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Sonstiges: Kultur & Religion

Der Golem (3): Mensch = Golem? – Parallelen im Tod

Im Tod sind alle gleich – Erde zu Erde… – „Lasset uns Menschen machen…“

Viele Golems wuchsen an Größe und Kraft und gerieten dann außer Kontrolle. Deshalb mussten sie auch wieder vernichtet werden. Außer Kontrolle geraten war dies nur noch schwer und unter Einsatz des eigenen Lebens möglich.

Das macht auch die Geschichte des Rabbi Elijahu deutlich, die uns durch Jakob Emden überliefert ist. Darin berichtet Emden, dass über Rabbi Elijahu, der auch Baalschem genannt wurde und ein Urahn von Chelm war, erzählt wird, wie er einen Golem erschuf, der ihm als Knecht diente. Durch den Schem, der auf einem Papierstreifen geschrieben war und den der Golem um seine Stirn gebunden trug, gewann dieser immer mehr an Kraft und Größe. So drohte der Golem eigenständig und unkontrollierbar zu werden und Rabbi Elijahu sah sich gezwungen, ihn wieder zu vernichten. Dies geschah einfach, indem er ihm den Papierstreifen mit dem Schem von der Stirn riss. Dadurch seiner Lebenskraft beraubt, fiel der Golem zu einem einfachen Klumpen Lehm zusammen. Doch der Golem des Rabbi Elijahu war inzwischen so groß und stark geworden, dass er seinen „Tod“ im letzten Augenblick noch zu verhindern versuchte und dem Rabbi noch einen heftigen Schlag ins Gesicht versetzen konnte, mit dem er Elijahu erheblich verletzte.

Auch der Sprach- und Altertumsforscher Jakob Ludwig Carl Grimm (* 4.1.1785 in Hanau, † 20.9.1863 in Berlin), der zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Carl Grimm auch eine Märchensammlung herausgab, hat sich des Golem-Themas angenommen. Jakob Grimm berichtet dabei vornehmlich von den Golems polnischer Juden und schrieb, dass diese nach gewissen gesprochenen Gebeten und gehaltenen Festtagen solche Golems aus Ton oder Leimen (= Lehm) erschufen, die lebendig wurden, wenn man das wunderkräftige Schemhamporas darüber sprach. An der Stirn eines solchen Golems stehen die Buchstaben „aemaeth“ geschrieben, was soviel wie „Wahrheit, Gott“ bedeutet. Auch Jakob Grimm berichtet, dass die Golems durch dieses geschriebene Wort immer mehr an Größe und Kraft zulegten.

Die polnischen Juden entledigten sich ihrer unliebsamen Golems wieder, indem sie den ersten Buchstaben des Wortes „aemaeth“ auslöschten, so dass lediglich das Wort „maeth“ übrig blieb, was soviel wie „er ist tot“ bedeutet. Augenblicklich sollen sich die Golems dann wieder in das zurückverwandelt haben, was sie früher waren: ein Klumpen Lehm oder Ton.

Dies alles hört sich einfach und unkompliziert an. Man reißt dem Golem das Stirnband vom Kopf oder streicht ein paar Buchstaben aus, und der Spuk ist vorbei. Doch so einfach wie es sich anhört war es in der Realität meistens nicht und es konnte bei der Golem-Vernichtung immer wieder zu lebensbedrohenden Situationen kommen. Überlieferungen berichten häufig von solchen Problemen, und einmal soll einem Rabbi sein Golem so groß gewachsen sein, dass er ihm nicht mehr an die Stirn reichen konnte. Dies geschah in sorgloser Nichtbeachtung des Rabbi für seinen Golem. Also musste der Rabbi zu einer List greifen und befahl dem Golem ihm die Stiefel auszuziehen. Als sich der Golem dazu nieder bückte, riss der Rabbi ihm den ersten Buchstaben von der Stirn. Augenblicklich fiel der Golem zu einem riesigen Klumpen Lehm zusammen, der so groß war, dass er den Rabbi unter sich begrub und der dann unter dem Lehm elendig ersticken musste.

