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Wissenschaft: Sonstiges

Der jahrhundertealte Traum vom mechanischen Menschen

Die Entwicklungsgeschichte der Roboter (1): Die sprechenden Maschinenköpfe im Mittelalter

Roboter sind aus unserer heutigen industrialisierten Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wir kennen sie vor allem aus den großen Industriekonzernen als Automaten, computergesteuert die Arbeiten verrichten. Da gibt es riesige, vollautomatisierte Industriehallen, in denen kaum noch ein menschlicher Arbeiter tätig ist.

Dazu war eine jahrzehntelange Forschung und Entwicklung notwendig, die ursprünglich eigentlich aus dem Menschheitstraum einen künstlich geschaffenen Maschinen-Menschen zu konstruieren. Die Anfänge dieser „Automatisierung“ gehen bis weit in das Mittelalter, ja, teilweise sogar bis in das Altertum, zurück. Dies ist eng verbunden mit der Entwicklung der Computer.

Und so waren eine der erstaunlichsten technischen Errungenschaften des Mittelalters (und vielleicht sogar des Altertums) die so genannten „sprechenden Maschinenköpfe“. Es handelt sich dabei um eine Art Computer der Vorzeit, die man unter Umständen sogar als Vorläufer moderner und denkender Roboter der Neuzeit – oder sogar Zukunft – betrachten kann. Diese „sprechenden Maschinenköpfe“ waren in der Lage Fragen exakt mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten.

Es wird berichtet, dass sie in ihren Antworten genau und unfehlbar waren. Eine wahrlich phantastische Überlieferung, die uns hier mit einer Technik konfrontiert, die es doch angeblich erst seit der Erfindung des Computers im 20. Jahrhundert gibt. Wie wunderbar und vollkommen müssen diese Computer der Antike beschaffen gewesen sein, um auf jede mögliche Frage die richtige Antwort zu wissen. Und vor allem: Wer programmierte sie?

Für so etwas sind eine enorme Speicherkapazität und ein umfangreiches Programm nötig. In Anbetracht der Tatsache, dass die ersten Computer vor wenigen Jahrzehnten noch gigantische Ausmaße besaßen, erscheint ein kleiner „sprechender Maschinenkopf“ so phantastisch, dass wir ihn uns kaum vorzustellen vermögen.

Solche antiken Computersysteme sind uns nicht nur in Einzelfällen überliefert. So soll beispielsweise Roger Bacon selbst einen „sprechenden Maschinenkopf“ konstruiert haben. Woher er das dazu notwendige Wissen und die Technik hatte, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Sieben Jahre lang hat er den Berichten zur Folge daran gearbeitet und gebaut. Anderen Personen wurde offenbar ein solcher Computer in einsatzbereitem Zustand übergeben – von wem auch immer.

Diese Computer der Antike basierten bereits auf binären Entscheidungsmöglichkeiten. Sie können nach Ansicht von Bernd Brasser nicht einfach erdacht worden sein, sondern müssen real existiert haben. Er schreibt dazu: „Das ‚Aus‘ und ‚Ein‘, das ‚Positiv‘ und ‚Negativ‘, das ‚Ein-Zwei-Prinzip‘, also ein System aus zwei Einheiten, kurz der Binärcode, gehört zum Wesen aller modernen Computer, die mit Programmen gespeichert werden und die uns auf Abruf dafür Informationen oder Signale liefern.“

Auch Gerbert von Aurilac (940 bis 1003), der spätere Papst Silvester II., soll unter Berücksichtigung und Anwendung astrologischer Berechnungen einen solchen „sprechenden Maschinenkopf“ selber konstruiert haben, der ihm auf jede Frage eine klare Antwort mit „Ja“ oder „Nein“ gab. Auch ansonsten war der Papst in technischen Dingen bewandert und seiner Zeit weit voraus. So wird berichtet, dass er auch eine Wasserorgel mit einem komplizierten, technischen Innenleben konstruierte, die modulierte Töne von sich gab. Eine Pendeluhr, eine mechanische Uhr und ein Fernrohr oder gar Teleskop für astronomische Beobachtungen zählten ebenso zu seinem Besitz – und das lange vor Nikolaus Kopernikus (* 19.2.1473, + 61501; 24.5.1543) und Johannes Keppler (*27.12.1571, + 61501; 15.11.1630).

Der Nachfolger von Papst Silvester II. ließ dessen „sprechenden Maschinenkopf“ sofort vernichten und die Spuren beseitigen. Dabei hatte er offenbar jedoch ein Buch seines Vorgängers übersehen, in dem Silvester II. diesen antiken Computer beschrieb. Darin ist zu lesen: „Die Kunst einen sprechenden Kopf zu entwickeln, ist gar nicht so schwierig, beruht sie doch auf einer Berechnung mit nur zwei Zahlen.“ Und genau dies ist das Zahlensystem, mit dem heute unsere modernen Elektronenrechner arbeiten.

