in die Höhe, 100 Meter und mehr, um sich dann in die Grotten, ebenfalls an Lianen, abzuseilen und hinein zu schwingen. Auch dünne Bambusstangen, mit Lianen zu einem riskanten Klettergerüst verknüpft, dienen dazu die Nester zu erreichen. Schon manch einer ist dabei zu Tode gestürzt.
Fragt man sich unwillkürlich: Wozu das ganze Risiko? Die Thais selbst verzichten auf den dubiosen Genuss der Nester (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen). Das Ganze ist nur für den Export, über dubiose, meist illegale Händler, gedacht und geht nach China oder Hongkong. In China ist der Genuss der Nester seit mindestens 1.500 Jahren Tradition. Sie sollen die Jugend bewahren. Und das glauben die Menschen dort immer noch und lassen sich für solche Mahlzeiten entsprechend das Geld aus der Tasche ziehen. Der überwiegende Teil der in Thailand geraubten Nester geht aber nach Hongkong.
Das meiste Geld verdienen bei diesem Geschäft die Händler und Restaurantbesitzer. Doch auch für die Sammler scheint sich das Geschäft noch zu lohnen, denn sonst wäre das hohe Risiko ihrer Arbeit unverständlich. Die Restaurantbesitzer in Hongkong zahlen bis zu 1000 US-Dollar für das Pfund Nester. Dort werden sie mit Hühnerfleisch ausgekocht (denn der Speichel der Vögel ist ein wichtiger Bestandteil und die eigentliche „Delikatesse“ der Mahlzeit) und zu einer Suppe verarbeitet. Wenn Sie das einmal kosten wollen: Der Preis für eine Portion liegt bei 50 US-Dollar. Ein teurer Spaß für die Familie. Aber das Geschäft mit dem Nestklau blüht weiter. Allein in Hongkong werden pro Jahr 100 Tonnen Schwalbennester vertilgt. Der „Wert“: 25 Millionen US-Dollar!
Wenn Sie die Schwalbennestsuppe also unbedingt probieren wollen, passen Sie auf, dass Ihnen keine Vogelfeder im Hals stecken bleibt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen dann einen zweifelhaften „guten Appetit“.
Verwandtes Thema: Grausam zu Tode gequält - Für des Menschen zweifelhafte Gelüste.
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