Im Altertum soll es auch menschliche Riesen gegeben haben und selbst in der Bibel finden sich dazu Geschichten. So konnte David den Riesen Goliath nur mit List töten, indem er ihm mit einer Steinschleuder an die Stirn schoss. Auch diese Bibelgeschichte deutet auf einen Golem hin. Wenn ein Golem immer mehr an Größe und Kraft zunehmen konnte, so musste er zwangsläufig zu einem Riesen werden. Die Parallelen sind überdeutlich. War der biblische Riese Goliath also ein solcher Golem, der vielleicht ein Band mit dem Schem um seine Stirn trug? Konnte ihn David nur dadurch töten, weil er ihm mit seiner Schleuder das Band von der Stirn schoss oder den ersten Buchstaben des Wortes „aemaeth“ wegschoss, so dass nur noch das Wort „maeth“ (= „er ist tot“) übrig blieb? Ist dies die Lösung zum Rätsel der Riesen, die es einst auf der Erde gegeben haben soll?

Die ehemalige Existenz solcher Riesen ist wissenschaftlich umstritten und zweifelhaft, weil es bisher keinerlei historische Funde wie beispielsweise Skelette gibt, die sie beweisen könnte. Waren die Riesen aber Golems, dann zerfielen sie im Sterben zu Lehm oder Ton und es kann heute zwangsläufig keine Beweise, wie Riesen-Skelette geben, denn alles, was von ihnen letzten Endes übrig blieb war ein Haufen „Erde“.

Das Gleiche bleibt auch vom menschlichen Körper übrig, denn auch er wird wieder zu dem, was er einst war, als Gott ihn aus einem „Erdenkloß“ schuf. In unseren Breitengraden ist die Erdbestattung die (noch) vorrangigste Bestattungsart. Der Leichnam wird in die Erde gebettet und wird dort im Laufe der Zeit, durch den Verwesungsprozess, wieder zu Erde. Selbst die Knochen zerfallen eines Tages wieder zu Staub.

Wie sagt doch der evangelische Pfarrer bei der Beerdigungszeremonie, wenn er die letzten Worte am Grabe spricht: „Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du wieder werden!“ Und auch folgende Worte werden häufig gesprochen, wenn der Geistliche am Grab steht, die letzten Sätze spricht und dabei mit dem Schüppchen dreimal Erde ins Grab wirft: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.“

Woher kommt dieser Spruch, der sicher auch in der Genesis begründet ist? Auf meiner Spurensuche stieß ich schließlich auf ein altes, tschechisches evangelisches Lied, das seinen Ursprung im Jahre 1519 haben soll und 1531 von Michael Weisse überarbeitet und ins Deutsche übertragen wurde. Dieses Lied befindet sich heute in dem Evangelischen Kirchengesangbuch als Lied Nr. 174 unter dem Themenbegriff „Die Bestattung“ in der Ausgabe für die Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe. Auch dort wird ausdrücklich gesagt, dass der Mensch von Erde ist und zu Erde wieder werden wird:

„Erd ist er und von der Erden,

wird auch zu Erd wieder werden

und von der Erd wieder auferstehn,

wenn Gottes Posaune wird angehen.“

Erstaunlich ist dabei, dass dieses Lied aus einer tschechischen Quelle stammt. Aus dieser Region, der ehemaligen Tschechoslowakei, und den angrenzenden osteuropäischen Gebieten stammen auch die meisten Golem-Sagen jüdischer Rabbiner, denn das Land Israel gab es damals noch gar nicht. Ist das nur ein Zufall?

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Die Themenreihe „Lasset uns Menschen machen...“ wird demnächst mit Kapitel 3, Kapitel-Thema: „Roboter und ‚sprechende Maschinenköpfe’ im Mittelalter“ fortgesetzt.

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Schlüsselwörter: Klon-Technik | Gen-Technik | künstliche Menschen | Golem | Golems | Prag | Rabbi Löw | Schöpfungsgeschichte | Lasset uns Menschen machen | Genesis
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Kommentare

am 24.02.2009 11:52:43 (193.103.148.xxx) Link Kommentar melden
Interesant ist ja die Tatsache, das man u.a. in China Riesenskelette gefunden haben soll, deren Knochen aber von den Chinesen zu "Heilzwecken" zermalmt wurden.
Alex Mais
am 25.02.2009 21:38:22 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Vgl. auch zum Thema "Riesen" bei scriptor: Laos - Die rätselhaften Steinkrüge.
trung
am 28.02.2009 12:19:57 (87.189.206.xxx) Link Kommentar melden
Hut ab, Herr mais, Sie haben sehr geschickte Schriftstellerfinger und verstehen es Leser zu bannen !

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