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Die Königskatzen von Siam

Wie eine Rassekatze die Welt fasziniert

Scan: Alex Mais
Scan: Alex Mais
„Kaum eine andere Rassekatze hat die Menschen über Generationen so fasziniert wie die Siamkatze.“ So beginnt ein Bericht über die Siamkatze, auch Siamesen genannt. Sie werden meistens mit saphirblauen Augen und dunkelfarbigen (dunkel nach braun, schwarz, schokoladenfarben) Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz beschrieben. Interessant ist, dass es sich bei den dunklen Färbungen (die Färbungen werden als Point bezeichnet) um einen Teilalbinismus handelt, da die kleinen Siamkätzchen weiß geboren werden und sich erst später verfärben. Benannt werden sie nach den verschiedenen Verfärbungen als „seal-point“, „chokolate-point“, „blue-point“, „red-point“ oder „creme-point“.

Ursprünglich handelt es sich bei der Siamkatze um eine Tempelkatze (oft auch Königskatze genannt) aus dem alten Königreich Siam, dem heutigen Thailand. Und dort spielte besonders die goldäugige, schwarz gedeckte Spielart eine wichtige Rolle bei religiösen Zeremonien. Das hat sich teilweise noch bis in die heutige Zeit erhalten. Opfergaben in Form von Speisen werden ihr dargebracht und oft werden sie in goldene Käfige gesetzt, vor denen dann Weihrauch verbrannt wird.

Ein besonderes Charakteristikum der echten Siamkatze ist auch der Knoten in ihrem Schwanz. Den soll sie einer Legende zufolge 200 Jahre getragen haben. Der volle Inhalt dieser Legende scheint heute verloren zu sein, doch soll es eine Gottheit gewesen sein, die der Katze den Knoten in den Schwanz gebunden hat, damit sich diese an etwas erinnere, das sie vergessen hatte. Auf dem Rücken mancher hoch gezüchteter Siamkatze lassen sich zwei deutliche Markierungen erkennen, die als charakteristisches Merkmal der Tempelkatzen gelten. Mrs. Cran, die als Expertin für Siamkatzen gilt, hat in ihrer Abhandlung „Cat Gossip“ geschrieben, dass einer Legende nach einst eine Gottheit „eine von ihnen aufnahm und die Spur seiner Finger für immer auf ihren Nachkommen hinterließ“. So entsteht der Eindruck, als ob irgendwer „eine hell gefärbte Katze mit rußigen Händen ziemlich weit unten am Nacken gegriffen hätte“.

Rund 200 Jahre lang soll es Siamkatzen ausschließlich in dem Teil Bangkoks gegeben haben, in dem der König mit seinem Hof residierte. Doch der Ursprung bleibt größtenteils im Dunkel der Zeit verborgen. Russel Gordon, der eine Studie zu diesem Thema erarbeitete, ist der Ansicht, dass es sich bei der Siamkatze um eine Kreuzung zwischen der heiligen Burmakatze und der Annamkatzen handelt. Letztere wurden in das religiös versiegelte und behütete burmesische und kambodschanische Reich der Khmer eingeführt, als dieses den Angriffen der Siamesen und Annamiten im 17. Jahrhundert unterlag.

„Es ist unmöglich, von ihren eleganten, geschmeidigen Bewegungen und ihren blauen Mandelaugen, deren Schnitt, nicht fasziniert zu sein.“ Das schreibt Maia Beltrame in dem Buch „Siamkatze“. Eines der ersten Paare dieser faszinierenden Katzen wurde Generalkonsul Owen Gould als Geschenk des Königs von Siam überbracht. Von ihm wurde es offenbar um 1884 an Queen Victoria nach London weitergereicht. Dadurch entstand in Europa eine gewisse Nachfrage nach den Siamesen, worauf erste Züchtungsversuche und -erfolge resultierten. Zwei Jahre später konnten erstmals zwei der Katzen im Crystal Palace in London öffentlich besichtigt werden. Das war der Anfang der Zuchterfolge in Europa.

Die ersten europäischen Züchtungen hatten damals noch einen kräftigen Körperbau und einen rundlichen Kopf, während die heutigen Siamesen sehr schmal sind und einen keilförmigen Kopf besitzen.

Viele Besitzer solcher Katzen schätzen vor allem ihre zärtliche Anhänglichkeit und das verschmuste Wesen, denn sie mag den Körperkontakt zum Menschen sehr. Sie haart wenig und ihr dichtes Fell ist kaum pflegebedürftig. Damit ist sie die ideale Hauskatze für die Wohnung. „Jeder Katzenfreund, der einer Siamkatze zu lange in die strahlend tiefblauen Mandelaugen schaut, wird ihrem Charme und ihrer Grazie erliegen und viel Freude an dieser anhänglichen Rassekatze haben.“

Scan: Alex Mais
Scan: Alex Mais
Wer sich jetzt entschließt, eine solche Katze zu seinem Hausgenossen zu machen, der sollte sich bitte vorher genauer über Haltung und Pflege informieren. Geeignet dazu ist beispielsweise das hier erwähnte Buch von Beltrame, da es auch Kapitel zu diesem Thema enthält.