Wenn man weiß, wie etwas funktioniert, die Möglichkeiten und die technischen Voraussetzungen hat, dann ist es bis zur Verwirklichung nicht mehr schwer. Wie gesagt, wenn man es weiß und hat. Doch all dies ganze Wissen, die Voraussetzungen und technischen Möglichkeiten waren doch, so unsere Wissenschaft, im Mittelalter und erst recht im Altertum nicht gegeben. Und trotzdem: „Sprechende Maschinenköpfe“ standen noch ganz anderen Personen zur Verfügung!

Der Magier und Neuplatoniker Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) berichtet in seinem Nachlass der Nachwelt, dass auch Wilhelm von Paris einen solchen ehernen (eisernen) Kopf kannte, der „mit Menschensprache antwortete“.

Johann II., König von Kastilien, ließ nach dem Tode von Enrique de Villena, einem Mitglied des Hochadels, dessen „sprechenden Maschinenkopf“ und eine Sammlung kostbarer Manuskripte in arabischer und hebräischer Sprache vernichten.

Athanasius Kircher (1601 bis 1680) war einer der ganz großen Geheimwissenschaftler und Naturforscher seiner Zeit. Er beschäftigte sich auch viel mit dem legendären Kontinent Atlantis und eine seiner Atlantiskarten ist bereits in zahlreichen Werken publiziert worden. Auch er besaß solch einen antiken Computer: einen „sprechenden Maschinenkopf“.

Roger Bacons Mitstreiter, der Lincolner Bischof Robert Grosseteste, und sein Namensvetter, Sir Francis Bacon, sollen ebenfalls im Besitz eines „sprechenden Kopfes“ gewesen sein. Vermutlich ließe sich diese Liste noch um etliche Namen erweitern. Hinweise und Indizien gibt es genügend.

Die Geheimnisse des Mittelalters sind noch lange nicht alle aufgezählt. Wahrscheinlich gab es damals schon „moderne“ Tonbandgeräte. Wie sonst sollte man beispielsweise Giovanni Battiste Porta (1542 bis 1597) interpretieren, wenn dieser „vom Konservieren gesprochener Worte in Bleiröhren“ berichtet? Oder was anders, als Tonbandgeräte, könnte Cyrano de Bergerac (1619 bis 1655) gemeint haben, wenn er von „sprechenden Büchern“ erzählte, „die mit den Ohren gelesen wurden“?

Den Spitzenstand mittelalterlicher Technik, die Menschen zur Verfügung gestanden haben, aber muss zweifellos der große Dominikanermönch Albertus Magnus erreicht haben, denn er konstruierte – so heißt es – einen kompletten Roboter, der offenbar eigenständig handeln und denken konnte. Und so geht es weiter zum Thema „Lasset uns Menschen machen…“ – diesmal einen mechanischen...

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Schlüsselwörter: künstliche Menschen | mechanische Menschen | Roboter | Automatisation | Computer | Computer der Vorzeit | Lasset uns Menschen machen
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Kommentare

lan
am 05.03.2009 14:44:02 (193.103.148.xxx) Link Kommentar melden
Hochinteressant geschrieben! Ich kannte nur den Namen Roger Bacon.
445
am 19.05.2010 11:32:51 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Gut geschrieben!
Vermisse u.a. einen Hinweis auf alte Götter sagen, so hatte der bekannte Hephaistos ja auch die zwei Keledones, mechanische goldene Dienerinnen, die auch eine "Stimme" hatten gebaut. Waren für den Tempel des Apollo in Delphi. Definiere ich als einen Hinweis für mechanische Roboter.
445
am 19.05.2010 12:49:33 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Bei Giovanni Battiste Porta ist noch erwähnenswert, das er sich mit der polyalphabetischen Verschlüsslung aus altgriechischen Quellen beschäftige, diese weiterentwickelte, und wahrscheinlich diese Kryptographie für seine Aufzeihnungen nutze, da der Papst seine Forschungen einschränkte. Sein Werk "De furtivis literarum notis" (Über die verborgene Bedeutung der Buchstaben), von 1563, machte ihn berühmt.
excursor
am 25.07.2010 16:58:45 (87.189.238.xxx) Link Kommentar melden
Ich vermute mal, das Papst Silvester II sich durch arabische Werke inspirieren ließ. Leider fehlt hier der Hinweis, das Papst Silvester II. bereits als junger Mann in Kontakt mit dem Kalifat in Cordoba stand und so Einblick in die neuen arabischen Wissenschaften hatte!

E swurd egeschrieben "So wird berichtet, dass er auch eine Wasserorgel mit einem komplizierten, technischen Innenleben konstruierte, die modulierte Töne von sich gab. Eine Pendeluhr, eine mechanische Uhr und ein Fernrohr oder gar Teleskop für astronomische Beobachtungen zählten ebenso zu seinem Besitz".

Man konnte auch sagen, das er und viele der genannten europäischen Wissenschaftler, wie u.a. Sir Francis Bacon, entweder sich von arabischen Quellen inspirieren ließ oder einfach diese nur kopierte und verbesserte. Durch den Einfluss der Kirche wurden aber diese Vordenker und arabischen Wissenschaftler einfach ingnoriert und verbannt. Der größte Bluff in der wissenschaftlichen Epoche im europäischen Mittelalter.

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