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Wissenschaft: Sonstiges

Der Traum: Künstliche Intelligenz - Gab es sie bereits?

Die Entwicklungsgeschichte der Roboter (2): Gab es die legendären Roboter des Albertus Magnus?

Der Schritt von den „sprechenden Maschinenköpfen“ (s. Teil 1) war offenbar kleiner als man glauben möchte...

Unter Bezug auf die „sprechenden Maschinenköpfe“ schreibt Eberhard David Hauber zu dem von Albertus Magnus konstruierten Roboter: „Es ist von unterschiedenen berühmten Leuten, unter welchen vielleicht der Poet Virgilius der älteste ist, vorgegeben worden, dass sie haben eherne Köpfe machen können (unter gewissen Stellungen der Planeten und Sterne, und durch Einschreibung der Zeichen derselben in die Metallen und Teile, daraus solche Bilder verfertiget und zusammen gesetzet worden), welche haben reden, und von denen sie verborgene Dinge, und alles, was sie zu wissen verlangten, erfahren können. Albertus Magnus solle hierin künstlicher als seine Vorgänger gewesen seyen, und einen ganzen Menschen von solcher Art verfertigt haben.“

Es heißt, dass Albertus Magnus 20 bis 30 Jahre benötigte, um den Roboter fertig zu stellen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Albertus Magnus nur dann Gelegenheit hatte an seinem Roboter zu arbeiten, wenn er sich im Kölner Dominikaner-Kloster aufhielt. Und das war nicht die meiste Zeit der Fall. Schließlich wurde es, so die Überlieferungen, eine ganz perfekte Maschine, wie wir sie heute offensichtlich kaum besser machen könnten. Der Roboter konnte der Legende nach gehen, sprechen und vollführte sogar Hausarbeiten. Der Sprachschatz des künstlichen Menschen muss schon beträchtlich gewesen sein, denn über seinen Redefluss heißt es: „...sein Geschwätz und seine Klatschgeschichten...“ und: „Er konnte sprechen, und zwar soviel, dass sein Wortschwall Thomas von Aquin störte.“

So unglaublich es auch klingen mag, aber nimmt man all diese Aussagen wörtlich, so konnte der Roboter offenbar selbständig sprechen, das heißt, eine Unterhaltung führen. Das aber hätte eine Art von künstlicher Intelligenz bedeutet. War dies so, könnten unsere heutigen Techniker und Forscher noch viel von Albertus Magnus lernen.

Leider wurde dieser Roboter durch einen religiösen Fanatiker, genau wie viele der „sprechenden Maschinenköpfe“, zerstört. Was dabei ein wenig verwundert, ist die Tatsache, dass diese Zerstörung ausgerechnet durch Thomas von Aquin, den Schüler von Albertus Magnus, geschah. Er musste doch damit vertraut gewesen sein, denn einige Quellen berichten sogar, dass der Roboter auch ihm gedient habe. Wahrscheinlich war Thomas jedoch in seinem Wesen so labil, dass er eines Tages allein mit dem Roboter konfrontiert und möglicherweise durch irgendeine Aktivität von diesem so erschreckt wurde, dass sich bei Thomas eine Art Kurzschlusshandlung einstellte.

Über die Konstruktion wird heute spekuliert, dass das Innenleben des Roboters aus einem uhrwerkähnlichen Mechanismus mit unzähligen feinen Stahlfedern bestanden habe. Das kann durchaus möglich sein und klingt vielleicht auch am plausibelsten. Außerdem hatte Albertus Magnus offenbar Erfahrung im Bau von Robotern, denn eine Legende berichtet auch davon, wie er bereits als Jugendlicher ein mechanisches Pferd konstruiert haben soll, auf dem er genau wie auf einem lebenden Pferd reiten konnte. Und das ganz offensichtlich auch mit einer beachtlichen Geschwindigkeit.

Als Lehrmeister soll ihm dazu ein alter, strenger und frommer Mönch, der unter dem Namen Meister Scholastes bekannt war, gedient haben. Dieser soll ein ungeheures Wissen gehabt haben, das die ganze Bevölkerung mit Unbehagen zur Kenntnis nahm. In einem Lauinger Schloss soll Meister Scholastes seinem Schüler Albert bereits im Knabenalter einen großen Teil des eigenen Wissens weitergegeben und vermittelt haben. Die Bevölkerung hielt es jedes Mal für Teufelswerk, wenn in der Nacht die Gemäuer des Schlosses glühten und Feuerzungen aus den Schlosstürmen schossen.

In der Legende über das Roboter-Pferd lesen wir wörtlich: „Vor das Schloss schleppten die Diener ein hölzernes Pferd, das Albert in aller Heimlichkeit konstruiert hatte. Kurz darauf erschien der Jüngling. Er saß auf und machte sich an einem Hebel zu schaffen. Sogleich begann das Pferd zu gehen und alsbald sich mit wundersamer Geschwindigkeit zu bewegen, wobei sein Reiter es wie ein lebendiges Ross aus Fleisch und Blut lenkte.“

Auch die griechische Sagengestalt Dädalus soll bereits einen Roboter aus Holz als Abbild der Minerva konstruiert haben, der in allen Gliedern beweglich war, so dass er durch die Bewegung seiner Zunge zu singen und zu hüpfen schien. Die Ursache dieser Bewegung war, dass in seinem hohlen Innern Werkzeuge, die Organe genannt wurden, eingebaut waren, die Quecksilber enthielten. Auf dessen Bewegung hin schien sich der Roboter, dessen Füße mit kleinen Rädern ausgestattet waren, zu bewegen. Darin befanden sich hohle Bögen, die durch kleine Zellen getrennt waren. Wenn das Quecksilber im vorderen Bogen herabstieg, erhob sich der hintere Bogen und das Rad drehte sich um. So bewegte sich der Roboter fort, denn er musste sich zwangsläufig dorthin bewegen, wohin sich das Quecksilber bewegte.

