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Sonstiges: Kultur & Religion

Der Golem (2): Ist der Mensch ein Golem?

Die Erschaffung des Menschen in der Bibel – „Lasset uns Menschen machen…“

Die Erschaffung eines Golems (siehe „Der Golem“ Teil 1) durch die jüdischen Rabbiner gleicht, das haben wir bereits am Beispiel des Rabbi Löw gesehen, in unheimlicher Weise der Erschaffung des Menschen durch Gott in der Genesis. In der biblischen Schöpfungsgeschichte des Menschen lesen wir dazu genau das Gleiche:

Der Mensch ein Bild Gottes: Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Wasser und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und er schuf sie einen Mann und ein Weib. (1. Mose 1, 26 – 27)

Der Mensch im Paradies: Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. (1. Mose 2, 7 – 8)

Schöpfung des Weibes: Ehestand: Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei ... Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen über den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippe eine, schloss die Stätte zu mit Fleisch. Und der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und er brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin heißen, darum dass sie vom Manne genommen ist. (1. Mose 2, 18 u. 21 – 23)

Vergleicht man nun diese Schöpfungsgeschichte des Menschen aus der Bibel mit den Sagen um die Erschaffung der Golems, so drängt sich unweigerlich die Frage auf: Was ist der Mensch? Ist der Mensch in Wirklichkeit nichts anderes, als ein perfekter Golem? Der erste Mensch aus der biblischen Schöpfungsgeschichte hieß Adam. Nach Andreas Faber-Kaiser bedeutet dieser Name Boden (= Erde) oder Mann der Erde (kann auch als Mann von Erde interpretiert werden).

Auch der Psalm 139 weist in den Versen 15 und 16 auf die Parallele zwischen der Erschaffung des Menschen und eines Golem hin: „Es war dir mein Gebein nicht verholen, da ich im Verborgenen gemacht ward, da ich gebildet ward unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch unbereitet war...“ Weitere Parallelen zwischen dem Christentum und dem Judentum, das bis zu den Kreuzzügen als Bestandteil der Christenheit bestand, ist die Legende, dass auch Thomas von Aquin die Fähigkeit und Gabe der Schöpfung besessen haben soll. Und auch Papst Silvester II. soll sich um das Jahr 1000 einen weiblichen Golem geschaffen haben, der ihn „warm halten“ sollte. Doch das endlose Geschwätz seiner künstlichen Gefährtin nervte ihn so sehr, dass er sie erschlug.

In der jüdischen Überlieferung gibt es auch eine Legende, die besagt, Abraham habe ein Buch geschrieben das Zauberformeln der Schöpfung enthalte und an Isaak und Jakob vererbt wurde. Später soll es von Generation zu Generation weitergegeben worden sein. Das Buch, das heute noch existieren soll, wurde nach Rabbi Chaim Potok jedoch erst im frühen Mittelalter, vermutlich irgendwann zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert, verfasst. Und nach dem „Talmud“ hatte auch der Prophet Jeremias einen Golem erschaffen.

Der französische Schriftsteller Robert Charroux berichtet in seinem Buch „Phantastische Vergangenheit“ von einer interessanten Legende über die Erschaffung des Menschen, die in dieses Konzept haargenau hineinpasst. Demnach formte Gott den Menschen aus Ton, stellte diese Statue in einen Ofen und heizte diesen neun Tage lang. Als er sie wieder herausnahm, war sie ganz schwarz gebrannt.

Ein neuer Versuch wurde gestartet und diesmal dauerte der Brand acht Tage. Doch auch mit dem daraus resultierenden Ergebnis war der Schöpfer nicht zufrieden, denn auch der zweite Mensch hatte noch reichlich vom Feuer abbekommen und war rot. Wieder war Gott unzufrieden und machte eine neue Statue. Diese wurde nur sechs Tage im Ofen gelassen und war ganz weiß, kaum richtig gebrannt. Da sagte Gott: „Ich muss noch einmal von vorne anfangen!“

Der vierte Versuch brachte nach sieben Tagen den zufrieden stellenden Erfolg: Die Statue kam goldgelb heraus. „Das soll der vollkommene Mensch sein“, sagte Gott und beendete sein Werk.

Interessant ist dabei, dass auch dieser Legende die bekannten Fakten einer Golem-Schöpfung zugrunde liegen. Vier Versuche soll der Schöpfer gemacht und dabei vier verschiedene Resultate erzielt haben. Aus diesen entstanden dann die verschiedenen Menschenrassen auf der Erde. Der erste Versuch brachte die schwarze Rasse (Afrikaner), der zweite Versuch die rote Rasse (Indianer) und der dritte Versuch die weiße Rasse (Europäer). Beim vierten Versuch kam schließlich die gelbe Rasse (die Asiaten/Chinesen) heraus. So hat nach dieser Legende jede Rasse ihren eigenen, von Gott erschaffenen Stammvater, der ein Golem gewesen sein könnte. Interessant ist, dass in dieser Legende die Schöpfung der gelben Rasse als das für Gott zufrieden stellende Resultat bezeichnet wird.

Die meisten Golem-Legenden erzählen uns über männliche Golems, und dass ein Golem nicht in der Lage war zu sprechen. Aus diesem Grunde gilt in weiten Kreisen auch die Meinung, dass ein durch jüdische Rabbiner erschaffener Golem nicht in der Lage wäre Kinder zu zeugen. Die Golems wären somit zwar lebende, menschliche Ebenbilder, aber keine perfekten.