Der Sinn dieses Berichtes soll weder die Haltung einer Siamkatze sein, noch eine Diskussion über deren Anschaffung. Vielmehr soll hier die Geschichte, der historische Hintergrund, dargestellt werden. Dies ist in groben Zügen, soweit bekannt, geschehen. Doch das Ganze wäre nicht vollständig, wenn nicht die Burmakatze ebenfalls abgehandelt würde, die der vermutete Ursprung der Siamkatze ist. Auch gibt es viel mehr Dokumentationen über die Burmakatze als Tempelkatze, als dies bei der Siamkatze der Fall ist.

Einen sehr umfassenden Bericht über die heilige Burmakatze verdanken wir zweifellos Russel Gordon, der seine Informationen während des Burmakrieges 1885 erhielt, den er als Offizier der englischen Besatzungsarmee miterlebte. Seine Position ermöglichte es ihm einige Kittahs (= Priester), deren Leben in Gefahr war, zu schützen. Als Dank erhielt er das beispiellose Privileg des Zugangs zu ihren geheimen und heiligen Stätten.

Die indischen Brahmanen waren die erbitterten Gegner der Khmer und ihrer Kittahs. Von Beginn des 18. Jahrhunderts an wurden sie gnadenlos verfolgt und hingemetzelt. Die Überlebenden flohen in den Norden Burmas und fanden Schutz inmitten von chaotischen Labyrinthen und Schwindel erregenden Abgründen in den Bergen. Hier gründeten die Kittahs den prächtigen unterirdischen Tempel Lao-Tsun (übersetzt heißt das „Wohnsitz der Götter“). Zu den geheimen Riten, die hier vollzogen wurden, hatten ausschließlich nur die höheren Kasten des Volkes Zutritt. Russel Gordon beschreibt den Tempel als „eins der größten Wunder des Orients - östlich des Sees Incaougji gelegen, zwischen Magaoung und Sembo, in einem fast verlassenen Gebiet mit riesigen Gipfeln und chaotischen Labyrinthen, bietet es eine Barriere aus unüberwindlichen Mauern.“

Die schönste und umfangreichste Legende zu diesem Thema soll nun als Abschluss in gekürzter Fassung wiedergegeben werden:

Zurzeit als die „barbarischen siamesischen Thais“ mit dem „böswilligen Mond“ nach den „Bergen der Sonne“ kamen, lebte Mun-Ha im Lao-Tsun Tempel. Ihm soll der Gott Song-Hio seinen goldenen Bart gewebt haben und er lebte stets in tiefer Betrachtung von Tsun-Kyankse. Sie war die saphiräugige Göttin die die Umwandlung der Seelen beaufsichtigte, und deren prüfenden Blick niemand entgehen konnte. Mun-Ha hatte eine Katze namens Sinh, die sein Orakel war und ihm seine Entscheidungen diktierte. Ihre Augen waren „gelb wie Gold“.

Eines Nachts kamen die Thais bei Mondaufgang drohend in die Nähe des heiligen Tempels. Da starb Mun-Ha in Anwesenheit seiner Göttin, dicht neben ihm die göttliche Katze. Während die Kittahs noch klagten, vollzog sich ein Wunder der unmittelbaren Umwandlung. Sinh sprang zum heiligen Thron und sah vom Haupt seines Herrn der Göttin in die Augen. Sein Fell entlang des Rückens erbleichte zur goldenen Färbung und seine goldenen Augen wurden unergründlich, abgrundtief, Saphiren blau - wie die Augen der Göttin. Seine vier Pfoten, braun wie die Erde, nahmen Fühlung mit dem ehrwürdigen Schädel und wurden weiß bis zu den Krallen - gereinigt durch die Berührung mit dem ehrwürdigen Verstorbenen.

Sinh wandte sich zum Südtor und die Kittahs verschlossen die bronzenen Tore, den gebieterischen Blicken Sinhs gehorchend. Dann schlugen sie die Angreifer vernichtend. Sinh verweigerte jede Nahrung und weilte auf seinem Thron. Sieben Tage nach dem Tod von Mun-Ha starb auch Sinh. Und wieder sieben Tage später versammelten sich die Kittahs vor Tsun-Kyankse, um den Nachfolger Mun-Has zu wählen. Da kamen plötzlich die 100 Tempelkatzen in einer langsamen, geschlossenen Prozession heran. All ihre Füße waren weiß geworden und ihr schneeiges Fell strahlte in goldenem Glanz. Die Topase ihrer Augen hatten sich in Saphire verwandelt. Sie umringten feierlich Legoa, den jüngsten unter den Priestern, und offenbarten so den Willen des Himmels…

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Schlüsselwörter: Siamkatze | Burmakatze | Thailand | Siam | Burma | Myanmar | Tempelkatze
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