Zugegeben, dies alles sind Legenden, ähnlich der Golem-Legende, die heute leider nicht bewiesen werden können, weil praktisch in allen Fällen hohe kirchliche Würdenträger des Vatikan dafür gesorgt haben, dass es all diese Dinge nicht mehr gibt. Behinderte so der Vatikan ganz bewusst die technische Entwicklung der Menschheit?

Computer und nahezu perfekt erscheinend Roboter im Mittelalter? Kann es so etwas wirklich gegeben haben? Ich tendiere dabei auf ein eindeutiges „Ja“ als Antwort. Vielleicht nicht ganz so perfekt, wie die Legenden es erscheinen lassen, aber die Grundmechanik dazu gab es. Und dies bereits seit dem Altertum…

Im 1. nachchristlichen Jahrhundert lebte Heron von Alexandria. Bereits er hatte eine ungeheure Kenntnis der Mechanik, auf der die Technik basiert. Und er hat sie offensichtlich auch selber angewandt. Dazu gehörten zweifelfrei auch solche Errungenschaften, die man heute als Roboter betiteln würde.

Pauly beispielsweise widmet Heron von Alexandria in seiner „Paulys Realencyclopedie der classischen Altertumswissenschaften“, die aus 68 Halbbänden und 15 Supplementbänden mit einem Umfang von insgesamt 108.746 Spalten (= 54.373 Seiten) besteht, den erstaunlichen Umfang von 88 Spalten (= 44 Seiten). Pauly berichtet hier über die Technik (auch „Mechanik“), die Heron von Alexandria zur Verfügung stand – oder die er zumindest kannte.

Ab Spalte 1.045 lesen wir in Stichworten (zum Beispiel) über „die Automatopoilka“: „...kinetisch betriebene Figuren (Automaten = Roboter) ... Gleichgewichtswerke ... Zauberapparate ... Marionetten, auch tönend (sprechend) ... Gliederung: fahrende Automaten (Auto-Kineta = Selbstbeweger) ... stehende Automaten (stata automata) und Marionetten (...den Anschein erwecken, dass es sich um lebende Wesen handelt) ... Bewegung von Wellen auf Rädern und Rollen, Übertragung (Transmission, Getriebe) mit Sehnen und Schnüren, Antrieb durch Fallgewichte, Antrieb durch Spannholz (aufziehen), Antrieb durch Spannkraft...“

Einige der interessantesten technischen Konstruktionen des Heron haben auch Alfred Chapuis und Edmond Droz in ihrem Werk „Automata – A historical and technological Study“ (Central Book Company Inc., New York) vorgestellt, dass ich als weiterführende Quelle hierzu empfehlen kann...

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Schlüsselwörter: Künstliche Intelligenz | Roboter | Computer | Mittelalter | Albertus Magnus | Roger Bacon
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Kommentare

am 08.03.2009 12:06:48 (91.65.39.xxx) Link Kommentar melden
Über die Jahrtausende entschwundenes Wissen, das in Teilen von Generation zu Generation weitergegeben wurde und das ursprünliche Verstehen, verloren ging. Nur hin und wieder haben geniale Köpfe begriffen und nachgebaut, was sogar funktioniert und die Umwelt in Schrecken versetzte. Siehe Glühlampen etc. Und die Wissensbewahrer waren die Pharaonen als erste Nachsintfluthochkultur, die eben plötzlich da war. So aus dem Nichts. Und ihr Wissen in Stein meißelten. Warum? Das dürfte doch jedem klar sein. Und die Hinterlassenschaften haben derart viele Hinweise auf eine technische Vorläuferschaft bis hin zu U-Boten und Weltraumflügen, da nur ein Thor das zu leugnen vermag. Aber offensichtlich sind die in der Mehrheit.
445
am 19.05.2010 13:36:27 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Gut geschrieben!
Während so oft über die phantastischen Werke des Heron von Alexandria geschrieben wird, doch wenig Bezug auf die Bibliothek von Alexandria, aber, was viel wichtiger wäre, über die legendäre "Expedition jenseits von Pontus", auch als "die Schriftrollen jenseits von Pontus" übersetzt. Wahrscheinlich nahm er nicht an die Expedition selber teil, eher muss man davon ausgehen, das ihm fahrende Händler alte Schriftrollen verkauften. Diese werden wurden alsbald als die "kostbarsten der Bibliothek" erwähnt, so die Legende.
445
am 19.05.2010 14:20:27 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Schreibe es deshalb, weil (vermutlich) Heron ja sein Wissen aus der Bibliothek sammelte und dadurch u.a. seine Forschung in Mechanik so vollenden konnte. Auchwenn es nur eine Legende ist, hier nur nebenbei erwähnt. - Folgende Legende gibt es im altgriechischen, Quelle weiss ich nicht mehr, daher schreibe ich ja vorsichtig "Legende", kann also auch erfunden sein (?). Hier also die Kurzform:
Fahrende Händler waren von Aegyptus aus Richtung Pontos Euxeinos (auch Pontus Euxin) und auch jenseits davon (vielleicht Kolchius ?). Dabei kauften sie "allerlei" von arabische Händlern, auch jene als "mithridatisch" bezeichnete Schriftrollen und Schrifttafeln aus Elektron. Die arabischen Händler verkauften sie aber als "die Schriften von Dschabal al-alsun". Vermute mal eher, das die Bibliothek dies von den Händlern kaufte und nicht Heron, was ja üblich war.

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