Und dennoch scheint es in der Vergangenheit einen perfekten und sogar weiblichen Golem gegeben zu haben. Die Überlieferung dazu berichtet, das Rabbi Elieser einst seine Frau aus dem Hause jagte, da sie keine Kinder gebären konnte. Daraufhin erschuf er einen weiblichen Golem und machte diesen zu seiner Frau. Die Golem-Frau soll wunderschön gewesen sein, konnte sprechen und hat ihm schließlich sogar einen Sohn geboren.

Aber dieses idyllische Familienglück zwischen Mensch und Golem war nicht von Dauer. Der Sohn starb in jungen Jahren und es kam schließlich immer häufiger zu einem Streit in der Ehegemeinschaft Mensch – Golem. Und so vernichtete der Rabbi seine Golem-Frau wieder und kehrte reumütig zu seiner ersten Frau zurück.

Solche Praktiken passten offensichtlich auch nicht so recht in das äußerliche Erscheinungsbild der jüdischen Glaubensgrundlagen. In der Einleitung der deutschen Übersetzung des babylonischen „Talmud“ von Dr. Reinhold Mayer lesen wir dazu: „Rabbi Elieser kam zwar aus der Schule Hillel’s, vertrat aber zugleich Traditionen der Schule Schammai’s. Er versuchte ältestes Überlieferungsgut aller Richtungen zu sammeln und wurde schließlich um der geschichtlich geforderten Beschränkung Willen in den Bann getan.“

Aber der wahre Grund für diesen Bann soll seine Erschaffung des perfekten Golems gewesen sein. Das war nur möglich, weil Rabbi Elieser das Geheimnis um die Schöpfung des Menschen kannte und mit seinem Werk nach Auffassung der geistlichen Obrigkeit damit auch „Gott ins Handwerk gepfuscht“ hatte.

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Schlüsselwörter: Klon-Technik | Gen-Technik | künstliche Menschen | Golem | Golems | Prag | Rabbi Löw | Schöpfungsgeschichte | Lasset uns Menschen machen | Bibel | bilblische Schöpfungsgeschichte | Genesis
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Kommentare

am 22.02.2009 13:44:48 (217.83.108.xxx) Link Kommentar melden
Eine interessante und historisch sehr qualifiziert aufgebaute Reportage. Ich bin auf die weiteren Teile gespannt.
"Was die Atombombe und das Wissen um die Nukleartechink in Sekunden anrichten kann, scheint mit Hilfe des Wissens um die Gentechnik, dem genetischen Code des >Lebens< über Generationen hinweg sich zu einem existenzbedrohenden Eingriff in das Leben an für sich darzustellen."
Bleibt dann aber immer noch die alte Frage nach der Seele. Gibt es sie? Gibt es sie genetisch? Was ist die Seele überhaupt? Und und und...
am 24.02.2009 11:50:30 (193.103.148.xxx) Link Kommentar melden
Sehr spannend und interessant geschrieben !
trung
am 28.02.2009 12:18:45 (87.189.206.xxx) Link Kommentar melden
Habe auch den zweiten Teil verschlungen, sehr gut !
Alex Mais
am 28.02.2009 14:22:04 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Ja, da ist sie, die große Frage der Menschheit nach der Seele. Was ist die Seele? Ist sie gleichzusetzen mit dem Bewußtsein? Und was ist das Bewußtsein? Sind es wirklich "unsterbliche" Dinge, die uns ein Weiterleben nach dem Tod "garantieren" (in welcher Form auch immer)?

Wenn die Seele nach dem Tod des Körpers, des Menschen, weiterlebt und auch ein Bewußtsein hat, dann kann sie nicht materiell existieren und dürfte somit auch keinen Einfluss auf die Gene haben. Und dann gibt es sie auch genetisch nicht.

Ist die Seele ein "feinstoffliches" Gebilde, ein energetisches Gebilde? Das erscheint dann schon logischer zu sein. Und dann könnten auch diejenigen Recht haben, die sogenannte Geister- oder Spukerscheinungen den Verstorbenen zuordnen.

Geht man soweit, dann kann quasi alles möglich sein: der Himmel (das Paradies) und die Hölle nach dem christlichen Glauben genauso wie Reinkarnation oder die Wiedergeburt im Buddhismus. Letztere ist abhängig von den zu Lebzeiten erworbenen Verdiensten, die das Karma bestimmen. Und so kann jemand mit schlechtem Karma nach dem buddhistischen Glauben auch schon mal als Tier (oder im schlimmsten Fall auch mal als Stein - als leblose, tote Materie bzw. darin) wiedergeboren werden...
lan
am 05.03.2009 12:15:31 (193.103.148.xxx) Link Kommentar melden
Na, gab es wirklich mal viele Götter, die sich mit Gentechnik auskannten ? Wann mögen die das gemacht haben ?
445
am 19.05.2010 11:21:11 (80.132.98.xxx) Link Kommentar melden
Gut geschrieben!
Ich vermute sogar, das in der Bibel ältere Texte verwendet wurden. Schon vor dem biblischen Gott gibt es Hinweise aus den altgriechischen Göttersagen, so als ein Beispiel den Prometheus-Mythos "Prometheus wollte die Menschen aus der Erde erwecken. Also ging er auf die Erde und formte sie aus Ton."

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